Taxifahren in der Stunde Null

Potsdam 1990.

Es ist die Zeit da sich im kleinen Lande alles wendet. Und – Oh Wunder! – auch die Ämter wollen plötzlich für Bürger da sein, gehorchen plötzlich dem Willen eintreffender Anträge, verhalten sich plebiszitär, indem sie Erlaubnisse erteilen, die jede Innung nur schwer wegstecken kann. So gibt es in der Stunde Null dreimal so viele Taxi-Konzessionen wie jede vergleichbare Stadt der alten Ländern unter normalen Umständen erteilt hätte.

Was zur Folge hat, dass sich in Potsdam Taxis schlangen.

Und als hätte die Menge allein nicht schon für einen Stau gereicht, wird just in diesem Augenblick auch in Potsdam die Währung reformiert, von Ost auf West umgestellt, dergestalt dass jeder Potsdamer Normalbürger nun auf seine Barschaft achtet, weil er sie – irrtümlicherweise, wie wir heute wissen – für hart hält und daher, der traurigen Situation der Potsdamer Taxi-Innung zum Trotz, auf solchen Luxus, wie Taxifahren verzichtet.

Eine weitere Potsdamer Sonderheit ist die Nähe des seinerzeit einzig akzeptablen Hotels namens Interhotel zum städtischen Bahnhof, dem Ort der größten Taxischlange.

Eine Fahrt von Potsdam Hauptbahnhof zum Interhotel dauert nur 2 Minuten und bringt (Juli 1990) mit allen erdenklichen Zuschlägen bestenfalls 3,50 DM.

Klaus, der kurz zuvor seine Arbeit verlor, entscheidet sich vor der Alternative Arbeitsamtsschlange oder Taxischlange für letztere, die zwar nicht wesentlich länger ist, dafür aber wesentlich länger dauert.

Der Juli des Jahres 1990 ist besonders heiß. Man wartet in Autos ohne Klima – Zentimeterweise schiebt sich Taxi für Taxi zum Aufnahmepunkt. Endlich-endlich, nach nahezu drei Stunden Hitze, ist auch Klaus der Schweiß-Driver an der Reihe.

Ein Männlein lässt sich von ihm drei Koffer verladen und gibt schließlich Order:

“Einmal zum Interhotel bitte!”

Klaus ist nun enttäuscht, besser: enthofft und gibt daher Geräusche, welche klingen wie “ohr-nee – ohr-nee – habe ich aber heute wieder Pech!”

Was wiederum den Passagier erstaunt.

“Was haben Sie denn?! – Es ist doch nun aber wirklich nicht sooo weit!”


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