Studie: Zusammenhang zwischen Bildung und Straffälligkeit

2009: 416 Morde, 13.415 mal Raub und Erpressungen, 318.307 Diebstähle. Alles verhinderbare Straftaten, behauptet eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, wenn Jugendliche einen Hauptschulabschluss hätte. 1,4 Milliarden Euro hätten Bund und Länder damit gespart. Klingt gut. Aber sind derartige Studien zu Kausalität und Korrelation im Zusammenhang mit Bildung eigentlich zulässig? Oder gleichen sie dem ratlosen Blick in eine Glaskugel mit anschließendem Sortieren von Fakten, Daten, Zahlen – mit dem vom Auftraggeber der Untersuchung gewünschten Ergebnis? Und was wird da eigentlich hergestellt? Kausalität, wo Korrelation gegeben ist?

Ob ein Mensch kriminell wird, hat bekanntlich mehr Ursachen als ein fehlender Schulabschluss. Gründe für das Gleiten auf die schiefe Bahn finden sich vor allem im Elternhaus. Vorstrafen eines Elternteils schaffen, glaubt man einschlägigen Statistiken, ein 23,3 Prozent höheres Risiko, selbst straffällig zu werden. Alkoholiker- und Scheidungskinder sowie jugendliche Gewaltopfer erhöhen die Zahlen weiter. Was allerdings ist hier Ursache und was Wirkung im Hinblick auf spätere Straffälligkeit? Allerdings muss zugestanden werden, dass die Studie der Bertelsmann-Stiftung lediglich auf die Folgen fehlender Bildung abzielte. Befragt wurden 1.771 Gefängnisinsassen, daneben werteten die Wissenschaftler regionalen Kriminalitäts- und Strafverfolgungsstatistiken aus den alten Bundesländern mit Ausnahme von Berlin aus.

Aus den empirisch nicht infrage zu stellenden Ergebnissen, wonach Kriminelle eher untergebildet sind, werden jedoch gewagte Schlüsse gezogen, wenn man Rechnungen wie die obige anstellt. Mehr noch, die Studie wertet einen Mord mit 2,14 Millionen Euro, ein Raub “kostet” 10.700 Euro, ein Diebstahl 1.200 Euro. Eine Frage bleibt: Was kostet ein Hauptschulabschluss?