Unser Gast: Das Wutmonster

Wahrscheinlich brauche ich niemandem von euch zu erklären, was ein Wutmonster ist. Jedes Kind wird früher oder später von ihm heimgesucht und es ist sehr hartnäckig und lässt sich nicht so einfach mit gut gemeinten Ratschlägen verscheuchen.

Auch meine Kinder besucht es oft und daran kann man es gleich erkennen:

1.Akt:
Noch während das Kind erahnt, dass ich auf seine Frage mit nein antworten werde, guckt das Wutmonster schon mal über die Schulter. Wahrscheinlich piekt es das Kind leicht an, damit es auch ja nicht übersehen wird. Aber nein, es wird gesehen und sein Vorschlag wird angenommen. Zunächst ist der Blick noch hoffnungsvoll, doch während ich beginne zu erläutern, dass wir nicht auf den Spielplatz gehen/nicht zum impfen fahren/heute kein Eis essen…..ziehen sich die Augenbrauen ganz fest zusammen. Ab sofort bin ich gewarnt und ahne den nächsten Schritt.Das Wutmonster sitzt auf der Schulter des Kindes und grinst mich fresch an. Es weiß, dass es so gut wie gewonnen hat.

2.Akt:
Das Kind hält die Augenbrauen starr zusammen und als ob das nicht deutlich wäre, verschränkt es die Arme schlagartig. Das Wutmonster klopft stolz auf die Schulter des Kindes. Ich überlege, wie ich die Situation retten könnte und erpresse das Wutmonster mit einem Gummibärchen oder einer Vorlesegeschichte statt Eisessen. Doch dieses lacht nur und das Kind erklärt, dass es aber auf den Spielplatz will/nicht zum Impfen mitfährt/ tropsdem ein Eis isst…

3. Akt:
Um der Wichtigkeit des Kinderwunsches noch mehr Ausdruck zu verleihen, rät das Wutmonster dem Kind mit dem Fuß aufzustampfen. Das macht mächtig Eindruck. Der kleine Schuh in Größe 25 an dem kurzen Beinchen stampft und ich versuche nicht zu lachen um das Wutmonster nicht noch mehr zu reizen.

4. Akt:
Doch das hat gleich erkannt, dass ich es nicht ernst nehme. Der Wunsch wird erneut geäußert, weniger freundlich und mit einem extra betontem “ABER MAMA” Wahlweise zeigen sich Tränchen auf dem Gesicht des Kindes.

5. Akt:
Um meine Authorität nicht zu untergraben, liegt es natürlich an mir standhft zu bleiben und dem Wunsch des Kindes nicht nachzugeben. Das fällt nicht allzu schwer, wenn ich bei peitschendem Regen einfach mal keine Lust auf den Spielplatz habe. Doch Kind und Wutmonster ignorieren meine Einwände und verschaffen sich nun auch das Gehör der Umherstehenden.

6. Akt:
Dafür rät das Wutmonster die aktuelle Körperhaltung beizubehalten, jedoch zusätzlich zu brummen. Das Kind klingt wie ein kleiner hunriger Bär und sagt nochmal deutlich, dass es aber nun mal will/ nicht will.

7. Akt
Das Wutmonster sieht sich schon als klaren Gewinner und legt nach: “Da geh ich eben ne mit!” Ist man gerade Zuhause und versucht dort mit dem Wutmonster zu verhandeln, kombiniert es das ganze gern mit Treppe-runter-stampfen oder Türe-zu-knallen.

8. Akt:
Als Mama sehe ich den einzigen Schimmer auf Erfolg nur bei Ignorieren. Ich tue so als beachte ich weder Kind noch Wutmonster. Ich glaube so allein im Zimmer fühlt sich das Wutmonster schrecklich einsam. Wahrscheinlich tippt es das Kind erneut an und fragt, ob es nicht doch besser war, nicht auf den Spielplatz zu gehen. Und überhaupt sagte doch die Kinderärztin neulich, dass Impfungen wichtig sind, weil man sonst krank werden kann. Und so verabschiedet sich das Kind vom Wutmonster “Bis zum nächsten Mal, machs gut!”

9. Akt:
Ich erahne es, als sich die Zimmertüre leise öffnet. Das Kind ist wie ausgewechselt, keine Wut und auch sonst keinerlei Hinweis auf Unstimmigkeiten. Auf die Frage, wo denn das Wutmonster sei, heißt es nur, dass es erstmal gegangen sei. Darauf ein Gummibärchen!

Epilog:
Wir werden das Wutmonster wohl noch so einige Jahre hin und wieder begrüßen müssen. Ich versuche spielerisch zu zeigen, dass das Kind das Wutmonster einfach wegschicken soll, wenn es sich auf die Schulter setzt. Ich überlege mir auch bei jedem Besuch, wie ich besser mit ihm umgehen könnte. Ob ich es überlisten könnte.
Doch warum denn eigentlich? Wir sind auch wütend und es würde auch uns manchmal guttun, einfach aufzustampfen und die Wut herauszubrüllen. Wir fressen es lieber in uns rein. Wut gehört dazu und solange man sie in den Griff bekommt, sollte man sie ruhig auch zulassen. Ich nehme die Wutmonster erst, respektiere die Wünsche der Kinder und erkläre, warum dies und jenes eben gerade nicht möglich war. Wir lachen gemeinsam über den aufstampfenden Fuß oder ich mache den wütenden Gesichtsausdruck nach.

Besucht euch auch das Wutmonster? Wie geht ihr mit ihm um? Schaut es euch aus so fresch an und fordert euch heraus?



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