Stecker-Solaranlage für Balkon und Garten

Um eine eigene Photovoltaikanlage betreiben zu können, ist es nicht länger notwendig, ein eigenes Dach zu besitzen. Hinter den Begriffen Plug & Play Solaranlage, Balkonkraftwerk oder Guerilla-PV, stecken steckerfertige Solaranlagen, welche selbst Laien ohne Genehmigung anbringen können. Die kleinen Photovoltaikanlagen passen in den Vorgarten, auf den Balkon oder die Terrasse. Somit steht auch Mietern und Eigentümern von Wohnungen eine Möglichkeit zur Verfügung, eigenen Strom zu generieren und die Umwelt zu schonen.

Aufbau einer Mini-Solaranlage

Vater und Sohn bauen eine Solaranlage aufPrivatpersonen können Stecker-Solargeräte selbst anbringen.

Im Gegensatz zu klassischen Photovoltaikanlagen sind die wesentlich kleineren Stecker-Solargeräte dafür gedacht, dass Privatpersonen sie selbst anbringen, anschließen und direkt nutzen können. Die Mini-Solaranlagen lassen sich auch einfach entfernen und zum Beispiel bei einem Umzug woanders verwenden. Stecker-Solargeräte haben zumeist eine Leistung von 300 bis 600 Watt. Über ein Kabel lässt sich die Anlage mit einer Steckdose in der Wohnung oder auf dem Balkon verbinden. Geräte, die an das Stromnetz des Haushalts angeschlossen sind, nutzen nun vorrangig den eingespeisten Solarstrom.

Optimale Ausrichtung für maximalen Ertrag

Ein weiterer Vorteil der kleinen PV-Anlagen liegt in der freien Wahl der Lage und Ausrichtung. Bevor Sie Ihre Stecker-Solaranlagen anbringen, sollten Sie sich mit der Verschattung vor Ort vertraut machen. Es sollte ein Platz gewählt werden, der im gesamten Tagesverlauf möglichst unverschattet ist. Im Anschluss können potenzielle Standorte nach geografischer Ausrichtung überprüft werden. Eine südliche Ausrichtung bringt den höchsten Ertrag, da im Tagesverlauf die meisten Sonnenstrahlen aufgenommen werden können. Es wird mehr Strom produziert, wenn das Modul nicht vertikal an der Wand oder am Balkongeländer befestigt ist, sondern schräg auf einem Gestell liegt. Zur Befestigung der Anlage ist oftmals ein Dreiecksgestell im Lieferumfang enthalten.

Bei Südausrichtung bringt in Deutschland eine Neigung von 30 bis 35 Grad den höchsten Ertrag. Je weiter die Ausrichtung der Anlage von Süden abweicht, desto vorteilhafter sind kleinere Neigungswinkel der Module. Ost-West Anlagen können so vor allem bei einer Neigung zwischen 0 und 20 Grad hohe Erträge erzielen. Eine Nordausrichtung sollten Sie unbedingt vermeiden, da die Module im Tagesverlauf nachweislich weniger Sonnenlicht aufnehmen können.

Ab einer Neigung über 12 Grad gelten die Anlagen als „selbstreinigend“, da der Regen Verschmutzungen durch Pollen, Staub und Vogelkot größtenteils beseitigt. Eine regelmäßige manuelle Reinigung, welche die Erträge erhält, ersetzt die Neigung natürlich nicht.

Wirtschaftlichkeit von Stecker-Solaranlagen

Stecker-Solaranlagen sind primär für den Eigenverbrauch konzipiert. Es ist zwar prinzipiell möglich, Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen, ergibt allerdings wirtschaftlich kaum Sinn. Die Einspeisevergütung für Solarstrom beträgt aktuell rund 7 Cent pro kWh. Im Vergleich dazu liegt der durchschnittliche Strompreis derzeit bei knapp 36 Cent pro kWh.

Die Verbraucherzentrale schätzt bei einer maximalen Leistung von 300 Watt unter idealen Bedingungen etwa 200 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Diese Strommenge entspricht etwa dem jährlichen Verbrauch eines Kühlschranks und einer Waschmaschine in einem 2-Personen-Haushalt oder einem Ersparnis von 72 Euro.

Mini-Solaranlagen starten bei etwa 500 Euro. Es dauert demnach knapp 7 Jahre, bis sich die Anschaffung amortisiert. Dabei können Solarmodule 20 Jahre und länger Strom produzieren. In dieser Zeit werden etwa 2,5 Tonnen CO₂-Ausstoß eingespart.

Auch wenn es keine bundesweite Förderung für Balkonkraftwerke gibt, lohnt sich ein Blick auf die Internetseite Ihrer Stadt bzw. Gemeinde. Denn immer mehr Kommunen zahlen Zuschüsse im Rahmen regionaler Solarförderprogrammen. Zum Beispiel fördert die Stadt Braunschweig steckerfertige PV-Anlagen zwischen 250 und 600 Watt Leistung mit bis zu 400 Euro. Informieren Sie sich frühzeitig, denn oftmals müssen Anträge vor dem Abschluss des Kaufvertrages gestellt werden.

Rechtliche Anforderungen

Vor der Installation einer Stecker-Solaranlage benötigen Sie keine behördliche Genehmigung. Sollten Sie jedoch die Anlage an die Balkonbrüstung oder eine Hauswand anbringen, bedarf es der Zustimmung des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft.

Nach der Montage muss man dem Netzbetreiber sowie der Bundesnetzagentur die Inbetriebnahme des Solargerätes mitteilen. Ohne Anmeldung im Marktstammdatenregister kann ein Bußgeld drohen. Die Anmeldung dürfen Sie in der Regel selbst vornehmen. Erst bei einer Leistung über 600 Watt muss ein Elektriker herangezogen werden. Viele Stromversorger stellen für die Mitteilung bereits Formulare auf ihren Webseiten bereit.

Auch wenn eine Netzeinspeisung kaum Erträge liefert, kann Strom ins Netz fließen. Sollten Sie einen alten Stromzähler besitzen, muss dieser gegebenenfalls ausgetauscht werden. Herkömmliche Stromzähler mit mechanischen Drehscheiben können bei Stromeinspeisung rückwärts laufen und manipulieren die technische Aufzeichnung des Stromverbrauchs. Tauscht der Netzbetreiber Ihren alten Zähler gegen eine moderne Messeinrichtung aus, darf er dafür keine Kosten in Rechnung stellen.


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