Stefan Heym – "Gesammelte Erzählungen"

Stefan Heym – Gesammelte Erzählungen

Dieses Buch sammelt Erzählungen von Stefan Heym aus den Jahren 1933 bis 1983. Einige davon sind erstmalig (in Deutsch) veröffentlicht; andere – wie “Die Schmähschrift oder Königin gegen Defoe” wurden bereits veröffentlicht und haben eine eigene Geschichte entwickelt. (Zu der genannten vergleiche man Heyms Bericht aus seinen Erinnerungen; die Staatssicherheit hat sich tatsächlich die Mühe gemacht, nachzuforschen, ob die Figuren existierten, über die Heym schreibt. Nur, um nachzuweisen, dass diese Erzählung über den staatlichen Versuch (im England des Jahres 1702), einen Dichter mundtot zu machen ein Bericht über die Zustände in der DDR sind.)

Jahrelang lagen diese Kisten und Kartons erst im Keller des Hauses, dann unterm Dach auf dem Boden. Der Staub sammele sich auf ihnen und die Spinnweben…

Aus diesem Fundus habe ich für den vorliegenden Band … einiges ausgewählt…; auch anderes, das bisher nur in amerikanischer Sprache gedruckt war, wurde übersetzt und beigegeben, so daß nun ein Buch entstanden ist, das über fünfzig Jahre eines Erzählers und über die Zeit, in der diese Arbeit getan wurde, und über das Leben des Mannes, der die Arbeit tat, eine gewisse Auskunft gibt. Aus dem Nachwort von Stefan Heym – Seite 381

Das macht diese Sammlung so spannend: dass sie vom Autor selbst zusammengestellt wurde. Denn es lässt sich so gut erkennen, wie er – also seine Schreibe – sich entwickelte und was ihm an Ende eines langen Lebens wichtig erscheint.

Die ersten Erzählungen aus Heym’s Prager Jahren zeugen noch von seiner Schulung an den spätbürgerlichen, deutschsprachigen Erzählern. Es erinnert ein wenig an Feuchtwanger, Thomas Mann, Kafka und vor allem an Stefan Zweig. Schon diese frühen Erzählungen weisen einige der Merkmale auf, für die ich Stefan Heyms Bücher sehr schätze: sie sind humorvoll und weise.

Die Jahre in den USA politisieren Heym ganz offensichtlich. Die Texte greifen nun andere Themen auf: den Krieg in China, in der die USA eine unrühmliche Rolle spielten, die McCarthy-Zeit und – besonders herauszuheben! – die Erzählung “Der Floh“, in der sich Heym mit der Verantwortung des Naturwissenschaftlers auseinandersetzt. In der Erzählung berichtet Heym über einen Bakteriologen, der an biologischen Waffen forscht und sich dann durch einen Zufall seiner Verantwortung für diese Arbeit stellen muss. Und versagt.

Die Erzählungen aus Berlin (1952 bis 1983) zeigen Heym dann als nicht nur politischer, linker (kommunistischer?) Schriftsteller, sondern auch als großen Zweifler. Das ist es ja, was ihn mir so sympathisch macht: er steht immer zu seinen Überzeugungen, immer zu seinen “linken” Gedanken und aber auch immer zu seiner Kritik am herrschenden System das für ihn nur entfernt etwas mit den Ideen zu tun hat, die den Beginn der “Neuen Zeit” begleitet haben. (So und nur so ist auch Heym’s bereits geschilderter Enthusiasmus und spätere Enttäuschung zu verstehen, die sich an dem Geist der Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz zeigt. Dieses Datum ist für Heym (wie auch für mich) mit großen Hoffnungen verbunden gewesen. Und zeigte sich dann als historisches ereignisloses Ereignis.

Doch von diesen Enttäuschungen ist (natürlich) im Jahr 1983 noch nichts zu sehen. Hier bestimmt noch der “real existierende Sozialismus” und seine Auswirkungen auf das Volk und ihn, dem Schriftsteller, der frei seine Meinung sagen will, das Geschehen.

Typisch für ihn, für seine Denk- und Schreibweise ist “Mein Richard” – eine Erzählung, die vermutlich zuvor nicht veröffentlicht wurde. Berichtet sie doch von einem Gerichtsverfahren gegen zwei Jugendliche in der DDR, die eine Möglichkeit gefunden hatten, die Mauer unentdeckt zu überqueren und so 14 mal im Westberliner Kino waren. Die Jungs werden zu Höchststrafen verurteilt. So weit, so schlecht. Das könnte auch auf der letzten Seite der Wochenpost, die dem Gerichtsreporter reserviert war, gestanden haben. Bei Heym jedoch endet das dann so:


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