Tag der Brezel – National Pretzel Day in den USA

Dass unsere amerikanischen Nachbarn ja durchaus ein Faible für Ehrentage zum Thema Essen und Snacks haben, bestätigt auch der heutige 26. April, an dem in den Vereinigten Staaten der Tag der Brezel (engl. National Pretzel Day) gefeiert wird. Passt also ganz hervorragend in die Reihe thematisch ähnlicher Artikel auf den kuriosen Feiertagen. Beispiele gefällig? Kein Problem: Tag der Tortilla-Chips – der amerikanische National Tortilla Chip Day (24. Februar), dem Tag der Käse Flips – der amerikanische Cheese Doodle Day (5. März), dem Tag des scharfen Essens – National Hot and Spicy Food Day (19. August), dem Tag der Waffel – National Waffle Day (24. August) und dem Tag des Cheeseburger – der amerikanische National Cheeseburger Day (18. September). Um was also geht es bei diesem Ehrentag des Gebäcks mit dem symmetrisch verschlungenen Teigstrang?

Kuriose Feiertage - 26. April - Tag der Brezel - National Pretzel Day in den USA - (c) Sven Giese www.kuriose-feiertage.de

Eine kurze Geschichte der Brezel

Da mal wieder völlig unklar ist, von wem dieser kuriose Feiertag ins Leben gerufen wurde, seit er begangen wird und warum er ausgerechnet auf den 26. April fällt, halte ich mich an dieser Stelle lieber an die bekannten Fakten zur Brezel. Zuvor jedoch sei noch die kurze Anmerkung in eigener Sache gestattet: Eigentlich wäre aufgrund der Ähnlichkeit der Form der 8. August ein passenderes Datum. Wie dem auch sei, die unbekannten Initiatoren scheinen diesbezüglich anderer Meinung gewesen zu sein und es soll ja hier auch in erster Linie um die Brezel gehen. In diesem Sinne also wieder zurück zu den Fakten: Die Brezel als Laugengebäck ist ursprünglich vor allem in Süddeutschland und Österreich verbreitet und entsprechend unter eine Reihe von Namensvariationen und Schreibweisen bekannt: u.a. Bretzel, Brezl, Breze, in Bayern und Österreich aus als Brezn, im Badischen häufig auch Bretschl. Alle diese Varianten gehen dabei auf den lateinischen Begriff brachium (dt. der Arm) zurück und beziehen sich insofern immer auf die Form, mit der das Aussehen von übereinander verschränkten Armen dargestellt wird. Die erklärt dann auch, weshalb die Brezel zu den Gebildbroten gezählt wird, also Backwerk in Form figürlicher Darstellungen oder filigranen Teigflechtungen, das entweder zu religiösen oder traditionell feierlichen Anlässen hergestellt bzw. verzehrt wird. Wie so häufig im Falle von Gebildebroten ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden um ihre Entstehung bzw. Formgebung.

Kuriose Feiertage - 26. April - Tag der Brezel - National Pretzel Day in den USA - Wappen der Bäckerzunft (c) Sven Giese www.kuriose-feiertage.de

Der ungeklärte Ursprung einer Backware und ihrer Form

So auch im Falle der Brezel, deren eigentlicher Ursprung nach wie vor unklar ist. Während man heute davon ausgeht, dass ihre Entstehung auf ein Verbot heidnischer Backwaren durch das christliche Konzil von Leptinä im Jahr 743 n.Chr. zurückgeht und die Brezel als Ersatz für z. B. Sonnenräder „erfunden“ wurde, berichten diverse regionale Legenden, dass das Backwerk von einem Bäcker aus Süddeutschland erfunden wurde. Dieser war aufgrund eines Frevels von seinem Landsherrn zum Tode verurteilt worden. Da der Bäcker dem Adeligen aber bis zu diesem Zeitpunkt stets gute Dienste geleistet hatte, erhielt er die Chance seiner finalen Bestrafung zu entgehen, falls er einen Kuchen backen könne, durch den die Sonne 3x scheinen konnte. Dies führte schließlich zu der charakteristischen Form der Brezel, die seit dem 14. Jahrhundert auch als Zunftzeichen der Bäcker fungiert. Zur Herstellung der Brezeln, dem sogenannten Schlingen, wird eine spezielle Wurftechnik angewendet (siehe folgendes Video), die bei einem geübten Bäcker nur knapp eine Sekunde dauert, demgegenüber aber häufig jahrelanges Training voraussetzt. Wir halten fest, auch das Schlingen einer perfekten Brezel will – trotz maschineller Alternativen – auch heute noch gut gelernt sein. :)

Wie man ein regionales Laugengebäck markenrechtlich schützt

Da sich die Brezel als sogenannte Pretzel in den Vereinigten Staaten als deutscher Kulturimport immenser Beliebtheit erfreut und dort u.a. von der 1988 in Lancaster gegründete Fast Food-Kette Auntie Anne’s erfolgreich im großen Stil vertrieben wird. Da man in Bayern aber scheinbar einigen Wert auf den markenrechtlichen Schutz regionaler Backwaren legt, hat man unter Federführung der CSU-Europagruppe durch die Europäische Kommission per Durchführungsverordnung Nr. 161/2014 am 21. Februar 2014 die Bayrische Brezn zu einer sogenannten Geschützen Angabe erhoben, um so Imitate wie die US-Version der Bretzen zu verhindern. Auf Drängen des deutschen Bundesjustizministeriums fallen unter diesen Schutz auch die Schreibweisen Bayerische Brezen, Bayerische Brenzel und Bayerische Brez’n. Wahrlich kurios, sonderlich beeindruckt scheinen unsere amerikanischen Nachbarn davon allerdings nicht, denn sonst würden sie ja am heutigen 26. April nicht den Tag der Brezel – National Pretzel Day feiern.

Weitere Informationen zum Tag der Brezel

  • Wikipedia-Eintrag zu Brezel (deutsch)
  • Herstellung von Laugengebäcken – Publikation für das Backgewerbe von MeisterMarken – Ulmer Spatz (PDF-Dokument) (deutsch)
  • Ausführliche Darstellung der Geschichte der Brezel (deutsch)

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