Unser Schwimmkurs -ein Beispiel, wie es nicht sein darf.

Welche Bilder gehen euch als erstes durch den Kopf, wenn ihr an einen Schwimmkurs für Kinder denkt?
Ich sah Bilder von Schwimmlehrern, die die Kinder spielerisch ans tiefe Wasser gewöhnen, die den Kindern Hilfestellung beim Schwimmenlernen geben und die den Kindern die nötige Zeit geben, die sie brauchen.
Doch leider mussten wir am Wochenende eine andere Erfahrung machen.

Meine Tochter ist zwar erst vier und ich wäre von allein nie auf die Idee gekommen sie bei einem Schwimmkurs anzumelden. Aber sie wollte es so gern, fragte immer wieder und war überglücklich, als ich ihr erzählt habe, dass ich sie nun doch angemeldet hatte. Zwei Wochen musste sie sich noch gedulden und immer wieder fragte sie, wie viele Tage es noch seien. Dann endlich kam der Samstag, der Schwimmkurs begannn 16.30 Uhr und die Kleine war schon morgens völlig aus dem Häuschen. Sie war so aufgeregt, strahlte und war voller Vorfreude. Auch nachdem sie sich umgezogen und geduscht hatte, ließ das nicht nach und sie fragte, wann es endlich losginge. Ich spürte, dass es doch richtig war sie angemeldet zu haben.

Doch diese Freude, diesen großen Wunsch des Schwimmenlernens und die positiven Erwartungen wurden durch diesen Schwimmlehrer zunichte gemacht. Ich schildere euch gleich detailliert den Ablauf der Kursstunde.(Achtung! Sehr lang, aber ich halte einfach alles für wichtig) Ich hoffe sehr, dass ich meiner Tochter die Angst wieder nehmen konnte, dass ich sie ausreichend beruhigen konnte und dass sie weiterhin Spaß am Wasser haben wird.

Ablauf
Wir kamen ein paar Minuten zu früh an, ein freundlicher Herr begegnete uns an der Tür und zeigte uns die Umkleidekabine, ich hielt ihn in dem Moment für einen Schwimmlehrer/ Betreuer. Als sie umgezogen war, kam eine Frau zu uns, die uns erklärte, wir sollten noch kurz warten, es ginge gleich los. Doch ebenso wie der Herr vorher stellte sich später heraus, dass die beiden keine Betreuer oder Schwimmlehrer waren sondern nette Eltern der Kinder im noch laufenden Kurs.
Es wuselten viele Kinder durcheinander, aus dem laufenden Kurs und die für den beginnenden Kurs. Ich verlor gänzlich den Überblick, die Kurse gingen direkt ineinander über. Sie sollte dann schon immer mal duschen und sich zu den anderen Kindern setzen. Kaum saß sie, kam der Schwimmlehrer (ein Herr, sicher schon ein paar Jahre im Rentenalter) erklärte wer er sei und die Regeln in der Schwimmhalle. ich verstand ihn schlecht, eine kleine Schulschwimmhalle und trotz das die Kinder keinen wirklichen Lärm machten, war es laut in der kleinen Halle. Und er sprach sehr leise. Nach einer sehr kurzen Einführung- langsam laufen, Seife richtig abduschen, nicht schubsen…- ging es auch direkt los.

Es waren 11 Kinder in diesen Kurs (der 4. an diesem Nachmittag), zwei der Kinder hatten bereits das Seepferdchen, zwei sogar schon die höhere Stufe- den Seeräuber. Wieso sind solche Kinder in einem Anfängerkurs???
Jedenfalls gingen also 11 Kinder in Richtung Schwimmbecken, ein wirklich kleines, da es nur das Schulschwimmbecken ist.
Die Kinder passten alle nebeneinander an die Längsseite.

Er blieb zu meiner Überraschung am Beckenrand stehen anstatt mit ins Wasser zu gehen und die Übungen vorzumachen. Er sagte den Kindern, sie sollen rückwärts die Treppe rein und dann einmal die kurze Kante um den Beckenrand laufen. Dabei sollten sie sich am Rand festhalten. Meine Tochter und natürlich auch andere konnten dort gar nicht stehen und sie war total verunsichert und machte dann einfach, was das Kind vor ihr tat und hangelte sich irgendwie entlang. Dies tat sie auch sehr hektisch, weil die größeren Kinder nach ihr viel schneller sein wollten. Anschließend sollten sie sich an dem Beckenrand festhalten, die Beine lang nach hinten strecken und feste strampeln. Das sollten sie 2x tun und meine Tochter machte es beide Male falsch. Sie lehnte mit dem Oberkörper auf dem Beckenrand, statt sich weit mit den Armen abzuschieben. Er schien es nicht zu bemerken und gab keine Hilfestellung. Anschließend sollten die Kinder sich am Beckenrand halten und mit dem Mund über die Wasseroberfläche gehen und Blubberblasen machen, auch das lediglich 2x. Anmerken möchte ich hier noch, dass er immernoch am Beckenrand stand und 11 Kinder ohne jegliche Schwimmhilfe in einem Schwimmbecken waren, in dem sie nicht stehen konnten!
Er teilte dann die Gruppe und schickte 5 der Kinder in die Saune, ein Elternteil begleitete diese Kinder. Meine Tochter blieb in der ersten Gruppe und sollte sich nun mit den anderen 5 verbliebenen Kindern auf den Beckenrand setzen. Er stieg nun auch ins Wasser, stellte sich vor die Kinder und bog die Beine der Kinder in der erforderlichen Schwimmbewegung, auch dies nur 2x, dann hieß es jeder holt sich eine Schwimmnudel. Meine Tochter hatte bis dahin keine Erfahrung mit so einer Schwimmnudel, doch Einweisung gab es keine. Nur die Ansage, dass sie sich unter die Arme klemmen sollen und dann vorwärts die Leiter runtersteigen sollen. Beim ersten Mal stand er an der Leiter, hob die Kinder das letzte Stück ins Wasser und wies sie dann an nun die Beinbewegung von eben im Wasser zu machen. Dabei wieder keinerlei Hilfestellung sondern ein in Zeitschleife gesprochener Satz: “Große Kreise, nein nicht wie ein Fisch, große Kreise…!”
Meine Tochter und 2 andere Kinder waren sehr unsicher mit der Schwimmnudel und wussten gar nicht richtig wie sie die Nudel haltend allein ins Wasser steigen sollten. Doch der Schwimmlehrer stand mit dem Rücken zur Leiter und beobachtete die Runde der Kinder im Wasser. Hier keine Ansage, dass die Kinder auf der Leiter warten sollen, bis ein Kind die Runde fertig hatte, er wies sie an nacheinander ins Wasser zu kommen. Und dann passierte es das erste Mal. Der Junge vor meiner Tochter sprang einfach ins Wasser, die Schwimmnudel nur irgendwie haltend. Da es auch hier keinerlei klare Ansage des Lehrers gab, dachte meine Tochter sicher, dass sie es so machen sollten. Sie ging eine Stufe der Leiter hinunter, legte ihre Schwimmnudel vor die Leiter und sprang wie der Junge vor ihr drauf. Sie bekam die Schwimmnudel zwar zu fassen, tauchte natürlich trotzdem ab und fing an zu husten als sie auftauchte. Er drehte sich dann auch mal um, hielt kurz ihre Nudel fest und schob sie ein Stück weiter um dann wieder seinen Satz zu sagen:”Große Kreise, große Kreise…”
Die Kinder verstanden gar nicht richtig, was er denn wolle, sie konnten diese Bewegung von 2x kurz am Beckenrand einfach nicht. Sie “schwamm” halt irgendwie an den Rand, stieg raus und sollte direkt wieder an die Leiter. Diesmal stand er zufällig gerade Richtung Leiter und hob sie ins Wasser, doch überließ sie dann wieder sich selbst. Einfach zack zack nacheinander sprangen die Kinder ins Wasser. Alle Kinder schwammen an beinahe dem selben Punkt, die Schwimmnudeln hingen ineinander, kein Kind hatte Platz. Ihn schien diese kein Problem, er beharrte weiter auf seine großen Kreise. Durch das Gedränge und Geschubse tauchte meine Tochter auch hier ab und an mit dem Kopf unter Wasser. Mir reichte es! Sie stieg am Rand aus dem Wasser und wir sahen ihr deutlich an, dass sie Angst hatte, dass ihr es zuviel ist. Mein Mann rief sie als sie schon wieder in Richtung der Leiter war. Sie hörte ihn anscheinend nicht und der Schwimmlehrer verstand das offenbar absichtlich nicht und ließ sie erneut ins Wasser steigen. Sie fing bei der halben Runde an zu weinen, konnte einfach nicht mehr und bekam einen ganz ängstlichen Blick. Mein Mann lief hin und zeigte ihr, dass sie rauskommen soll. Sie paddelte rüber und der Schwimmlehrer kommentierte das lediglich mit einem abschätzigem:
“Wenn der Papa will, dass du aufhörst, muss du eben gehen.”

Ich dachte ich höre nicht richtig, dachte er wirklich, wir lassen ihm unserer weinenden verängstigten Tochter das Schwimmen beibringen? Sie begann fürchterlich zu schluchzen, zitterte am ganzen Körper und ließ sich gar nicht wieder beruhigen. Sie ist ein Kind, dass seine Ängste anderen nicht zeigt und es dann bei uns umso mehr ausbrechen lässt. So hatte sie beispielsweise mal ein Junge im Kindergarten geschubst, so dass sie am Knie eine Schürfwunde hatte. Sie hat im Kindergarten weder geweint, noch jemandem davon erzählt oder um ein Pflaster gebeten. Aber als ich sie abgeholt und sie sich verabschiedet hatte, fing sie mit einem Mal entsetzlich an zu weinen und zitterte auch hier am ganzen Körper und ließ sich nicht beruhigen. Wir standen eine halbe Stunde lang um die Ecke vom Kindergarten bis sie wieder einigermaßen mit mir reden konnte.
Und so ähnlich war es auch hier wieder. Wir trösteten und kuschelten sie ganz fest bis sie etwas ruhiger wurde. Der Schwimmlehrer kam dann schon um die Ecke und fragte, was denn nun sei, ob sie wieder mitmache. Das ganze deutlich genervt. Während ich begann meine Tochter anzuziehen, erklärte mein Mann ihm, dass das doch so kein Schwimmkurs sein kann usw. Er tat es lediglich damit ab, dass wir schließlich wollen, dass sie schon mit 4 schwimmen lernt. Da sie recht klein ist, nahm er erst an, dass sie sogar erst 3 sei. Es wäre ganz klar, dass der Kurs erst ab 5 Jahren sei und mit 4 sowieso immer zwei Kurse bis zum Seepferdchen notwendig seien. Mein Mann wurde wegen seiner genervten Ihr-seid-doch-selber-schuld Einstellung nun auch etwas unfreundlicher und erklärte ihm, dass wir unsere Tochter nicht angemeldet haben, weil WIR wollen, dass sie das Seepferdchen macht. Sie wollte so gern schwimmen lernen wenn er überfordert ist kleinen Kindern das Schwimmen beizubringen, dann solle er lieber was anderes tun. Auf die Frage, ob man den Kinder nicht altersmäßig aufteilen kann, wenn es schon 4 Kurse gibt und warum es denn schon Seepferdchen und Seeräuberkinder in einem Kurs gibt und ob er wirklich einen Schwimmlehrer für ausreichend hält, gab er keine Antwort. Auf die nochmalige Frage, warum Kinder, die bereits schwimmen können in einem Anfängerkurs sind, meinte er das doch noch niemand schwimmen könne, die lernen alle gerade erst.
Wir beließen es zunächst dabei, ich nahm meine Tochter hoch und wir teilten ihm auf seine Nachfrage hin noch einmal mit, dass wir zu diesem Kurs nicht wieder kommen werden. Er verstand es scheinbar immernoch nicht.

Meine Tochter war wie ausgewechselt, ich glaube so hatte ich sie noch nie gesehen, sie schaute völlig verängstigt und kuschelte sich ganz eng an mich. Zu Hause kuschelten wir uns noch eine ganze Weile aufs Sofa ehe sie überhaupt wieder etwas sagte. Wir erklärten ihr, dass das so nicht schön war, dass wir da nicht wieder hingehen und dass es auch gar nicht schlimm ist, dass sie es noch nicht machen kann.
Wir vermuteten eine unruhige Nacht, aber es blieb ruhig und als wir sie morgens fragte, was sie geträumt hätte, meinte sie: “Ich hab geträumt, dass ich endlich die Runde geschafft habe zu schwimmen mit den richtigen Beinbewegungen.”…

Wir wollen am kommenden Wochenende ins Hallenbad fahren, sie freut sich drauf, aber in mir bleibt noch die Angst, dass sie den Spaß verloren haben könnte, den sie am Wasser hatte. Doch dies werden wir dann am Wochenende sehen. Wir haben ihr erklärt, dass wir es ihr lernen, wenn sie es noch will und dann neben ihr bleiben und ihr helfen. Das fand sie toll.

Doch ich bekomme einfach das Bild nicht aus dem Kopf, wie sie einfach von der Leiter sprang und erstmal abtauchte. Und dann bekomme ich Angst, würde sie abends, wenn ich im Bett liege am liebsten zu mir holen. Denn wenn ich die Augen schließe, dann ist da keine Schwimmnudel, die sie festhalten kann… Und ich mache mir nun Vorwürfe, sie doch angemeldet zu haben, ich hätte ihr erklären können, dass ich es noch für zu früh halte. Ich hätte ihr gleich anbieten können, dass sie es ihr beibringen. Hätte, hätte, hätte

Zum Thema Alter: ich habe mich vorab an der zuständigen Stelle per Email erkundigt, wann ein Kurs beginnt, ab wie viel Jahren der ist. Hab erklärt, dass meine Tochter erst 4 ist, noch dazu recht klein, aber sie selbst will es so gern. Ja alles sei kein Problem, der Kurs sei auch für 4-jährige und sie darf sehr gern kommen. Nie habe ich etwas gehört, dass der Kurs erst ab 5 sei.

Schreibt mir doch eure Erfahrungen, wie wurde euren Kindern das Schwimmen beigebracht? Habt ihr einen Schwimmkurs besucht? Oder habt ihr es ihnen selbst gezeigt? Ich würde mich über eure Meinungen sehr freuen.

Heike