Ungespitzt…

Ungespitzt…

370-fache Vergrößerung einer unbenutzten Pen-Nadel

Es kommt ein Diabetes-Patient zu uns. Woran man das erkennt? Ganz einfach – an den Rezepten, die er mir gibt, auf denen ein Insulin, Blutzucker-Messstreifen und Stupfer für seine Stechhilfe verschrieben sind sowie Nadeln für seinen Insulinpen. Soweit alltäglich. Auf unsere häufig gestellte Frage, wie häufig er denn die Nadeln für seinen Pen wechselt, antwortet er: “Ja, so ungefähr alle 3-4 Tage, machmal auch jeden Sonntag”. Hm. Diese Antwort ist leider auch ziemlich alltäglich. Denn wenn die Nadel für den Insulinpen so selten gewechselt wird, spart der Patient an der falschen Stelle und tut sich damit nichts Gutes…

Warum? Die Nadeln für Insulinpens sind mit einem hauchdünnen Gleitfilm überzogen. Dieser sorgt dafür, dass die Nadel leichter und schmerzfreier durch die Haut kommt. Nach dem Gebrauch ist dieser Gleitfilm nicht mehr komplett, und bei der nächsten Anwendung dringt die Nadel nun schon schlechter durch die Haut. Man sieht es ihr mit dem Auge nicht an, aber die Nadelspitze bekommt mit jeder weiteren Anwendungen immer mehr kleinere Metallabschürfungen und Häkchen, sie verbiegt und wird stumpfer. Bei jeder Benutzung kann sie nun Verletzungen und Blutungen im Unterhautfettgewebe verursachen, Hautfetzchen, die an der Nadel hängenbleiben, können ebenfalls mit “unter die Haut” gehen…

Unter dem Mikroskop werden diese Schäden an der Nadel deutlich sichtbar:

Ungespitzt…

370-fache Vergrößerung einer wiederverwendeten Pen-Nadel

Ungespitzt…

2000-fache Vergrößerung der Pen-Nadel aus dem linken Bild

Verletzungen im Unterhautfettgewebe werden – neben Effekten, die durch das Insulin selbst ausgelöst werden – als eine mögliche Ursache für (gutartige) Fettgewebswucherungen in Betracht gezogen. Diese “Lipohypertrophien” sehen a) nicht schön aus, zum anderen sorgen sie dafür, dass Insulin, welches in ein Areal mit solch verhärteten Wucherungen injiziert wird, nicht gleichmäßig freigesetzt wird, wodurch es zu starken Schwankungen im Butzuckerspiegel kommen kann, die man sich als Patient nicht erklären kann (“Ich spritze schon seit Jahren die selbe Dosis – und auf einmal wirkt das Insulin sit diesem Jahr nicht mehr richtig”).

Ein weiteres Risiko von Mehrfachanwendungen ist eine Verstopfung der Nadel: Unter Umständen kann bei der Insulin-Injektion ein kleiner Rest Insulin in der Nadel verbleiben. Dieser wird dann fest (“auskristallisieren”) – und verstopft die Nadel nun entweder komplett, oder sorgt dafür, dass die Nadel enger wird. In letzterem Fall wird bei der nächsten Injektion die Insulinpassage durch die Nadel verzögert. Dabei kann es dann passieren, dass der Patient sich nicht die volle Dosis Insulin verabreicht, weil er zu kurz injiziert.

Um Komplikationen zu vermeiden, empfehlen wir daher unseren Diabetes-Kunden:

  • grundsätzliche Regel: Jede Insulininjektion mit neuer Nadel
  • Injektionsstelle wechseln (Rotationsschema)
  • Großflächiges Areal für wechselnde Inkektionsstellen wählen (> DIN-A-4-Bogen)
  • Nicht in verhärtete Stellen (Lipohypertrophien) injizieren

Fettgewebswucherungen können sich unter Umständen wieder zurückbilden, wenn man sie in Ruhe lässt – aber das ist eine langwierige Angelegenheit und gelingt nicht immer.


(alle Bilder dieses Artikels: Fotoaufnahmen von Dr. Dieter Look und
Dr.Kenneth Strauss:„Nadeln mehrfach verwenden?“
Diabetes Journal 10, 1998, S. 34. Copyright 2008-2011: BD.
Abbildung  mit freundlicher Genehmigung der Firma Becton Dickinson GmbH)

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