Spiele-Helden

Helden in Spielen. Es sind die Charaktere, welche wir während unserer virtuellen Abenteuer übernehmen und deren meist ganz persönliche Geschichte wir miterleben dürfen. In den letzten Jahren sind diese immer wichtiger geworden, denn wir als Spieler bekommen ihre Gefühle und Schicksale auf eine Art und Weise mit, wie sie vor mehreren Jahren so noch nicht üblich war.

Charaktere wie Sam Fisher, Ezio Auditore oder Nico Bellic gehören zu dieser Generation Spiele-Helden, welche ihren Gefühlen freien Lauf lassen und nicht so abgestumpft wie eine Lara Croft oder ein Duke sind. Diese Entscheidung, Charakteren mehr Persönlichkeit in Spielen zu geben, welche vor ein paar Jahren getroffen wurde und sich immer mehr durchgesetzt hat, hat den Spielen wohl sehr gut getan. Sie sind einfach menschlicher geworden und dadurch kann sich ein Spieler besser in ihre meist knifflige Lage hinein versetzen.
Ich denke da zum Beispiel gerne an den Charakter Alex aus Half Life 2. Diesen Charakter spielt man vielleicht nicht selbst, aber durch die Augen von Dr. Gordon Freeman erlebt man mit, wie sie mal glücklich, mal traurig und mal total am Boden zerstört oder entsetzt ist. Das schafft im Spiel eine wahnsinnige Atmosphäre und zeigt dem Spieler, dass dieser virtuelle und fiktive Charakter tatsächlich auch nur ein Mensch ist und irgendwann an seine Grenzen stößt.
Natürlich heißt das nicht, dass ein cooler und abgebrühter Held wie Krieg aus Darksiders einen schlechteren Helden als ein Isaac Clarke aus Dead Space abgibt. Ich glaube, dass es da auch auf das Genre und die Atmosphäre ankommt, die das Entwicklerteam schaffen will. Einen lässigen Helden zu spielen, der immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat, kann genauso interessant sein wie ein Held, der eben auch mal zeigt, dass er Angst hat oder Trauer empfindet.
Helden sind glaube ich auch ein wichtiger Punkt, wenn es darum geht ein Spiel zu vermarkten. Sie sind ein wichtiges Merkmal für Spiele-Reihen. Ich glaube, dass Spieler eher zu einer Fortsetzung greifen, wenn man den Charakter aus dem Vorgänger spielt und kennt, als wenn man die neue Geschichte aus dem Blickwinkel einer anderen, für einen noch unbekannten Person spielt.
Ein interessantes Beispiel dafür dürfte Assassin’s Creed 2 sein. Auch wenn man nicht mehr in die Rolle von Altair schlüpft, sondern in die von Ezio Auditore, so dreht sich die Geschichte immer noch um Desmond Miles, welcher von der Organisation Abstergo Industries gejagt wird. Dadurch hat Ubisoft meiner Meinung nach einen guten Spagat geschafft.
Ungefähr das gleiche versucht BioWare in Dragon Age 2. Man kann zwar nicht seinen alten und persönlichen Helden aus den ersten Teil spielen, den man über mehrere Stunden hinweg gelevelt und begleitet hat, aber man kann seine Entscheidungen importieren, welche sich dann auf den neuen fest vorgegebenen Protagonisten Hawke auswirken.
Durch die zwei von mir genannten Beispiele schaffen es die Entwickler, den Spieler eine viel größere und zusammenhängende Geschichte zu erzählen, als das mit komplett neuen Charakteren der Fall wäre und sie schaffen es so, eine Verbindung zwischen den Teilen aufzubauen, die dem Spieler sonst fehlen würde. Außerdem können sie so das Szenario wechseln, ohne dass der Zusammenhang verloren geht.
Der einfachere Weg wäre natürlich den Helden und die Zeit, in der die neuen Abenteuer spielen, gleich zu lassen. Da wäre eine Verbindung zwischen den Teilen ganz automatisch vorhanden, aber es wäre wohl nicht so abwechslungsreich.
Übrigens könnte die von mir erwähnte abgebrühte Lara Croft bald der Vergangenheit angehören. Es ist ein kompletter Relaunch geplant. Dieser startet mit einer jungen Lara, welche gerade mit der Uni fertig geworden ist. Im neuen Teil soll sie wesentlich verletzlicher und ängstlicher herüber kommen. Die Screenshots, welche ich bisher gesehen habe, scheinen das zu bestätigen und so dürfte das neue Abenteuer von Lara Croft recht interessant und mal etwas anderes werden.
Insgesamt kann man wohl sagen, dass die Bedeutung von Spiele-Helden in den letzten Jahren stark zugenommen hat und das kann man wohl als einen richtigen Schritt sehen, den die Entwickler gegangen sind.

Welche Charaktere sind Eure Lieblinge und warum? Glaubt Ihr auch, dass diese Entwicklung eine richtige Entscheidung war? Schreibt es mir in die Comments!