Unsere Jugend als Anarchisten?

Noam Chomsky (Foto: Wikipedia)

Noam Chomsky (Foto: Wikipedia)

Ein irgendwie belustigender Gedanke. Und doch: ein Wunsch, den auch ich teile. Im Moment bin ich sogar relativ hoffnungsvoll, dass sich in diesem Lande etwas verändert: in diesen Minuten treffen sich Menschen auf dem Alexanderplatz um – ganz im Sinne der Demokratiebewegung Spaniens – darüber zu debattieren, wie eine neue Art von Demokratie zu erreichen ist. Mir scheint, das ist nicht der schlechteste Ansatz.

In der Zeit gibt es ein (viel zu kurzes) Interview mit einem der ganz Großen unserer Zeit: Noam Chomsky. Nun ist er sicherlich nicht mehr als Jugendlicher zu bezeichnen; aber das ist Stéphane Hessel auch nicht. Und doch hat sein Aufsatz “Empört Euch!” den besseren Teil der Jugend Europas auf- und wachgerüttelt.

Es braucht vielleicht immer Ältere, Erfahrenere, die Wege weisen. Noam Chomsky gehört ganz sicher dazu. Obwohl ich – ich gebe es zerknirscht zu – bisher eher über ihn las, als von ihm. Doch das wird sich nun ändern.

Auf die Frage der Zeit, was er denn verändert habe in den letzten 45 Jahren, antwortet Chomsky: “Nicht ich persönlich habe etwas verändert. Ich war Teil einer Bewegung, und diese Bewegung hat vieles erreicht. Die Welt heute unterscheidet sich fundamental von der Welt von vor 45 Jahren: Der Einsatz für Bürgerrechte, Menschenrechte, Frauenrechte und Umweltschutz, der Widerstand gegen Unterdrückung und Gewalt haben die Welt substanziell geprägt. Ich kann nicht verstehen, wie Sie behaupten können, es habe sich nichts verändert!” Das erinnert mich dann doch an meine eigene Selbstwahrnehmung.

Es geht eben nicht darum, selbst die Welt zu verändern. Es geht darum, sich als Teil eines größeren Ganzen zu begreifen. Im Positiven (wie in diesem Falle) wie auch im Negativen. Wir sind alle Teil der globalisierten Welt – und damit auch – da wir im Westen leben – Teil der “Gewinner” der Globalisierung. Schon allein, dies zu begreifen, ist ein Schritt, den viele nicht gehen wollen oder können.

“Fortschritt ist langsam” sagt Chomsky weiter, “aber über lange Zeithorizonte hinweg dramatisch, denken Sie etwa an die Abschaffung der Sklaverei oder die Entwicklung der Meinungsfreiheit. Rechte werden nicht einfach so verliehen. Menschen, die sich zu Bewegungen zusammengeschlossen haben, haben sie durchgesetzt. Doch Fortschritt ist keine lineare Entwicklung, es gibt auch Zeiten des Rückschritts.”

Mir macht ein solcher Satz Mut. Denn ich beziehe das nicht nur auf vordergründig politische Dinge, sondern auch um den hier bereits beklagten Eindruck, gegen z.B. Unvernunft und Glauben kaum ankommen zu können. Doch wenn ich bedenke, dass es erst ein halbes Lebensalter ist, das uns von einer Zeit trennt, da kirchliche Moralvorstellungen einzig “erlaubte” waren… und wenn ich mir ansehen, wo wir heute stehen… dann macht mir das doch Mut. Ich muss mich nur ab und an daran erinnern.

Die Zeit fragt Chomsky, was er für ein erfülltes Leben hält. Seine Antwort: “Um ein wirklich erfülltes und befriedigendes Leben geführt zu haben, sollten sie [seine Studenten] Probleme erkannt und dazu beigetragen haben, diese zu beseitigen. Wenn sie mit 80 Jahren nicht zurückblicken und sagen können: »Ich habe etwas erreicht!«, dann ist ihnen ihr Leben nicht gelungen.” Tun also! Nicht nur jammern und anderen “Schuld” und Verantwortung geben. Ganz so, wie es Schmidt-Salomon im Leibniz-Buch sagt: “Ein gutes Leben ist, sich für eine größere Sache einzusetzen!”

Der Zeit-Artikel heißt: “Studenten sollen Anarchisten werden” – drum hier die (wirklich liebenswerte) Erklärung dazu:

ZEIT Campus: Sie sagen häufig, Sie seien Anarchist. Was meinen Sie damit?

Chomsky: Anarchisten versuchen, Machtstrukturen zu erkennen. Sie verlangen, dass sich diejenigen, die Macht ausüben, rechtfertigen. Meistens gelingt diese Rechtfertigung nicht. Dann arbeiten Anarchisten daran, die Strukturen zu enttarnen und sie zu überwinden – ganz egal, ob es sich um patriarchalische Familien, um ein mafiöses internationales System oder um die privaten Tyranneien der Wirtschaft, also die der Unternehmen, handelt.

ZEIT Campus: Was war das Schlüsselerlebnis, das Sie zum Anarchisten machte?

Chomsky: Es gab keins. Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich angefangen, in New Yorker Antiquariate zu gehen. Viele von ihnen wurden von Anarchisten betrieben, die aus Spanien stammten. Deshalb erschien es mir damals ganz natürlich, Anarchist zu sein.

Nic
der nach der Definition auch Anarchist ist :-)

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