Unser Umgang mit Wut

Ich gehe mit meiner eigenen Wut immer noch nicht wirklich deeskalierend um. Ihr kennt das sicherlich. Jemand spricht mit euch und man fängt an zu diskutieren, ihr fühlt euch unverstanden und werdet wütend.

Ich werde dann impulsiv, meist etwas nervöser, mein Puls steigt ins unermessliche, mir wird sogar ein bisschen schwindelig und ich werde stimmtechnisch lauter, spreche einige Wörter mehr in der Sekunde und fange irgendwann an zu zittern. Bis ich mich beruhige kann schon mal eine Weile dauern. So ungefähr läuft es bei mir immer ab. Da bin ich nicht stolz drauf und alle möglichen Versuche, so nicht zu reagieren, schlugen meist fehl. Ich zählte im Kopf bis zehn. Ich zählte im Kopf auf Französisch und Englisch bis zehn. Ich versuchte an etwas anderes zu denken und einfach mein Mund zu halten. Ich denke ich muss mehr Disziplin haben und den Dingen weniger Wichtigkeit geben und auch mich und meine Meinung manchmal weniger wichtig nehmen.

Ja und nun kommen wir zur Wut bei meinem Kleinkind. Die einen nennen es Trotzphase, die anderen Autonomiephase.

Der Prinz ist jetzt 2,4 Jahre alt und wirklich wütend wurde er nie, bis jetzt.

Seit knapp einer Woche ist das anders. Ich wollte ihm morgens die Jacke anziehen um zur Kita zu gehen. Da schrie er und ganz viele Tränen stiegen in seine kleinen Äuglein. Er sprang auf, rannte in den Flur und schmiss sich auf die Erde und weinte so sehr. Ich musste fast mitweinen, da ich dachte er hat sich weh getan oder ich habe ihm weh getan. Ich ging hin und er stand auf und haute mit beiden Armen auf meine Schultern und schrie „Nein Mama, geh weg, raus, NEIN"

Ich sagte ihm sofort ganz ruhig, das wir nicht hauen und das ich ihn jetzt umarme. Er ließ es zu und krallte sich an mir fest. Mir tat das unendlich leid. Er ließ sich dann anziehen und wir fuhren in die Kita. Dort sagte ich der Erzieherin, was passiert ist und das er wohl einfach ein bisschen mehr Raum und Streicheleinheiten braucht. Sie versicherte mir, dass Sie sich das Ganze mal anschauen. Als ich ihn wieder abholte, erzählten Sie mir, dass alles prima war und er total gut drauf .

Ok. ich gebe zu, das es mich im ersten Moment verletzt hat, dass er so „sauer" war und in der Kita nicht aber dank vieler lieber Bloggerkolleginnen, die bereits darüber schrieben, wusste ich, dass mein Kind bei mir natürlich in seinem sicheren Hafen ist und so sein kann wie er ist und das Wissen hat, ich fange ihn auf.

Als wir zu Hause ankamen, ging es gleich wieder weiter. Er wollte etwas haben, ich habe es aber nicht verstanden und von jetzt auf gleich explodierte er. So habe ich ihn wirklich noch nie gesehen. Ich habe mich total erschrocken und bin kurz laut geworden. Ich schrie im Prinzip zurück. Ich schrie, dass ich nicht weiß was er möchte und setzte mich auf die Treppe. Er weinte natürlich noch mehr und schmiss sich wieder hin. Ich schaffte es mich zu beruhigen. Ich schaffte es, es nicht auf mich zu beziehen.

Was mein Kind brauchte, war Verständnis und Raum, seine Gefühle, seine Wut zu zeigen.Unser Umgang mit Wut

Ich ging zu ihm und fragte ob ich ihn halten soll. Er überlegte und kam in meinem Arm. Er biss in meine Schulter. Es tat wirklich höllisch weh und ich setzte ihn aus Reflex sofort vor mich und sagte entschlossen Nein.

Er war etwas perplex und weinte weiter. Ich nahm ihn wieder in meine Arme und wiegte ihn. Ich flüsterte in sein Ohr, dass ich da bin. Ich sagte ihm, das er wütend sein kann. Ich sagte ihm, dass ich ihn liebe und mich erschrocken habe und auch das es mir leid tut, das ich ihn angeschrieen habe. Ich sagte ihm aber auch, dass wir nicht hauen und nicht beißen. Für mich ist die körperliche Wut schwer zu verarbeiten. Auch war ich wirklich überfordert mit der Situation.

Er beruhigte sich und kurze Zeit später funktionierte irgendwas nicht und er fing an, wütend Spielzeug durch die Gegend zu schmeißen und schrie, Nein, Nein.

Ich erklärte ihm, dass wir kein Spielzeug schmeißen, da er sich, uns oder andere Dinge verletzen und kaputt machen kann damit. Ich gab ihm ein Kissen und sagte, er soll das schmeißen. Ich machte es ihm vor, er machte es nach und er strahlte. Wir machten eine Kissenschlacht.

Diese Vorfälle gibt es nun immer wieder und ich versuche immer gleich zu reagieren um ihm, so blöd es klingt, eine Routine zu bieten. Ihm zu zeigen, dass er natürlich wütend sein darf. Er darf natürlich laut schreien und eben auch ein Kissen schmeißen aber ich möchte nicht, das er mich oder den Papa haut oder mit Spielzeug beschmeißt.

Das Beißen macht er nicht mehr, es war auch kein Ausdruck von Wut sondern seine letzten Backenzähne, die einfach drücken.

Nun wieder zurück zu mir. Ich bin erwachsen und komme äußerst schlecht mit meiner Wut zurecht, wie könnte ich dann jemals von einem Kleinkind erwarten oder verlangen, dass es kontrolliert mit seiner Wut zurecht kommt.

Ich finde es wirklich unglaublich, was der Prinz da leistet. Er wächst und entwickelt sich im Schnelldurchgang, er sieht und lernt jeden Tag neue Dinge, neue Worte, neue Gefühle.

Ich bin ein sehr sensibler Mensch und es verletzt mich immer noch innerlich, wenn er so wütend mir gegenüber wird aber er ist nicht wütend auf mich sondern eben durcheinander. Er versteht noch gar nicht, was da mit ihm passiert und was das bei uns auslöst.

Das ich laut geworden bin, war falsch aber menschlich und wir wachsen, wie auch bereits die letzten 2 Jahre, zusammen in all diese Situationen rein.

So ungewohnt diese Wutphasen sind so überraschend war es als er mir vorgestern Abend ins Ohr flüsterte: „Mama, lieb hab, gute Nacht, bis später"

Jede Neuerung hat eben zwei Seiten. Kommt Wut als Gefühl zur Geltung, verstärkt sich auch die Liebe, die man fühlt und zeigen kann.

Mein Prinz wird langsam groß und ich werde es auch.

Wie laufen bei euch die Wutphasen ab und wie geht ihr damit um?

Eure Glucke


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