Spinnen

Die Tage sind still. Zu still vielleicht für mein Gehirn. Mangels anderer Beschäftigung fängt es an zu spinnen. Hauchzarte, komplexe Gespinste von hinreissender Schönheit. Den ganzen Raum, in dem ich mich bewege, umwebt mein Hirn damit, alles sieht dank ihnen weicher, fantastischer aus. Zumindest im sanften Licht des Mondes, oder bei Sonnenaufgang, wenn die Tautropfen, die sich auf den Gespinsten niedergelassen haben, verführerisch glitzern. Erst der helle Tag macht sichtbar, was das Gehirn tatsächlich geschaffen hat: Dünne Fäden, die bei der leichtesten Berührung durch das wahre Leben reissen und danach unangenehm  kleben bleiben, an den Fingern, in den Augenwimpern, im Haar. 

So schön sie bei rechtem Licht betrachtet auch sein mögen, sie sind eben doch nichts weiter als Hirngespinste. 

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