The Death of Stalin

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The Death of Stalin

7Satire

Das beste Führungszeugnis für Armando Iannuccis zynische Farce über die Intrigen im Zuge des Titelereignisses ist deren Kategorisierung als „gezielte Provokation“ seitens der Gesellschaftlichen Kammer.

Deren Mitglied Pavel Pozhigailo spekulierte, die Verfilmung von Fabien Nurys und Thierry Robins gleichnamiger Graphic Novel sei ein westliches Komplott zur Destabilisierung Russland mittels dessen gesellschaftlicher Entzweiung. Die Vorwürfe passten perfekt in das bissige Kammerspiel, hinter dessen komödiantischer Fassade glasklar die politische Abrechnung hervorblitzt. Die fiktive Episode um die Impromptu-Wiederholung eines Konzerts, dessen Aufnahme Josef Stalin (Adrian McLoughlin) wünscht, ist ein trügerisch harmloser Auftakt des Spielfilmdebüts. Dessen monströses Figurenensemble überwindet die Dialoglast des Plots, der lauter knirscht als der stockende Politapparat.

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Die vor Obszönitäten strotzenden Machtkämpfe unter Stalins Ministern und Generälen Nikita Khrushchev (Steve Buscemi), Malenkov (Jeffrey Tambor), Zhukov (Jason Isaacs) und Andreyev (Paddy Considine) sowie Geheimdienstchef Beria (Simon Russell Beale) fungieren in den besten Momenten als kalkulierte Diversion der brutalen Hintergrundszenen. Die grauenvolle Realität der Diktatur ist in Form von Verschleppung, Folter und Exekution omnipräsent. In der Alltäglichkeit des Terrors verbirgt sich eine beklemmende Parallele zur gegenwärtigen Apathie im Angesicht von Rechtsradikalisierung und konservativem Populismus. Der Abtransport in den GULAG ist genauso Nebensache wie Berias Sexverbrechen. Letzte sind der finsterste Abgrund eines halsbrecherisch nahe am Rande der Geschmacklosigkeit balancierenden Staatstheaters, dessen absurdeste Fußnoten die Geschichte schrieb.

Iannucci macht sich kaum Illusionen über die Verworfenheit der Figuren. Sie nutzen nicht nur jede noch so aberwitzige Chance, um hinter dem Rücken eines der ihren Allianzen zu schmieden, sondern haben alle Skrupel längst abgetötet oder nie gehabt. Moralisch aufrecht bleibt einzig Pianistin Maria Yudina (Olga Kurylenko), deren Nachricht an Stalin zum Katalysator der überstürzten Neustrukturierung wird. Oberstes Ziel der in überzeugend hässlichem Sowjet-Chic inszenierten Verhandlungen ist nicht die Milderung der staatsgesteuerten Unterdrückung, sondern Eigenpositionierung im Kabinett und im Auge der Bevölkerung. Zweite strömt in Massen zum Begräbnis des Ungeheuers, dessen Schatten noch lange fallen wird. Wie lange zeigt anschaulich das drohende Verbot der bedrückenden Satire.

Regie: Armando Iannucci, Drehbuch: Armando Iannucci, David Schneider, Ian Martin, Peter Fellows, Darsteller: Olga Kurylenko, Tom Brooke, Paddy Considine, Steve Buscemi, Michael Palin, Filmlänge: 107 Minuten, Kinostart: 29.03.2018


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Autor

Lida Bach