Mit dem Laptop auf der Jagd nach Kirchenschätzen

Mit dem Laptop auf der Jagd nach Kirchenschätzen
Schatzsucher: Der Kunsthistoriker Dr. Friedrich Fuchs ist im Bistum Regensburg seit 20 Jahren mit dem Laptop auf der Suche nach alten Kirchschätzen. Die Katholische Kirche arbeitet seit vielen Jahren erstmals an einer Inventur ihrer kulturhistorischen Güter. Foto: obx-news
Regensburg (obx - internet-zeitung) – Deutschlands Bistümer machen Inventur. Auf Anregung des Vatikans wird seit gut 20 Jahren erstmals in der über 2000-jährigen Geschichte der Katholischen Kirche der Gesamtbestand an Kirchenschätzen und historisch wertvollem Inventar erfasst, katalogisiert und bewertet. Im flächen-mäßig größten Bistum Regensburg sind Kunsthistoriker mit Laptop und Lupe auf der Jagd nach verborgenen und vergessenen Schätzen. Der Kunst-historiker Dr. Friedrich Fuchs arbeitet mit seinem tragbaren Computer am liebsten vor Ort, kriecht auf Dachböden der Kirchen und Sakristeien und hat so in den vergangenen Jahren mit detektivischer Neugier viele kulturhistorische Schätze vor dem endgültigen Verfall gerettet. Die materiellen Werte der Kirchengüter reichen von etwa 800 Euro für einen historischen Leuchter über ungefähr 10.000 Euro für einen liturgischen Silberkelch bis zu circa 50.000 Euro für ein spätgotisches Kirchen-Figürchen.
1971 hatte der Vatikan den Anstoß zur Inventur des schier unübersehbaren Kirchenbesitzes gegeben. 1989 mahnte Papst Johannes Paul II. erneut die optische und schriftliche Erfassung der Bestände an. In Deutschland stieß die Forderung auf unterschiedliche Resonanz, denn das Stöbern auf den Kirchenspeichern, in Sakristeischränken und kleinen Wandtresoren kostet die deutschen Bistümer Millionen. Die Erfassung der Daten durch die Kirchenschatz-Forscher erfolgt bundesweit mit modernster IT-Datentechnik, zumeist mit einer Inventursoftware, die von den Wissenschaftlern des Diözesanmuseums Regensburg entwickelt wurde.
In Regensburg ist man mit der Kirchenschatz-Inventur schon „relativ weit“. Etwa 25.000 Datensätze von Kirchenschätzen umfasst die Datenbank, die Fuchs in den 20 Jahren seit Beginn des Projekts für das Bistum Regensburg aufgebaut hat. „Das ist aber immer noch erst ein gutes Drittel“, schätzt er. Bis alle Skulpturen, Möbel, Tafelbilder und Gerätschaften aus Gold und Silber aufgespürt und erfasst sind, werde es wohl noch ein weiteres Arbeitsleben dauern, so Fuchs. Von Mai bis Dezember ist er in den Kirchen der Diözese unterwegs, von Januar bis April wird die Büroarbeit erledigt.
Allein in Regensburg fallen für die Inventarisierung Jahr für Jahr Kosten von rund 100.000 Euro an. Doch der Aufwand lohnt sich: Kunstschätze von unermesslichem Wert, die bisher im Verborgenen schlummerten, wurden entdeckt. Wie ein mittelalterliches Tafelgemälde oder einer der ältesten Altarkelche Deutschlands aus dem 15. Jahrhundert. Beides entdeckte der Historiker eingestaubt auf einem Dachboden. „Das sind schon kleine Sensationen“, so Fuchs.
Für die Pfarrer und Messner in den Landpfarreien bringt die Inventur so manche Überraschung. „Oft wissen die Leute gar nicht, welch großen Wert viele Dinge haben“, sagt Dr. Fuchs. Wandtresore, von denen es heißt, es sei „eh nichts drin“, entpuppen sich schon mal als kleine Schatzkammern. Schlüssel gibt es meist keine mehr. Wie Panzerknacker müssen die Helfer des Historikers dann mit Schweißbrennern anrücken. Oder sie stellen fest, dass so manches scheinbar Wertvolle allenfalls zur Dekoration taugt. Wie im Fall einer angeblich besonders seltenen, spätgotischen Altarleuchte. Es war nur noch ein billiges Imitat da. Das Original war wohl unbemerkt in den 60er-Jahren ausgetauscht worden, schätzt Fuchs.
Der Kunsthistoriker berät die Pfarreien vor Ort, wie sie ihre wertvollen Kirchenschätze sichern und erhalten können. Nur in Ausnahmefällen werden wertvolle Objekte in den Depots des Diözesanmuseums Regensburg in „Sicherungsverwahrung“ genommen. „Viele Fundstücke liefern auch wertvolle Hinweise auf Alter und Baugeschichte der Kirchen“, sagt Fuchs. So deutet sein einzigartiger Fund eines Wandkamins in einem Kirchturm auf eine vielfältige Nutzung dieses Gebäudeteils hin.
Nach Abschluss der Inventur erhalten die Pfarreien in einem offiziellen Festakt eine Dokumentation mit allen Fakten über das Inventar der Kirche und seinen kulturhistorischen Wert. „Den Menschen muss bewusst werden, welch wertvolles Gut sich in ihrer Obhut befindet“, sagt Dr. Fuchs. Teilweise seien bei Sanierungen und Entrümplungsaktionen unersetzbare Kunstschätze zerstört worden, einfach weil niemand ihren wahren Wert erkannte.


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