Über den männlichen Blick auf Sport treibende Frauen

Die Deutsche Bundespost bringt Sondermarken zur Fußball WM der Frauen heraus. Es gibt auch eine in das Trikot der deutschen Nationalmannschaft gekleidete Barbie Puppe. Im Fernsehen und in den Zeitungen wird ausführlich über die kickenden Frauen berichtet. Ganz Deutschland scheint hinter der weiblichen Fußballnationalmannschaft zu stehen. Viele scheinen ihnen sogar mehr zuzutrauen als ihren männlichen Kollegen.
Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, und die sind noch gar nicht so lange her, da war die Akzeptanz nicht so groß. Da waren unweigerlich Sprüche zu hören wie: „Frauen können das nicht.“ „Das ist doch kein Fußballspiel.“ Der Klassiker war ein von Sabbern oder Röhren begleitetes: „Trikottausch!“
Ich frage mich, warum die gleichen Medien, die jetzt auf der Frauenfußballwelle schwimmen, sich gleichzeitig mit Händen und Füßen gegen Frauenboxen wehren. Die ARD zeigt da einerseits die Fußballerinnen gerne life und in voller Länge. Aber Boxerinnen werden nicht gezeigt. Nur eine Nordeuropäerin wird mal hin und wieder in Ausschnitten und dann auch nur als Beimischung gezeigt. Eurosport bringt wohl prinzipiell keine boxenden Frauen. Es scheint fast so, als wollten die von älteren Herren dominierten Gremien der TV-Sender das Boxen als letzte männliche Bastion verteidigen.
Universum Box-Promotion hat zusammen mit Jürgen Lutz das Frauenboxen in Deutschland eingeführt. Regina Halmich wurde erst zur Boxweltmeisterin und dann zur Quotenkönigin. Nachdem Halmich mit dem Boxen aufgehört hatte, ging es mit dem Frauenboxen im rasenden Tempo abwärts. Dabei scheint der rapide Niedergang zu einem nicht geringen Teil auch der verfehlten Auswahl von Boxerinnen durch Klaus-Peter Kohl und seinen Schwiegersohn Dietmar Poszwa, dem grauenerregenden Matchmaking von Taouab Mohamed Hedi und skandalösen Fehlurteilen geschuldet zu sein.
Aber es gibt ein Frauenboxen in Deutschland. Es gibt einige sehr gute, ja weltklasse Boxerinnen in Deutschland. Vermutlich gibt es proportional, also gemessen an der Zahl der Aktiven, mehr weltklasse Boxerinnen als Boxer in Deutschland. Dass weibliche Boxer konsequent von den Medien im Allgemeinen und vom Fernsehen im Besonderen ignoriert werden, hat wohl vor allem mit dem männlichen Blick der Verantwortlichen auf das Boxen zu tun. Da hören wir dann wieder die schon bekannten, dumpf chauvinistischen Klischees: „Frauen können das nicht.“ „Das ist doch kein Boxen.“
© Uwe Betker



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