Teil 2: So findest Du den richtigen Träger – Part 1

Träger können Blutsauger sein

Nachdem ich Dir im ersten Teil der Serie ein Werkzeug an die Hand gegeben haben um für Dich selber herauszufinden, ob Du geeignet, bist ein Pflegekind aufzunehmen, kommt heute mit Teil 2 ein weiterer wichtiger Punkt hinzu, der Dich Deine ganze Pflegezeit über begleiten wird. Der Träger! Aber wie findet man den richtigen Träger? Mit diesem Artikel möchte ich dir helfen, den für Dich richtigen Träger zu finden. Anhand meiner eigenen Erfahrung zeige ich Dir, wie schnell man den falschen Träger finden kann. Ich werde diesen Teil des Ratgebers in mehrere Parts packen. Ein Artikel wäre definitiv zu lang. Aber eines kann ich Dir direkt sagen: Du wirst viele Frösche küssen müssen um den richtigen Prinzen zu finden.

Die Vorauswahl

Nachdem ich mich dazu entschlossen hatte, ein Pflegekind aufzunehmen, recherchierten wir. Leider gab es zu dieser Zeit nicht eine einzige Seite im Netz zu dem Thema. Was wir aber fanden, waren viele Träger. Da war zum einem natürlich das Jugendamt und zum anderen die vielen freien Träger der Jugendhilfe. Eine Definition zum Thema freie Träger findest Du hier. Wir schauten uns die Webseiten der Träger genau an und notierten die für uns ausgewählten Top 5. Ich werde hier aus rechtlichen Gründen keine Namen der Träger nennen, aber der Rest hat sich so alles abgespielt. Grundsätzlich hatten wir zuerst immer per Mail unser Anliegen formuliert und um Rückruf gebeten. Warum? So kannst Du direkt testen ob die Verwaltung funktioniert und ob es dem Träger wichtig ist, gute Pflegeeltern zu bekommen und zurück zu rufen. Bei allen 5 Trägern war dies der Fall. Aber ab da begannen schon die ersten großen Unterschiede.
  • Träger A wollten mit uns alleine (also ohne leibliches Kind) ein Erstgespräch in ihren Räumlichkeiten führen.
  • Träger B wollte mit uns und unserer leiblichen Tochter ein Erstgespräch in ihren Räumlichkeiten abhalten.
  • Träger C wollte mit uns gar kein Gespräch führen weil er nicht wollte, das Pflegekinder und leibliche Kinder zusammen leben. Begründung: Man habe damit nur schlechte Erfahrung gemacht.
  • Träger D und E wollten das Erstgespräch bei uns machen, um auch direkt die Räumlichkeiten zu besichtigen. Das gab uns zwar den Heimvorteil, hatte aber dennoch für mich einen unprofessionellen Eindruck.
[Tweet "Augen auf bei der Trägerwahl!"]

Erfahrung mit Träger A

Das Gespräch bei Träger A dauerte genau 10 Minuten. Dort wurde uns klar gesagt, dass wir im Monat 200 Euro erhalten würde. Da man ja ein Pflegekind eher aus ideologischen Gründen aufnimmt, wäre dies mehr als symbolisches Zeichen zu sehen. Richtig, man wird durch die Aufnahme eines Pflegekindes nicht reich, aber draufzahlen möchte man ja auch nicht. Ich fragte dann zumindest noch nach, ob man denn begleitet würde und ob es regelmäßige Weiterbildungen geben würde…Natürlich nicht.

Erfahrung mit Träger B

Obwohl alles mit Träger B gut anfing, gab es ein böses Ende. Das Erstgespräch verlief toll. Man begegnete sich auf Augenhöhe und auch die Gesprächsführung verlief sehr professionell. Alle wichtigen Punkte wurden schon vom Träger selber angesprochen und auch eigenen Fragen gegenüber war man sehr aufgeschlossen und beantwortete sie geduldig. Auch mit unserer Tochter wurde im Gespräch sehr gut und kindgerecht umgegangen. Das zweite Gespräch fand bei uns statt. Natürlich möchte der Träger die Räumlichkeiten der Unterbringung in Augenschein nehmen. Das wurde sehr gut vom Träger mit dem entsprechenden Feingefühl umgesetzt. Selbst unsere leibliche Tochter wollte ihr Zimmer zeigen. Und das will schon was heißen. In der Schlussrunde wurde uns dann vom Träger gesagt, dass die Räumlichkeiten super sein. Das hatte uns natürlich gefreut. Nun müßten wir nur noch eine Vorstellungsrunde beim Vorstand machen, aber das sei Routine. Ich wollte gerade meinen Kalender zücken, da sprach aber schon die Dame vom Träger: “Den Kalender brauchen sie nicht, der Termin ist heute Abend um 21:00 Uhr.” Ich erwiderte: “Puh, da muss ich aber erstmal den Babysitter anrufen, ob sie heute Abend überhaupt Zeit hat.” Dann kam der erste Hammer. “Nein, nein, die Vorstellungsrunde ist mit ihrer Tochter.” Ich darauf: “Mit einer 4-jährigen, um 21 Uhr?” “Ja Herr Meurer, das geht leider nicht anders. Die nächste Vorstellungsrunde ist erst in einem halben Jahr und wir haben bereits ein Kind für sie. Wir brauchen umgehend das OK vom Vorstand.” Unsere leibliche Tochter hatte alles mit angehört und war direkt Feuer und Flamme als sie hörte, dass schon ein Kind auf uns wartete. Also stimmte ich diesem Absurdum zu. Marie fragte mich dann beim Abendbrot, wie viele Leute denn da sitzen würden. Ich überlegte kurz, was in so einem Vorstand alles sitzt und antwortete: “Wenn es hoch kommt sechs.” Welch fatale falsche Annahme!

Das Unfassbare

Pünktlich um 21 Uhr waren wir vor Ort. Dann mussten wir noch 10 Minuten im Vorraum warten. Aber dann öffnete sich die Tür und wir wurden hereingebeten. BAMMM - da saßen 43 Personen. Einer vom Aussehen her wichtiger als der andere. Unsere Tochter stand starr in der Tür. Als ich ihre Hand nahm ging sie mit mir weiter. Zumindest durften wir im Kreis sitzen und nicht in der Mitte. Aufgrund meiner beruflichen Erfahrung habe ich keine Probleme, vor einer größeren Menschenansammlung zu reden, aber meine leibliche Tochter… Das Wort wurde uns dann umgehend übergeben und ich fing an, mich und meine Familie vorzustellen. Nach meiner “Rede” klopften die Herrschaften dann auch brav auf die Tische. “So, das hätten wir...” - Dachte ich zumindest. Was dann folgte war unglaublich. Meine Tochter sollte sich dazu äußern, wie sie es denn findet das ein Pflegekind kommt. Mit 4 Jahren, vor all den Leuten. Natürlich sagte Marie keinen Ton. Dann war meine Frau an der Reihe. Ihr liegt so etwas überhaupt nicht, sie riss sich aber zusammen. Als diese “Folter” endlich vorbei war, wurde uns gratuliert. Alles weitere würde dann in den kommenden Tagen mit unserer persönlichen Begleiterin besprochen. Nachdem sich dann 3 Wochen nichts getan hatte, rief ich mal bei Träger B an. “Oh, ich hatte ganz vergessen, mich bei ihnen zu melden. Ich wollte morgen zu ihnen kommen und die ersten Dinge bezüglich der Aufnahme besprechen.” “Oh, das tut mir aber leid. Da kann ich nicht. Ich habe einen Kliententermin.” Wir verabredeten uns dann auf zwei Tage später. Und da kam der Oberhammer.

Es gibt Sachen die glaubt man nicht - Bis man sie selber erlebte

Die Dame bat darum, alle an den Tisch zu holen. Da saß sie nun, die in vorfreudiger Erwartung nervöse Familie Meurer. Wie würde das Kind wohl heißen? Ein Junge? Ein Mädchen? “Es tut mir leid ihnen mitteilen zu müssen, dass wir sie nicht belegen werden.” “Wir belegen keine Familie, die selbständig arbeitet. Wir belegen nur Familien mit einem festen Arbeitsverhältnis.” Das viel dem Träger jetzt ein. Nach all dem? Unsere Tochter brach in Tränen aus. Dann sagte sie wörtlich: “Was habe ich denn falsch gemacht? Ich habe doch alles gegeben.” Frau S. sagte dann nur noch: “Ich gehe dann jetzt. Sie haben bestimmt jetzt eine Menge zu besprechen.” Sie drehte sich um, ging und ließ uns so stehen. Das meine Frau und ich nun eine ganz schön lange Zeit gebraucht haben, um Marie aufzufangen, dürfte verständlich sein. Weiter geht es mit Part 2 Lass es Dir gut gehen, thomas_meurer_greet

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