Trumps Welt: Die Angst geht um

Keine 20 Minuten, nachdem am Freitag Abend Donald J. Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika feierlich vereidigt worden war, gab es auf den Webseiten der Regierung keine Hinweise mehr auf die Bürgerrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgenderpersonen. Die spanische Übersetzung der Webseite des weißen Hauses verschwand, ebenso die Zugänglichkeitsoptionen für behinderte Menschen. Alle Hinweise auf Erderwärmung und Klimaschutz wurden eliminiert, und dem Innenministerium wurde das Twittern untersagt, weil es mitgeteilt hatte, dass weniger Besucher zur Amtseinführung gekommen waren als in den letzten Jahrzehnten. Wir brauchen nicht mehr abzuwarten, wie Donald Trump das Land führen wird, wir sehen es schon jetzt.

Als die Meldungen über die neue Webseite des weißen Hauses über die Ticker gingen, hatte der neue Führer Amerikas seine Antrittsrede gerade gehalten. Formell richtete er sich an alle Amerikaner, aber er meinte nur die, die seiner Meinung waren. Die Anderen, die nannte er Feinde, die seine Vision nicht teilten. Dass er alle Anwesenden als Teil des washingtoner Establishments beleidigte, hatte man erwarten können. Weil diese würdige Elite im Gegensatz zu Donald Trump nach den demokratischen Spielregeln handelte, blieb ihnen nichts anderes übrig, als höflich dazustehen und sich beleidigen zu lassen. Dass Trump nicht einmal den Anstand besaß, auf seine unterlegene Konkurrentin Hillary Clinton öffentlich zuzugehen, zu versuchen, den Wahlkampf zu beenden, war für mich keine Überraschung. Donald Trump ist eine narzisstische Persönlichkeit und als solche überaus gefährlich, nachtragend, unversöhnlich und aggressiv. Wieder war es Hillary Clinton, die die ungeschriebenen Regeln der Demokratie achtete und zur Vereidigung erschien.

Schlimm an der Rede des neuen starken Mannes im weißen Haus war die klare ansage, dass es künftig nur noch um Amerika gehen werde. Keine internationalen Bestrebungen, kein Verständnis für die Probleme Anderer, die pauschal als Diebe amerikanischer Jobs verunglimpft wurden, keine Lust auf Verhandlungen, Absprachen oder Kompromisse. Im Falle des Islamismus aber eine klare Drohung mit Krieg, der genau so verloren gehen wird wie der krieg in Afghanistan und dem Irak. Der Iran-Atom-Deal, so hört man, könnte wieder gekündigt werden, obwohl Trump Deals doch so liebt. Doch seine Prioritäten liegen nicht in der Zusammenarbeit, sondern in seiner Großmannssucht. „Es ist Zeit, sich an die alte Weisheit zu erinnern, die unsere Soldaten niemals vergessen werden – dass, egal ob wir schwarz, oder braun oder weiß sind, in unseren Adern dasselbe, rote Blut von Patrioten fließt“, sagte der neue Präsident. Er will die Macht an das Volk zurückgeben, doch in Wahrheit möchte er volkes Stimme nicht hören, sondern selbst die Macht haben. Bei der Wahl vor etwas mehr als 2 Monaten hat er, was die Gesamtzahl der Stimmen angeht, klar verloren. Das konnte er nicht ertragen und behauptete seither, millionen von Latinos und Schwarzen hätten unrechtmäßig gewählt, und natürlich alle Hillary Clinton.

Für den amerikanischen Präsidenten ist es übrigens extrem einfach, einen Atomangriff zu befehligen. Es braucht nur einen Anruf im Verteidigungsministerium, und dann muss er eine Zahlenfolge nennen, nachdem der Verteidigungsminister den ersten Teil des Codes gesagt hat. Damit identifiziert er sich und kann ohne weitere Formalitäten einen Atomschlag anordnen. Manche Präsidenten hatten ihre Codes schon einmal verloren, sie landeten in der Wäsche oder im Portemonais. Was würde Donald Trump also tun, wenn ihn zum Beispiel Wladimir Putin nach einem freundschaftlichen Saufgelage verkatert einen Hornoxen nennt? Einen Schlappschwanz, der keine Frauen vögeln kann? Einen verweichlichten Idioten? Einen milliardenschweren Taugenichts? Was wird er dann tun? Oder: Was wird er tun, wenn sich irgendjemand außerhalb der Grenzen Amerikas gegen seine Meinung wehrt, nicht nachgibt, ihm die Stirn bietet? Was, wenn er sich in die Enge gedrängt fühlt? Was, wenn in ihm das rote Blut der Patrioten zu kochen beginnt, weil er seinen Willen nicht bekommt und dies als persönliche Beleidigung auffasst und diese mit einer Ehrverletzung gegen sein Land gleichsetzt?

Donald Trump, der in seiner ersten Rede das Land hätte wieder zusammenführen müssen, hat es noch tiefer gespalten. Minderheiten, seien es ethnische Minderheiten, Menschen mit Behinderung oder unterschiedlicher sexueller Orientierung, Menschen anderer Hautfarbe ebenso, haben in Trumps Amerika keinen Platz. Seine Anhänger fordern, Journalisten in lager zu stecken. Sie verkünden öffentlich im Fernsehen, an einem Tag 13 mal gerufen und gefordert zu haben, Frauen an die Möse zu fassen, sie bedrohen andersdenkende, andersgläubige und farbige. Trump und seine Anhänger schaffen ein Klima der Angst in Amerika selbst, und die Rede des Präsidenten schafft Angst in der Welt. In Europa hat man Angst, im Stich gelassen zu werden, während die USA bereits ein neues Raketensystem bauen, die arabische Welt wird die Zähne vor Wut zusammenbeißen und sich einem Dialog noch mehr verschließen, der von Trump ja auch gar nicht gewollt wird. China bereitet sich auf eine amerikanisch-russische Allianz vor.

Viele Menschen aus der schwach gewordenen Mittelschicht haben Donald Trump gewählt, der so getan hat, als sei er einer von ihnen. Inzwischen lässt er das Amtszimmer des Präsidenten goldfarben dekorieren, verschleppt es, sich aus seinen Firmen zurückzuziehen, holt genau die Milliardäre und Banker ins Kabinett, die die wahre Elite Amerikas bilden, die wahren Machthaber. Glaubt irgendwer von den sogenannten gewöhnlichen Amerikanern, der Milliardär Trump sei einer von ihnen? Er ist ein machtgeiler, rechtspopulistischer Potentat, der die Massen ebenso beeinflusst, wie es Goebbels getan hat, der, wie Hitler, Autobahnen bauen will, um Arbeitsplätze zu schaffen, und der die Ausländer, die an allem elend Amerikas Schuld sind, aus dem Land vertreiben und die ausländischen Staaten, die Amerikas Wirtschaft behindern, bestrafen will. Das ist Donald Trump. Verantwortung kennt dieser Mann nicht. Er kennt Macht, Rausch, Großmannssucht und Aggressivität. Er ist der Neoliberalist schlechthin, hat sein Geld im Ausland gemacht und will jetzt die Grenzen schließen, um Amerikas Wirtschaft anzukurbeln. Er beherrscht das gefährliche Tier, das im Untergang des Turbokapitalismus wütend und planlos um sich schlagen wird, immer noch mit den größten Tatzen und Klauen der Welt ausgestattet. 4 Jahre könnten ihm genügen, um die Welt mit in den Abgrund zu reißen.

Trumps Anhänger sind blind dafür, dass sie ihren eigenen Ast absägen. „Latscht wie eine dumme Kuh nur auf den eignen Metzger zu“, sang Robert Long einmal. Gerade diesen Trump-Effekt aber dürfen wir nicht angstvoll und unwidersprochen hinnehmen. Gerade jetzt ist es wichtig, andere Akzente zu setzen, zusammenzurücken, Einheit zu demonstrieren, einander zu helfen, freundlich zueinander zu sein, Menschen in Not beizustehen, kleine, positive Gesten zu erkennen und zu würdigen. Und wir müssen uns für die Politik in unserem eigenen Land interessieren, eine Bewegung gegen den Verfall aufbauen, und zwar jetzt und hier, von heute an!

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