Stasikinder - Mein Vater war beim MfS

In der Dokumentation "Stasikinder" erzählen zwei Frauen und drei Männer, wie es war, mit einem Vater aufzuwachsen, der im Dienste Erich Mielkes stand: was sie von seiner Arbeit wussten oder ahnten, wie sich das auf das Familienleben auswirkte und welche Spuren die Erlebnisse von damals in ihrer Biografie hinterlassen haben.
So lautet der Eingangstext zu einer MDR- Dokumentation zum Titelthema.
Wieder einmal haben wir es mit einer Dokumentation zu tun, die nicht der sachlichen Aufarbeitung dient.
Allein schon dieser Einleitungstext verrät, wohin die "Reise" gehen soll. Erich Mielke war ein Betonkopf an der Spitze des MfS; er war aber nicht das MfS. Mielke war als Minister mächtig, zu mächtig, aber er war garantiert keine biblische Allmacht. Das konnte er schon aus dem einfachen Grund heraus nicht sein, weil die Strippen, an denen Mielke hing, im Politbüro (dessen Mitglied auch Mielke war) und vor allem von der Besatzungsmacht in Moskau gezogen wurden. Hierbei auf Mielke personifizieren zu wollen, lenkt von den Tatsachen ab.
"Mein Vater ist beim MdI" – so sollten die Kinder antworten, wenn sie nach der Arbeit ihrer Eltern gefragt wurden. "MdI", das steht für "Ministerium des Innern". In Wirklichkeit aber war es das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, in dem ihre Väter arbeiteten. Hauptamtlich, mit lebenslang gültigem Eid und der Verpflichtung zu strikter Geheimhaltung. So strikt, dass die Mitarbeiter auch zu Hause nicht über ihre Arbeit sprechen durften – und ihre Kinder zu einer Lüge anhielten.
Worin unterscheiden sich diese Praktiken von den Praktiken sämtlicher Geheimdienste der Welt?
In nichts! So einfach ist das.
Wer hier anklagen will, sollte seine diesbezügliche Anklage nicht allein gegen die Stasi richten, denn die ist Vergangenheit. Schnee von gestern. Wer zudem glaubwürdig sein will, sollte die Anklage gegen die derzeitigen Dienste richten oder mindestens diese Stasi- Anklage entsprechend erweitern.
Der BND, der Verfassungsschutz und der MAD verfahren genauso. Die Antwort dafür befindet sich bereits im Wort Geheimdienst.
Martin leidet schon als Kind unter der Strenge und den Schlägen seines Vaters, einem Abteilungsleiter der Hauptabteilung II: Spionageabwehr. Schon ein harmloser Fußballwimpel aus dem Westen bringt den Offizier in Rage. Martin duckt sich, versucht es dem übermächtigen Vater recht zu machen. Doch irgendwann ist seine Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben zu groß. Als er sich der oppositionellen Friedensbewegung anschließt und den Wehrdienst verweigern will, kommt es zum Bruch mit dem Vater. Beide gehen sich bis heute aus dem Weg.
Ein Familienschicksal, wie es sie allzu häufig gab und gibt. Und zwar überall auf der Welt.
Strenge und gewalttätige Väter bedingen keiner Tätigkeit in irgendeinem Geheimdienst.
Der Sohn eines BND- Offiziers hätte sich auch ohne weiteres keinen harmlosen Wimpel eines Ostklubs aufstellen können und hätte er sich der Friedensbewegung angeschlossen und den Wehrdienst verweigert, wäre es ebenso zum Bruch mit dem Vater gekommen. Würde man diesbezüglich nachforschen, würden sich garantiert auch entsprechende Beispiele finden.
Was also soll daran spezifisch für die Stasi gewesen sein? Mit Sachlichkeit hat das definitiv nichts zu tun.
Thomas Grimm und Ruth Hoffmann ist es gelungen, auch eine ganze Familie für diesen Film zu gewinnen: Vater Rolf Tröbner war Oberstleutnant der HVA. Seine Kinder Thomas, Lutz und Sabine bekommen ihn kaum zu sehen. Die Hauptlast der Erziehung trägt die Mutter. Auch sie weiß über die Arbeit ihres Mannes so gut wie nichts. Für die drei Geschwister ist das Leben mit dem Geheimnis normaler Kinderalltag.
Während Lutz und Sabine ihren Weg in der DDR gehen, fängt Thomas an zu zweifeln und stellt einen Ausreiseantrag. Der Vater wird deshalb zu Disziplinar-Gesprächen zitiert, denn das MfS duldet kein Abweichlertum in den eigenen Reihen.
Mitarbeiter und ihre Angehörigen stehen unter verschärfter Beobachtung durch die eigenen Genossen. Als Thomas bei einem Fluchtversuch verhaftet wird, erklärt der Vater schriftlich die Trennung von seinem Ältesten.
Ein Schicksal, wie es sie unter gleichen bzw. ähnlichen Voraussetzungen auch im Westen oder in anderen Ländern gegeben hat und gibt.
Es bleibt die Frage, ob mit dieser Doku wirkliche Aufklärung oder ideologisch motivierte Verklärung betrieben werden soll?
Derartige Zustände lediglich auf die Stasi begrenzen und nicht als Alltäglichkeiten im Umfeld aller Geheimdienste aufzeigen zu wollen, beantwortet diese Frage.
Durch eine derart einseitige und somit unsachliche Darstellung werden nicht nur die entsprechenden Schicksale im Westen ignoriert, sondern die Opfer geheimdienstlicher Tätigkeit - allgemein betrachtet - verhöhnt.

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