These New Puritans: Himmel und Hölle

These New Puritans: Himmel und HölleThese New Puritans
„Inside The Rose“
(BMG/Warner)
Wie immer man das bewertet, wie sehr es einem Musikliebhaber stinkt – Pop- und Rockmusik hat sich in den letzten Jahren geändert, weil sich unsere Hörgewohnheiten geändert haben, weil die Quellen, aus denen wir schöpfen, andere geworden sind und das wiederum einen nicht wegzudiskutierenden Einfluss auf diejenigen hat, die Musik im handwerklichen Sinne machen. Es gibt unzählige Erhebungen, wie Songs beschaffen sein müssen, um unsere Geduld heutzutage nicht überzustrapazieren, Streamingdienste füttern damit die Menschen, die für sie die passenden Algorithmen basteln, Neurowissenschaftler durchleuchten für ihre Analysen unsere Gewohnheiten bis in den kleinsten Hirnwinkel, wissen, wie lang ein Intro sein darf, auf welche Stimme wir wie empfindlich reagieren, was einen Hit ausmacht und was eben nicht. Es ist anzunehmen, dass Jack und George Barnett keine allzu großen Freunde solcher Regeln und Erhebungen sein dürften.
Das Geschwisterpaar aus dem britischen Southend-On-Sea resp. die Band These New Puritans wird seit Beginn der Karriere im Jahr 2006 unter dem Sammelbegriff „Experimenteller Pop“ geführt und auch wenn die beiden Herren bei derartigen Etikettierungen schnell misstrauisch werden, so sollte ihnen diese doch ganz gut gefallen. Läßt sie doch eine gewisse Ernsthaftigkeit vermuten, mit der man sich vom Durchschnitt, von der Mittelmäßigkeit abzusetzen versucht – ein Punkt, der den Brüdern sehr wichtig ist. „We were always madly determined to plough our own furrow”, haben sie gerade dem DAZED-Magazin gesagt und damit das Ethos bildhaft zusammengefaßt, das sie bei der Arbeit an ihren vier bislang erschienenen Alben angetrieben hat.
Denn auch die neue Platte ist, nach sechs Jahren Sendepause, mutmaßlich wieder keine geworden, die bei Spotify auf Heavy Rotation läuft, eine also, auf die sich besagte Erfolgsformeln nur schwerlich anwenden lassen und die, genau wegen jenes Anspruches, wohl eher in der Nische als bei der Masse funktionieren wird. Dabei weisen die Barnetts den Vorwurf der prinzipiellen Verweigerung und der Provokation um des Selbstzecks willen strikt von sich: "I don’t like stuff that’s deliberately abstract and difficult but there’s no pay off,” diktierte Jack dem Portal Loud And Quiet, “Anyone can just make noise. Be extreme, but don’t do it in an obvious way. If you want to be extreme you can do something really quiet and really loud but that’s so … easy. And it’s not very interesting after a while.” Mit anderen Worten: Undifferenziertheit nervt und langweilt zu gleichen Teilen.

Das können sie wohl besser. Man muß sich nur das Eröffnungsstück „Infinity Vibraphones“ von „Inside The Rose“ anhören, schon allein in diesen sechseinhalb Minuten Musik stecken so viele Details, Einfälle, Auslotungen und Extravaganzen, dass man einen guten Überblick darüber bekommt, was den beiden angeblichen Puritanern wertvoll und wichtig ist. Alles hier ist beeindruckend dicht, dunkel auch, es schwingt und dröhnt. Ein Sound, der dazu einlädt, sich einzulassen, hinzugeben, der einen in seiner Düsternis umfängt. Und auch danach nicht an Kraft verliert: TNP mischen zarte Elfengesänge, Opernarien, wuchtige Drums, verschneiden Piano- und Keyboardakkorde mit elektronischen Beats, die manchmal so tricky arrangiert sind, dass sie sich (wie beim Titelstück) selbst erst langsam finden müssen.
Ein Klangkosmos, der Hölle und Erlösung zugleich sein kann, der einen magisch anzieht – “Let this music be a paradise, a kind of nightmare, and a kind of I-don’t-care” heißt es bei „A-R-P“ und weiter „where your dreams come true and your nightmares too“ im ebenso wunderbaren „Where The Trees Are On Fire“. Die Bildsprache ist zuweilen archaisch und dystopisch zugleich, Bezüge zu Blake und religiöse Verweise tauchen auf, ein großes, geheimnisvolles Wogen und Wirbeln. Kein Wunder, dass David Tibet (Current 93) und Graham Sutton Gefallen an diesem wilden Ritt gefunden und deshalb auch kräftig mitgemischt haben, auch der Verweis auf Throbbing Gristle geht nicht in die Irre. Eine überaus reizvolle, eine nicht nur anspruchsvolle, sondern beanspruchende Platte – weitab vom Mittelmaß. http://www.thesenewpuritans.com/
02.04.  Berlin, Bi Nuu
03.04.  Hamburg, Knust

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