Tagebuchnotizen zum Buch DAS ESELSKIND - Das dunkelste Kapitel und dennoch hat die Freude gesiegt!


Tagebuchnotizen zum Buch DAS ESELSKIND - Das dunkelste Kapitel und dennoch hat die Freude gesiegt!

Bild "Der Schrei" von Edvard Munch

Ihr Lieben,
als ich das obige Bild in meiner Jugend zum ersten Mal sah. hat es mich tief berührt, denn ich verspürte oft
in meiner Kindheit und Jugend in mir den großen Drang, all den Ekel, all den Dreck, all das erlittene Unrecht  aus mir herauszuschreien.
Ein zweiter Gefühl, das mich in Kindheit und Jugend permanent beherrschte, was das Gefühl der Angst. Nur an wenigen Orten, z.b. Im Elternhaus meines Jugendfreundes fühlte ich mich geborgen, nur an wenigen Orten fühlte ich mich sicher.

Und wenn ein Kind dann zuhause niemand hat, der es verteidigt, der zu ihm steht und es liebt, dann hat ein solches Kind kaum Chancen.

Entscheidend war nicht, was ich dachte oder fühlte, sondern was die Leute dachten (wer auch immer das sein mochte).
Und als Person kannte ich zuhause nur Entmutigung.
Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, wie ich eines Abend im Alter von 14 Jahren nackt im unserem Badezimmer vor dem mannshohen Spiegel stand, als meine Mutter hereinkam (man konnte das Badezimmer leider nicht abschließen) und zu mir sagte: "Guck Dich doch mal genau an! Du siehst einfach nur lächerlich aus. Aus Dir helben Portion wird nie ein richtiger Mann!"

Ich litt als Jugendlicher sehr darunter, dass ich mit 14/15 eher wie 11 oder 12 aussah und auch sonst körperlich derartig spät in meiner Entwicklung war, dass ich mit 14/15 erst 145 cm groß war und nicht aussah, als wäre ich schon in der Pubertät.
Ich möchte Euch heute noch davon berichten,
was eigentlich geschieht, wenn eine Schulklasse einen einzelnen Schwächeren quält und welche Zwänge in einer solchen Klasse auftreten können, aber auch, wie es dazu kommt, dass sich junge Menschen sogar gegenseitig anfeuern, um einen Schwächeren fertigzumachen und sich an seinem Leid zu ergötzen.

Ich lese bis heute sehr viel darüber, warum junge Menschen so handeln.
Eines sollte Euch beim Lesen auf jeden Fall klar sein:
Das, was mir damals geschah, war kein Einzelschicksal, das hat es schon immer gegeben. In geradezu widerwärtiger Weise wurde ein solches Vorgehen in der damaligen Hitlerjugend praktiziert unter dem Vorwand, "aus Waschlappen" "stählerne Jungs" zu machen.
Im Jahr 2003 las ich in der Zeitung DIE ZEIT folgendes Zitat:
„Schule ist wie die Gesellschaft: Böse. „...das Böse kommt nicht aus böser Absicht, sondern als Ergebnis einer chemischen Reaktion, die einsetzt, wenn lauter Einzelne zur Gruppe, zur Gesellschaft werden und sich nun einen ausgucken, an dem sie ihre Gemeinsamkeit zeigen können, nämlich indem sie diesen ausschließen und zum Opfer machen.“
Wie dies in meiner Jugend ausgesehen hat in der besagten Schulklasse, das möchte ich Euch an einer kleinen Begebenheit schildern: 
Bei allem, was ich in dieser Klasse an Gewalt, Folter, Demütigung und Schlägen aushalten musste, gab es doch auch immer wieder Tage, Wochen und Monate, in denen man mich in Ruhe ließ, in denen man sogar ganz besonders freundlich zu mir war, ja mich sogar zu Unternehmungen einlud.
Und ich in meiner grenzenlosen Sehnsucht nach etwas Liebe und Zuwendung fiel immer wieder darauf herein.
Wie ich heute aufgrund von vielen Gesprächen weiß, war das volle Absicht: 
Man wollte, dass ich mich immer wieder erholte, um mich dann bei passender Gelegenheit umso mehr quälen zu können.
In einem Sommer, ich war damals 14 Jahre alt, holten mich nachmittags zwei Klassenkameraden zuhause mit dem Fahrrad ab, um mit mir zu einem Badesee zu radeln.
Dort angekommen, hätte ich schon stutzig werden müssen, denn es waren fast meine gesamte Klasse anwesend und dazu noch etliche andere Jugendliche und viele Kinder, die, wie ich heute weiß, extra zusammengetrommelt worden waren.
Nachdem der Nachmittag zunächst lustig begann, schrie plötzlich einer:
"Werner, zieh Dich doch mal nackt aus, wir wollen alle mal sehen, wie toll Du körperlich gebaut bist."
Als ich mich weigerte, wurde ich zwangsweise bis auf die Unterhose ausgezogen und ich stand zitternd in einem großen Kreis von Gesichtern, die mich voller Lust auf Demütigung anblickten.
Ein Anderer rief laut: "Der Pisser hat ja vorne gar keine Beule, das ist wohl ein Mädchen, los reißt ihm die Unterhose runter."
Das waren dann die Augenblicke, in denen ich am liebsten im Erdboden versunken wäre, besonders als dann, als ich ganz nackt war, das schallende Gelächter einsetzte. Ein Kind schrie: "Mein Bruder ist schon neun Jahre alt, aber der hat ja unten mehr als doppelt so viel wie Du!"
Dann folgte der schlimmste Teil:
Man verkündigte mir, da ich mich nicht freuwillig ausgezogen hätte, hätte ich jetzt eine Strafe verdient und ohnehin hätte ich als kleine Russensau mal wieder eine kräftige Abreibung verdient.
Die Schläge, die ich dann erhielt, waren nicht das Schlimmste, die Schmerzen waren bald vorüber und vergessen. Das, was sich mir einbrannte, war der Raub jeder Scham, jeder Intimität. Ich war der Klasse völlig ausgeliefert und jeder machte an dem Nachmittag mit mir, wozu er gerade Lust hatte, ein Entrinnen war nicht möglich.
Es gab zwar einige in der Klasse, die nicht aktiv mitmachten, aber das waren nur ganz wenige. Die meisten drängelten sich in der Gruppe geradezu dazu, mich zu quälen, zu schlagen, zu demütigen.
Die Phänomen trat aber bei den allermeisten nur in der Gruppe auf und niemals, wenn ich einzeln mit ihnen zu tun hatte.
Auch war ich sehr verwundert, wenn mich einer fertig machte und z.B., schlug und aufhören wollte, weil er merkte, dass ich schon ziemlich fertig war, dass ihn dann die Anderen immer wieder auf Neue anfeuerten, nicht nachzulassen und mich weiter fertigzumachen. Noch heute gellt mir der "Schlachtruf" in den Ohren:
"Hautze, hautze, hau ihm immer feste in die Schnauze."
Der Einzige - und das war sicher von Gott so gewollt - der in dieser Klasse zu mir hielt, war mein Jugendfreund Hans-Christoph. Aber aufgrund seiner schweren Asthmaerkrankung konnte er mich natürlich nicht beschützen. Nun könnte jemand fragen und sagen: "Werner, warum haben die Eltern von Hans-Christoph Dir nicht geholfen?"
 
Die Antwort ist eine sehr einfache:
Ich verbrachte sehr viel Zeit im Elternhaus meines Jugendfreundes. Seine Eltern waren bereit, mir zu helfen, aber in meinem verhuschten, verängstigten damaligen Zustand schnürte mir die Angst den Hals zu, ich könnte diesen Zufluchtsort verlieren, wenn sie einschreiten würden.
Wie ich aus vielen Gesprächen mit meiner Mutter weiß, mit der ich mich im Alter ausgesöhnt habe und der ich nichts mehr nachtrage, war diese Angst sehr berechtigt.
Und so entsprachen sie damals meinem Wunsch und unternahmen nichs.

Die alten Schatten von damals berühren mein heutiges Leben nicht mehr.
Manchmal weine ich über das damalige Kind, das das alles erleiden musste, weil es mir leid tut und das motiviert mich dann umso stärker, mich dafür zu engagieren, dass Kinder nicht sexuell missbraucht werden und nicht das Opfer von Gewalt werden.
Aber die Saat der Freude, der Liebe und der Versöhnung, die damals meine erste kleine Freundin Gesine, mein Jugendfreund Hans-Christoph und meine Oma in mich hineinsäten, ist aufgegangen.
Gesiegt haben NICHT die, die mich folterten, schlugen und demütigten,
gewonnen haben die SCHWACHEN wie Hans-Christoph, der in seiner körperlichen Schwachheit mir das schönste Geschenk meines Lebens machte, indem er Freude in mein Herz goß und mich Versöhnung lehrte und mich dazu brachte, mein Licht leucten zu lassen im Dunkel der Welt in der Gewissheit, dass alle Finsternis der Welt mein kleines Licht nicht auslöschen kann. Ihm widme ich das folgende Lied von Tina Turner: Simply The Best!

Über die Schulklasse und über Hans-Christoph könnt Ihr sehr viel in dem Buch DAS ESESLSKIND lesen und darüber wie aus Schrecken Freude, aus Hass Versöhnung, aus Demütigung Liebe wurde.
Deshalb möchte ich meine Ausführungen heute Abend beenden mit einem meiner Lieblingslieder, mit Gabriellas Song
Seid ganz lieb gegrüßt von Eurem alten, versöhnlichen, fröhlichen Werner, der viel Liebe und Freude in sich spürt

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