Stammlager Auschwitz I • Einrichtung und Entstehung

Auschwitz ist der deutsche Name der polnischen Kleinstadt Stadt Eingangstor Auschwitz I, die zwischen Kattowitz und Krakau liegt. Die Anbindung des Bahnhofs von ‚Auschwitz’ an den internationalen Schienenverkehr nach Norden war und ist über eine Strecke in die Richtungen Warschau und Breslau und dann weiter nach Berlin, nach Süden sind Prag, Budapest, Wien und Bratislava zu erreichen. Zwei Strecken führten in östlicher Richtung nach Krakau, von dort über Przemyśl weiter in die Ukraine. Also ein ‚strategisch guter’ Ort für Wirtschaft, Industrie oder wie hier für eins der größten Konzentrationslager des NS-Regimes. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie gehörte mal zu Deutschland, mal zu Österreich, mal zu Polen. Juden siedelten schon früh in Oświęcim. Die jüdische Gemeinde prägte über lange Zeit das Leben in der Stadt mit, häufig war sie federführend in fast allen Bereichen der Belange der Stadt. Dies war in polnischen, aber auch in ukrainischen Städten keine Seltenheit. Als Deutschland 1939 Polen angriff, war die Hälfte der Bevölkerung Oświęcim Juden.

Im Mai 1940 wurde in einem Vorort der Stadt Auschwitz ein Konzentrationslager für polnische politische Gefangene errichtet. Örtliche deutsche Polizeistellen hatten den Bau des Lagers angeregt, da die Kapazitäten der vorhandenen Gefängnisse zur Inhaftierung nicht mehr ausreichten. Für die Errichtung des Lagers auf einem ehemaligen Kasernengelände des österreichischen Militärs aus dem 19. Jahrhundert, das zuletzt von der polnischen Armee genutzt worden war, sollte ein ‚Umerziehungs-’ und Arbeitslager für zunächst 10 000 Häftlinge geschaffen werden. In der Anfangszeit wurden in den eingeschossigen Steingebäuden vor allem polnische Geiseln, Widerstandskämpfer und Angehörige der polnischen Intelligenz gefangen gehalten, die aus Sicht der Besatzer im Interesse der Herrschaftssicherung ermordet werden sollten, dies geschah dann auch unter dem vagen Namen der Auschwitz I KonzentrationslagerAB-Aktion, der sogenannten ‚Außerordentliche Befriedungsaktion’.

Als Lagerkommandant ernannte Heinrich Himmler den SS-Hauptsturmführer Rudolf Höß, der vorher schon Blockführer in Dachau und Schutzhaftlagerführer in Sachsenhausen war, ein Mann mit ‚Erfahrung’ und ‚Organisationstalent’. Der Komplex umfasste ein Gebiet von 40 Quadratkilometer und beinhaltete auch ein weitläufiges Sperrgebiet. Unter dem Lagerkommandanten, Rudolf Höß, begann Anfang des Jahres 1940 mit dem Aufbau des Lagers, später als Auschwitz I oder Stammlager bezeichnet. Die erste Ausbaustufe war für 7 000 Häftlinge geplant und bestand aus 28 zweistöckigen Backsteinbauten sowie hölzernen Nebengebäuden. Nach einem Besuch von Heinrich Himmler im Konzentrationslager Auschwitz im März 1941, wurde auf dessen Anordnung die Aufnahmekapazität des Lagers um weitere 20 000 Gefangene erhöht. Nach nur kurzer Zeit lag die durchschnittliche Belegstärke bei 18 000 Gefangenen. Das gesamte Areal war von einem doppelten starkstromgeladenen Stacheldrahtzaun umgeben. Über dem Eingangstor zum Lager stand als Hohn die Parole ‚ARBEIT MACHT FREI’. Da es in der Nähe Sand- und Kiesgruben gab, wurde der Standort auch als SS-Wirtschaftsbetrieb interessant. Durch Zwangsumsiedlung, besser gesagt durch Räumung, veranlasste Heinrich Himmler dafür eine Sicherheitszone von 20 Quadratkilometern von Polen frei zumachen, auf der ein landwirtschaftliches Mustergut für Zuchtvieh und Saatgut entstehen sollte. Die Pläne Himmlers für die Errichtung eigener Rüstungsbetriebe der SS stießen innerhalb des Machtapparates des NS-Regimes, aber vor allen Dingen der Wehrmacht, auf Widerspruch. Die SS übernahm aber Reparaturaufträge für die Wehrmacht und vermietete ‚ihre’ Häftlinge an Privatunternehmen, die sie als Zwangsarbeiter einsetzten, vor allen Dingen in den später errichteten sogenannten Außenlagern.

Die eingelieferten Häftlinge mussten in Block 26 ihre Privatsachen abgeben, sie wurden dann geschoren, geduscht, fotografiert und registriert; erst ab 1942 wurde ihnen (meistens) auf dem linken Unterarm eine Häftlingsnummer, bestehend aus einer sechsstelligen Zahl eintätowiert. Danach bekamen sie gestreifte Häftlingskleidung und Holzpantinen, wie das auch in anderen Konzentrationslagern üblich war. Die Häftlinge wurden dann mit entsprechenden Winkeln auf der Häftlingskleidung gekennzeichnet; roter Winkel stand für politischer Häftling, rosa Winkel für Homosexueller oder der sogenannte Judenstern für die jüdischen Häftlinge, jeder wurde kategorisiert. War solche Kategorisierung auch in den Konzentrationslagern in Deutschland üblich, so hatten sie im Stammlager Auschwitz eine ganz andere Qualität, hier war es ‚nur’ ein äußeres Erkennungsmerkmal, denn aus Sicht des Personals waren die Häftlinge völlig entmenschlicht, sie waren Nummern oder wie Rudolf Höß in seinen Erinnerungen schrieb ‚Einheiten’. Slawen waren in der NS-Terminologie sogenannte ‚Untermenschen’, die später eingelieferten jüdischen Menschen galten gar als nicht zur menschlichen Rasse dazugehörig, solche entmenschlichte Sichtweise förderte auch die Brutalität des Personals des Lagers, vom Wachmann, über die Ärzte bis zum Kommandanten. Unter den Inhaftierten war die Sterblichkeit sehr groß. Ursachen waren Unterernährung, mangelhafte Hygiene, Krankheiten, Schwerstarbeit und Misshandlungen, sowie grassierende Seuchenkrankheiten. Der Lagerkommandant errechnete die Lebensdauer eines Häftlings mit drei bis sechs Monaten; eine hohe Sterblichkeitsrate kann somit als gewollt angesehen werden. In der ersten Periode des Bestehens des Lagers, also von Juli 1940 bis März 1941 verstarben im Stammlager mindestens 2 500 Häftlinge.

Das Stammlager Auschwitz I diente auch als Hinrichtungsstätte.

Polnische Widerstandskämpfer, Geiseln und angebliche Saboteure aus Oberschlesien wurden dort von einem Standgericht der Gestapo unter Leitung zunächst von Rudolf Mildner, später dann von Johannes Thümmler verhört, verurteilt und Doppelter Zaun Auschwitzhingerichtet. Diese Opfer wurden nicht als Häftlinge registriert, so dass ihre Anzahl nicht aus den Unterlagen von Auschwitz zu ermitteln ist. Im November 1940 wurden erstmals 40 polnische politische Häftlinge in einer Kiesgrube nahe dem Lager erschossen. Ende Juli 1941 wurden im Rahmen der ‚Aktion 14f13’, der Häftlingseuthanasie, etwa 570 Häftlinge aus Auschwitz in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein verbracht und dort mit Kohlenstoffmonoxid vergast. Ebenso im Juli 1941 wurden mehrere Hundert sowjetischer Kriegsgefangene in einer Kiesgrube erschlagen, beziehungsweise erschossen. Am 11. November 1941 wurden 151 Häftlinge an einem eigens eingerichteten ‚Schussfang’ bei Block 11, gleich neben dem sogenannten Bunker, durch Genickschüsse hingerichtet. Im Block 11 befand sich ein Lagergefängnis. Im Keller des ‚Bunkers’ befanden sich vier Stehzellen ohne Lichteinlass, deren Grundfläche kaum einen Quadratmeter maß. Stehbunker war eine Bestrafung für sogenannte Lagervergehen, hier stand der Willkür des Personals Tür und Tor offen. So suchten Lagerkommandant Rudolf Höß und SS-Hauptsturmführer Karl Fritzsch erstmals am 23. April 1941 zehn Geiseln unter den Häftlingen des Apell im Stammlager Auschwitz ZeichnungBlocks 2 aus und verurteilten sie zum Hungertod im Bunker, Begründung war die Flucht eines Häftlings, das zu dieser Bestrafungsaktion herangeführt wurde. Zwischen den Blöcken 11 und 10 befand sich die Schwarze Wand, an der Häftlinge hingerichtet wurden. Sie mussten sich zuvor ausziehen, dann wurden Häftlingsnummer, Namen und Geburtsdatum aufgeschrieben und die SS-Männer schossen ihnen in den Hinterkopf.

In fünf verschiedenen Blöcken des Stammlagers etablierten sich die Krankenbaracken, diese waren weniger für die Gesundung kranker Häftlinge errichtet worden, sondern dienten den perversen Menschenversuchen der ‚Ärzte’ von Auschwitz, zu den bekanntesten gehörten Prof. Carl Clauberg, Dr. Horst Schumann und später Dr. Joseph Mengele.

Wegen der hohen Todesrate in Auschwitz I gab es auch gleich ein Krematorium, um das ‚beschwerliche’ Vergraben der Leichen zu ‚erleichtern’.  

Zusätzlich gab es Unterkünfte für das Wachpersonal, Kantinen und Krankenstationen. Doch lebten viele außerhalb des Lagers, im Ort Auschwitz selbst, dass bereits nach vier Wochen nach der Errichtung des Stammlagers ‚judenfrei’ war und auch fast kaum noch Raum bot für die ansässige polnische Bevölkerung. Es entstand ein ‚NS-Musterstädtchen’ mit Kirche, Kindergärten, Schulen und ziviler Verwaltung; die Verwaltung des Lagers war innerhalb des Stammlagers angesiedelt. In der SS-Siedlung gab es ein Kaffeehaus, ein Schwimmbad, eine Bibliothek, Kindergärten, Schulen und verschiedene Veranstaltungen zur Unterhaltung der deutschen SS-Familien. Etwas außerhalb dieser deutschen ‚Idylle’ gab es auch ein Bordell für die kasernierten Wachmannschaften. Auschwitz I StammlagerIm Haushalt der Familien arbeiteten nicht selten Häftlinge des Lagers als Gärtner oder Dienstboten. Höhere Dienstgrade der im Stammlager tätigen SS requirierten sich Villen in und um Auschwitz. Ungeachtet der Grausamkeiten innerhalb des Stammlagers führten die Täter in Auschwitz ein geradezu gespenstisch normales Leben: Das Personal, die Ärzte, die Kommandanten und SS-Bewacher gingen nach ihrer Schicht nach Hause zu ihren Familien, um Abendbrot zu essen, mit den Kindern zu spielen oder sich eine angenehme Freizeit zu gestalten.

Die Anfänge für das größte Lager des NS-Regimes waren mit der Errichtung des Stammlagers Auschwitz I gemacht…

Weiterlesen:

➼ Die Anfänge des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau

➼ Die ‚AB-Aktion’ der SS • Massenmord an Polen

➼ Die Häftlings-Euthanasie • Die Aktion 14 f 13

➼ Orte der Erinnerung • Tötungsanstalt Sonnenstein in Pirna

darüber hinaus:

➼ Schwester Maria · Der Engel von Auschwitz

Bild 1-3: Stammlager Auschwitz I – Quelle: wikimedia.org · Bild 4: Apell (Zeinung) – Quelle: Kiga-berlin.org · Bild 5: Auschwitz I – Quelle: wikimedia.org


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