Tierschutzhunde versorgen

Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, einem Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause zu geben. Aber nicht gerade selten wird dieser gut gemeinte Akt der Tierliebe zu einer großen Herausforderung für diese Menschen. Denn der Tierschutzhund bringt häufig ein großes Paket mit. Ein Paket, dessen sich die Menschen in vielen Fällen jedoch nicht bewusst sind.

tierschutzhund Die Gründe, warum diese Menschen sich nicht dieses Pakets und der daraus resultierenden möglichen Problematiken bewusst sind, haben verschiedene Ursachen. Eine ist sicher, dass schon bei der Vermittlung der Hunde viele Fehler gemacht werden, angefangen mit mangelhaften oder fehlerhaften Informationen. Eine weitere Ursache sind dogmatisch betriebene Vorgehensweisen, wie z.B. die nach wie vor meist praktizierte “Vorschrift” der Kastration.

Ich möchte in diesem Artikel aber nicht die Ursachen in den Vordergrund stellen, sondern ein wenig erläutern, was getan werden kann, um Probleme entweder schon im Vorfeld zu minimieren oder um den Umgang mit auftretenden Problemen zu erleichtern.

Was bringt der Tierschutzhund mit?

Auch wenn es wichtig ist, jeden Hund als Individuum zu betrachten, lassen sich doch einige Parameter ausmachen, die ein sehr großer Teil der Hunde aus dem Tierschutz mitbringt:

  • Viele der Hunde wurden von der Straße geholt, wo sie vorher ein selbstbestimmtes Leben geführt haben. Je nachdem wie alt der Hund ist, kann es für ihn wenig einleuchtend sein, dass er sich nun den Hausregeln unterwerfen soll, die seine “neue Familie” für ihn aufstellt.
  • Sei es im Tierheim oder im Leben auf der Straße – die Versorgung war meist mangelhaft, was zu Nährstoffdefiziten geführt haben kann.
  • Alle Hunde im Tierschutz werden einer festgelegten medizinischen Versorgung unterzogen. Das bedeutet, sie werden alle geimpft, mit chemischen Mitteln von Parasiten befreit, entwurmt, usw. Diese Maßnahmen bedeuten schon im Einzelnen immer eine Belastung des Organismus. Werden sie jedoch geballt angewendet und ist der Organismus durch eine vorhergehend mangelhafte Versorgung noch dazu geschwächt, bedeuten sie eine besonders große Belastung.
  • Hunde aus dem Tierschutz werden entweder noch vor ihrer Übergabe kastriert, oder es wird eine Kastrationspflicht im Vertrag festgehalten. Besonders bei jungen Hunden ist dies ein wichtiger Faktor, denn sie werden in ihrer weiteren Entwicklung maßgeblich eingeschränkt. Eine Frühkastration (Früh = alle Kastrationen etwa bis zum vollendeten 3. Lebensjahr) birgt ein sehr hohes Risiko für Folgeerkrankungen, so z.B. Erkrankungen des Bewegungsapparates, Herz- und Kreislauferkrankungen, sowie Fehlentwicklungen im Gehirn mit entsprechend einhergehenden Verhaltensproblematiken.
  • Der Transport in das “bessere Leben” war für viele dieser Hunde ein traumatisches Erlebnis (was z.B. erklären kann, weshalb es bei diesen Hunden oft Probleme mit dem Autofahren gibt)
  • Viele dieser Hunde weisen eine “Fehlprägung” auf, zumindest für das Leben, das sie nach ihrer Rettung führen sollen. Problematische Verhaltensweisen, die oft auf “schlechte Erfahrungen” geschoben werden, basieren häufig nicht auf schlechten, sondern schlicht auf fehlenden Erfahrungen in der wichtigen Zeit der Prägung. Das ist insofern besonders problematisch, weil man diese Erfahrungen nicht einfach nachholen kann. Man nennt das auch Deprivationssyndrom oder Hospitalismus oder Kasper-Hauser-Syndrom.
  • Oft ist die Zeit im Tierheim von sehr vielen belastenden Umständen geprägt. Manch ein Hund ist in dieser Zeit “dauergestresst”, was sich durch die erhöhte Produktion von Cortisol sehr negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Mangelzustände, Hunger, Kälte oder andere Faktoren gehen nicht spurlos an dem Hund vorbei.
  • Sogenannte Tötungsstationen sind natürlich absolut traumatisierend, auch wenn der Hund lebend wieder rausgekommen ist. Hunde sind fühlende Wesen und neben dem eigenen Leid geht auch das Leid ihrer Artgenossen nicht spurlos an ihnen vorbei.
  • Viele Hunde kommen aus südlichen Ländern und bringen typische Erkrankungen mit, wie z.B. Leishmaniose. Die meisten Hunde werden mittlerweile bei der Einreise getestet, leider bedeutet ein negatives Testergebnis aber nicht, dass der Hund frei von solchen Erkrankungen ist.
  • Auch die Zeit VOR dem Tierheim kann mit Traumatisierungen behaftet sein, meist weiß man nicht, was der Hund vorher so alles erlebt hat. Aber selbst nach Jahren kann es zu Retraumatisierungen kommen, wenn ein sogenannter “Trigger” dazu führt, dass der Hund gefühlt zurück in eine traumatisierende Situation geworfen wird, dafür reichen schon kleine Erlebnisse, wie die berühmte “Fliege an der Wand”. Jedes Erlebnis wird mit äußeren Umständen verknüpft, so funktioniert das ja auch bei uns Menschen. Viele kennen z.B. die Situation, dass ein Duft sie an schöne Erlebnisse aus ihrer Kindheit erinnert, das funktioniert natürlich auch im negativen Sinne.

Diese Liste, die natürlich nicht vollständig ist, zeigt wie problematisch die Aufnahme eines Tierschutzhundes sein kann und vor allem, wie verheerend die Folgen sein können, wenn man nicht entsprechend vorbereitet ist.

Ich wage zu behaupten, dass ein großer Teil der Menschen, die solche Hunde aufnehmen, NICHT ausreichend vorbereitet ist. Viele holen dieses Manko gezwungenermaßen im Laufe der Zeit nach, dabei geht aber viel wertvolle Zeit verloren und manche Problematik verschlimmert sich so natürlich noch. Oft fehlt auch der “ganzheitliche Blick” für die Problematiken und man “doktert” an einzelnen Stellen herum und kommt nicht weiter, weil man wichtige Faktoren außer Acht lässt.

Ich glaube, dass vieles anders laufen könnte, wenn die Menschen besser informiert wären, BEVOR sie sich einen Hund aus dem Tierschutz holen. Es ist wichtig, sich der Problematiken bewusst zu sein, die im Laufe der Zeit auftreten können, um entweder vorbeugend handeln zu können, oder natürlich, um nicht so viele Irrwege gehen zu müssen. Und oft kann man auch weiteren irreparablen Schaden verhindern, wenn man gleich den richtigen Weg geht.

Man sollt sich auch nicht scheuen, einen Hund abzulehnen, wenn man das Gefühl hat, dieses Paket könnte zu groß sein. Immerhin trifft man eine Entscheidung darüber, mit wem man die nächsten 10 – 15 Jahre sein Leben teilen möchte.

Was also tun mit dem Tierschutzhund?

Die folgenden Tipps und Ratschläge können natürlich nur eine allgemeine Sichtweise bieten, jeder individuelle Hund verdient und benötigt noch einmal eine individuelle Betrachtung. Trotzdem kann man sich mit dieser allgemeinen Sichtweise ein Fundament schaffen, auf dessen Grundlage es sich leichter “arbeiten” lässt. Fangen wir also an …

Info, Info, Info …

Die beste Basis, auf der man aufbauen kann, ist natürlich so viel wie irgend möglich zu wissen über den Hund, mit dem man fortan sein Leben teilen möchte. Hat der Hund auf der Straße gelebt? Hatte er traumatische Erlebnisse? Wie lange war er im Tierheim? Wie hat er da gelebt? Wie verhält/verhielt er sich dort? Wie zutraulich ist er? Hat er “besondere” Verhaltensweisen? Es empfiehlt sich sehr, den Hund so gut wie möglich VOR der Übernahme kennenzulernen, so kann man sich auf manches schon mal vorbereiten …

Kastration? Nein Danke!!

Nach wie vor ist es üblich, die Tierschutzhunde quasi routinemäßig zu kastrieren. Das muss aufhören! Vor allem den jungen Hunden fügt die Kastration einen großen, nicht wieder umkehrbaren Schaden zu! Mal abgesehen davon, dass es überhaupt keinen Sinn macht, einen Hund zu kastrieren, der in die wohlbehütete Obhut eines Menschen übergeben wird. Die Klausel, die man in den allermeisten Übernahmeverträgen zur Kastrationspflicht findet, ist rechtswidrig und darf ignoriert werden.

Vor allem die Frühkastration (bis zum Alter von ca. 3 Jahren) kann sehr großen Schaden anrichten und ist mit verantwortlich für sehr häufig vorkommende Erkrankungen des Bewegungsapparates, Herz- und Kreislauferkrankungen, sowie auch viele Verhaltensprobleme.

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Der Bewegungsapparat der Tierschutzhunde ist hier einer doppelten “Gefahr” ausgesetzt. Zum einen sind diese Hunde häufig nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Der Calciumbedarf, das kann man sich ja denken, wird bei einem Hund, der sich von Abfall ernährt, sicher alles andere als ausreichend gedeckt, ist aber ein wichtiger Faktor im Wachstum. Ein Welpe, der von einer mangelernährten Mutterhündin gesäugt wird, wird nicht ausreichend versorgt. Viele Welpen, die im Tierheim landen werden auch gar nicht ausreichend – wenn überhaupt – gesäugt. Der Bewegungsapparat hat für seine Entwicklung also schon mal schlechtere Voraussetzungen.

Wird der Hund nun noch kastriert, bevor er ganz ausgewachsen ist (das kann bis zum Ende des 3. Lebensjahres dauern), erleidet sein Bewegungsapparat einen weiteren “Mangel”. die Hormone sind u. a. nämlich wichtig für das Wachstum der Knochen und die Stabilität von Bindegewebe und Muskulatur. Fehlen diese Hormone, kann es zum einen zu einem stärkeren Längenwachstum kommen, zum anderen sind Muskulatur und Bindegewebe nicht so stark aufgestellt. Das heißt zum einen, die Knochen sind nicht so stabil, wie sie sein könnten, zum anderen, sie erhalten weniger Unterstützung von Muskulatur und Bindegewebe. Wen wundert es da noch, wenn es früher oder später zu Erkrankungen des Bewegungsapparates kommt.

Auch die kognitiven Fähigkeiten des Hundes sind durch die Kastration beeinflussbar. Viele der Tierschutzhunde leiden unter “Fehlprägungen”, Traumatisierungen, etc. und zeigen unsichere / ängstliche Reaktionen. Eine Kastration kann diese Verhaltensweisen sehr verstärken oder sogar erst richtig sichtbar machen. Neben der Tatsache, dass der früh kastrierte Hund niemals das Gehirn und entsprechend den “Verstand” eines “ausgereiften” Hundes haben wird, können fehlende Hormone ein ängstliches oder unsicheres Verhalten in regelrechte Panikattacken umwandeln. Ein Beispiel ist der unsichere Rüde, der sein letztes bisschen Mut durch das vorhandene Testosteron bekommt, das auch gerne Mutmacherhormon genannt wird. Was macht der nun ohne das Testosteron? Die Antwort auf diese Frage findet sich in vielen der sogenannten Angsthunde, die kaum noch zu integrieren sind. Ein Hund, der ein nicht ausgereiftes Gehirn hat und zudem noch mit Panikattacken kämpft, wird sich mehr als schwer tun, neues zu lernen.

Je öfter Menschen die Aufnahme bereits kastrierter Hunde ablehnen werden, desto eher werden die Tierschutzvereine damit aufhören, routinemäßig zu kastrieren. Und nicht vergessen: es gibt eigentlich nur eine einzige Indikation, die eine Kastration wirklich erforderlich machen kann, das ist die medizinische.

Bitte nicht vermenschlichen!

Wir Menschen neigen dazu, alles, was unter den “Niedlichkeitsfaktor” fällt oder auch unser Mitleid erregt, zu verhätscheln/betüddeln. Das ist bei sehr vielen Tierschutzhunden aber eine denkbar schlechte Vorgehensweise. Und auch die Regel “die Erziehung fängt sofort an” gilt beim Tierschutzhund nur sehr eingeschränkt. Das Beste, was man für einen Hund tun kann, der gerade frisch aus dem Tierschutz in seinem neuen Zuhause eingetroffen ist, ist, ihn einfach zu ignorieren. Damit ist aber nicht diese Ignoranz gemeint, mit der manche ihren Hund bestrafen wollen, sondern eine Ignoranz, die den Hund einfach aus dem “Fokus” entlässt und ihm die nötige Ruhe ermöglicht, einfach anzukommen.

Diese Vorgehensweise ist aber nicht einfach nur nett gemeint, dem Hund gegenüber. Im schlimmsten Fall kann ein für den Hund “übergriffig” aufgenommenes Verhalten der Menschen dazu führen, dass der Hund zubeißt.

Es kommt natürlich auch sehr auf den Hund an. Sucht er von sich aus Kontakt, wäre es natürlich blöd, ihn zu ignorieren.

Hunde leben im Hier und Jetzt. Nur im Hier und Jetzt. Nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft. Sie nehmen nicht wahr, dass diese fremden Menschen sie gerettet haben. Sie nehmen erst mal nur wahr, dass sie in einer fremden Umgebung sind, umgeben von fremden Menschen, eingesperrt und (oft) ihrer Freiheit beraubt. Das alles wohlmöglich auf der Basis einer oder mehrerer Traumatisierungen.

Es kann sehr hilfreich sein, wenn man es schafft, sich ganz dem Tempo des Hundes anzupassen. Ein Schlafplatz in einer geschützten Ecke, wo der Hund trotzdem den Überblick hat, wird sicher gerne angenommen. Kontakt kann man ab und an herstellen, indem man sich auf den Boden setzt und mit ganz neutraler Haltung und ohne zu sprechen ein paar Leckerchen anbietet. Das reicht für den Anfang.

Der Hund braucht nicht dein Mitleid, sondern dein Verständnis. Verständnis für seine besondere Situation.

Wellnessprogramm? Ja bitte!!

Mit Wellnessprogramm meine ich, Dinge für den Hund zu tun, die sein körperliches Wohlbefinden steigern können. Das ist natürlich eine gute Unterstützung, denn wer sich wohl fühlt, benimmt sich auch besser. Hat der Hund z.B. Juckreiz, weil sein Organismus mit den ganzen Behandlungen überfordert wurde, sollte man natürlich für Abhilfe sorgen. Ein Hund, der aus dem Tierschutz kommt, kann gut ein “Rundum-Programm” vertragen, so kann man nicht nur bestehende Probleme eventuell beseitigen, sondern auch kommenden vorbeugen.

Das “Rundum-Wohlfühl-Programm”

  • Die Ernährung sollte gesund und ausgewogen gestaltet werden. Am allerbesten ist eine Fütterung mit frischen Komponenten, abgerundet mit ein paar wenigen Ergänzungen. Der Hund wird so mit allen nötigen Nährstoffen versorgt und sein Organismus wird nicht mit weiteren schädlichen Faktoren belastet. Durch die richtige Zusammenstellung der Nahrungsmittel kann man außerdem dafür sorgen, dass der Hund von innen heraus entspannter ist. Besonders bei Hunden, die schon mit benannten Erkrankungen kommen, muss dies in der Ernährung berücksichtigt werden. Ist z.B. schon eine Leishmaniose diagnostiziert und erhält der Hund Medikamente, muss das berücksichtigt werden, da es sonst zu Folgeerkrankungen kommen kann. Mit der Thematik Leishmaniose werde ich mich aber noch in einem gesonderten Artikel auseinander setzen. Wie du weiter oben schon gelesen hast, haben Tierschutzhunde eine besondere Disposition für Erkrankungen des Bewegungsapparates, ganz besonders, wenn sie jung kastriert wurden. Deshalb ist es ausgesprochen wichtig, in ihrer Ernährung darauf zu achten, dass sie adäquat mit Calcium und Vit. D versorgt werden. Außerdem kann man sie präventiv mit Ergänzungen unterstützen, die den Bewegungsapparat besonders unterstützen.
  • Die Entgiftungs- und Ausscheidungsorgane sollten z.B. durch Kräuterkuren unterstützt werden und so der Abbau der schädlichen Substanzen im Hundeorganismus voran getrieben werden.
  • Das Immunsystem muss “aufgepäppelt” werden, indem man z. B. den Darm (dort sitzt der größte Teil, ca. 80% des Immunsystems) saniert und pflegt und natürlich durch die Zufuhr aller wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge (siehe Ernährung oben).
  • Haut und Fell sind häufig durch die Umstände, schlechte Versorgung, Verletzungen, etc. stark beansprucht. Eine Kur mit Bierhefe kann die Regeneration aufgrund der enthaltenen B-Vitamine unterstützen und gleichzeitig für die Beruhigung der angespannten Hundenerven sorgen.
  • Ausreichende, jedoch entspannte Bewegung (weniger Sprint, mehr Ausdauer) kann ebenfalls dafür sorgen, dass der Hund “von innen” entspannter wird.
  • Harmonisierende Bachblüten können vor allem die Eingewöhnung des Hundes in die neue Umgebung erleichtern. Sie helfen zum einen, die neue Situation besser zu akzeptieren, zum anderen mildern sie möglicherweise die Folgen vorangegangener schlimmer Ereignisse.

Auch dies ist nur ein Auszug der Möglichkeiten. Die “innere” Arbeit ist aber immens wichtig, weil man sonst nicht richtig erkennen kann, woher mögliche Problematiken kommen. Um wirklich zu erkennen, welche Problematiken tatsächlich zum Hund gehören, also durch Prägung, Vorgeschichte, Traumatas, etc. entstehen, muss der Hund sich in einem körperlich gutem Zustand befinden.

Fels in der Brandung oder Dosenöffner?

Der Hund hat sich den Ort und seine neue Familie nicht ausgesucht. Das ist vielleicht ein Punkt, den man niemals vergessen sollte. Anders ausgedrückt, nicht der Hund kann etwas dafür, dass er nun an einem Ort ist, wo er eigentlich gar nicht hingehört, dafür sind wir Menschen verantwortlich.

Entsprechend ist es wichtig, sich auf die “Persönlichkeit” des individuellen Hundes einzulassen. Auch hier kann die Vorgeschichte ein hilfreicher Faktor sein.

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Ein Hund, der schon ein paar Jahre Lebensgeschichte hinter sich hat, die er größtenteils auf der Straße verbracht hat, wird wahrscheinlich nicht unbedingt mit im Bett seiner menschlichen Lebensgefährten schlafen wollen. Er wird wahrscheinlich auch nicht viel Verständnis dafür haben, dass seine gewohnten Streifzüge um die Häuser auf der Suche nach Nahrung (Müll?) nicht gerne gesehen werden. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Hund dieses Verhalten nicht an den Tag legt, um seine Menschen zu ärgern, sondern weil es zu seiner gewohnten Lebensweise gehört.

Was sich ebenfalls lohnt, ist ein Blick auf die Hunderasse. Das ist insofern etwas schwierig, da es sich zum einen häufig um Mischlinge handelt, zum anderen sind die Rassebeschreibungen der Vereine oft an “Modehunden” ausgerichtet, die sich halt einfach besser vermitteln lassen. Optik, Größe und Verhalten lassen aber auch im Nachhinein den ein oder anderen Schluss zu, es lohnt sich auch zu schauen, welche Rassen in den Ländern vielleicht gezüchtet werden und für welchen Zweck.

Je größer die Bereitschaft des Hundes ist, sich seinen Menschen anzuschließen, desto größer sind natürlich die Möglichkeiten, ihn zu integrieren. Ein sehr unsicherer Hund kann besonders daraus profitieren, wenn er in seinen Menschen einen “Fels in der Brandung” findet. Auch wenn man nicht alle Unsicherheiten “wegtrainieren” kann, kann man ihm zumindest das Gefühl vermitteln, dass er “sicher” ist, solange er sich in der Nähe seiner Menschen befindet.

Akzeptanz

Akzeptanz ist für mich das Schlüsselwort, wenn es um Hunde, im Besonderen aber um Tierschutzhunde und ihre Integration geht. Auch ein Hund hat ein Recht darauf zu sein, wie er ist. Dabei muss natürlich unterschieden werden, inwieweit sein Verhalten zu Beeinträchtigungen führt. Natürlich kann ich nicht akzeptieren, dass ein Hund wie eine Furie jeden Mann attackieren möchte, der einen schwarzen Mantel trägt. Ich kann aber akzeptieren, dass er für dieses Verhalten triftige Gründe hat.  Und aus dieser Akzeptanz heraus ergibt sich die weitere Vorgehensweise.

Schlussendlich denke ich, muss man sich gerade bei Straßenhunden darüber im Klaren sein, dass sie aus ihrem “natürlichen” Lebensraum entfernt wurden. Die Akzeptanz, dass ein Hund nun mal als Streuner gelebt hat und das eigentlich auch gerne weiter tun würde, lässt vieles vielleicht in einem anderen Licht erscheinen.

Zum Schluss möchte ich allen (Tierschutz)Hundehaltern gerne ein Buch empfehlen, das die Akzeptanz der hündischen Verhaltensweisen immens steigern kann. Merles Tür von Ted Kerasote kann besonders für Halter von Tierschutzhunden zur regelrechten Offenbarung werden, so dass sie am liebsten gleich in den nächsten Baumarkt stiefeln wollen, um Holz etc. für den Bau einer Tür zu kaufen …

Meine bisherige “Tierschutzhundebande” :-D

Lotti und Lilly Marley Lotti Frodo Lucy Bo