Tschechien: Bester Wirtschaftsstandort in Osteuropa

Studie zeigt: Unternehmen geben Tschechien Bestnote als europäischer Wirtschaftsstandort – Korruption bleibt großes Problem
Pilsen (ce-press - internet-zeitung) – Tschechien ist der Top-Standort in Mittel- und Osteuropa – das belegt eine aktuelle Umfrage der deutschen Außenhandelskammern unter rund 1000 Unternehmen in 16 mittel- und osteuropäischen Ländern. Bereits zum sechsten Mal in Folge konnte sich die Tschechische Republik als attraktivster Wirtschaftsstandort der Region behaupten – vor Polen, Slowenien und der Slowakei. Der Wehrmutstropfen in der Positiv-Bilanz: Beim Thema Korruption und der Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge landete Tschechien auf den hintersten Plätzen.
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„Schmiergeldzahlungen sind in Tschechien üblich, in einigen Branchen haben sich sogar feste Margen entwickelt, die bei einer Auftragsvergabe zu zahlen sind“, sagt ein deutscher Unternehmer, der seit über 20 Jahren mit seiner Firma im Nachbarland auf dem Markt ist. Auch wenn in Deutschland nicht alles einwandfrei liefe, sei das Problem der Korruption in Tschechien doch erheblich größer. „Und es wird zu wenig dagegen vorgegangen“, meint der Unternehmer. Auch wenn andere langjährige Wirtschaftsakteure auf dem Tschechischen Markt diese Einschätzung bestätigen, werden doch auch Erfolge bei der Korruptionsbekämpfung wahrgenommen. „Beim Handelsregister und beim Katasteramt ist die Korruption durch eine Verbesserung der Verfahren inzwischen stark zurückgedrängt worden“, berichtet ein Unternehmer. Früher hätten fast alle Verfahren durch Schmiergeldzahlungen beschleunigt werden müssen.
„Ein Land mit so großer wirtschaftlicher Stärke sollte konsequenter gegen Korruption vorgehen“, sagt Richard Brunner, Leiter der Chamer Geschäftsstelle der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim und zuständig für die Initiative „Wir sind Europa!“, ein von der Europäischen Union gefördertes, gemeinsames Projekt der IHK Regensburg und der Bezirkswirtschaftskammer Pilsen.
Doch trotz der Probleme mit Korruption und mangelnder Transparenz: Gerade Ostbayern profitiert vom wirtschaftlich attraktiven Nachbarland Tschechien. „Im 21. Jahrhundert ist unsere Region wieder Drehscheibe zwischen West und Ost“, sagt Brunner. Ostbayern gilt heute als Deutschlands Tor für die Zukunftsmärkte in Osteuropa, das tschechische Westböhmen umgekehrt als Pforte zu den wichtigen Märkten in Deutschland und Westeuropa. Mehr als 1.000 Unternehmen wissen diesen grenzüberschreitenden Standortvorteil bereits heute zu nutzen – und sind grenzüberschreitend in beiden Regionen aktiv.
Viele dieser Betriebe produzieren für den Weltmarkt: von hochspezialisierten Kunststoffprodukten für die Medizintechnik bei Gerresheimer bis hin zu innovativen Automobil-Zulieferern im Mechatronik-Cluster Cham. Beide Regionen glänzen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs mit hohen Wachstumsraten und erreichen in Standort-Rankings Spitzenplätze – die Oberpfalz zuletzt als „Top-Aufsteiger“ in der Studie „Deutschland 2020“.

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