Souvenirs, Souvenirs!

Souvenirs als Erinnerung

Souvenirs sind für mich ein absolutes MUSS! Wenn ich unterwegs bin, suche gern in lokalen kleinen Geschäften, auf Märkten etc. nach regional typischen Dingen, die ein Stück vom Alltag des jeweiligen Landes widerspiegeln und auch bei mir zu Hause nicht in einer Vitrine “ausgestellt” werden. Es muss sich in meinen Alltag eingliedern können und benutzt werden.

Prospekte, Flyer, Eintrittskarten und ähnliches landen doch, trotz guter Vorsätze, später ein Reisetagebuch zu basteln, mit böser Regelmäßigkeit im Papierkorb oder wenigstens in einem Karton. Also belaste ich mich damit immer weniger.

Woran ich aber selten vorbeikomme, ist Gebrauchskeramik – und die schleppe ich dann notgedrungen auch tapfer im Handgepäck von einer Reiseetappe zur nächsten mit! Im Folgenden ein paar Episoden über ganz besondere Souvenirs:

Taxi-Tour zu Geheimtipps

Auf Djerba war ich wieder dienstlich in einem Urlauber-Club. Auch hier gab es den schon für Ägypten beschriebenen ArtShop und im Februar/März 2010 hatte ich das große Glück, für volle 4 Wochen dort zu arbeiten. In Deutschland war gerade der tiefste Winter in vollem Gange. Sogar in Berlin lag der Schnee bergeweise.

Meine allererste Reise als Standby-Fliegerin auf Dienstreise ging also in die Wärme. Besonderes Highlight: Start und Landung im Cockpit von Tunis Air. Der Befehl lautete: “Nichts anfassen, nicht reden”! Aber klar doch! Wer will sich schon diese Gelegenheit durch vorlautes Geplapper verderben! Sicher geht das heute nicht mehr – also wieder eine der einmaligen Chancen, auf die ich immer noch mit Begeisterung zurückblicke.

Djerba, abseits der Hauptstraße (c) ReiseLeise

Djerba, abseits der Hauptstraße (c) ReiseLeise

Das erste Mal in Afrika! Was für ein Wechsel von Landschaft, Kultur und Lebensgefühl!. Das Licht ist anders, die Sonne und die Wärme ebenfalls.

Ich bin von Natur aus ziemlich neugierig auf andere Sprachen, Kulturen, Lebensgeschichten – also nutzte ich jede Möglichkeit, das Land, soweit es neben der Arbeit ging, kennen zu lernen.

Eine Möglichkeit: eine Taxi-Tour über die Insel. Der Club vermittelte zuverlässige, deutsch oder englisch sprechende Taxi-Fahrer, die für ca. 30€ eine individuelle Halb-Tages-Tour kreuz und quer über die Insel anboten. Die Route konnte frei gewählt werden und der geduldige Fahrer hielt bereitwillig an jeder halbwegs fotogenen Ecke. Genaueres berichte ich davon in einem gesonderten Blogbeitrag, hier geht es aber erst mal um Souvenirs.

Djerba hat viele kleine Keramik-Werkstätten, die für die Bevölkerung Gebrauchskeramik herstellen und sich natürlich auch freuen, wenn Touristen ihre wahrlich günstigen Waren kaufen. Mein netter Taxi-Fahrer steuerte, sicher nicht ganz zufällig, auch diese Ziele in der Nähe von Guelllala an:

Keramik-Werkstatt auf Djerba (c) ReiseLeise

Keramik-Werkstatt auf Djerba (c) ReiseLeise

Keramik-Werkstatt auf Djerba (c) ReiseLeise

Keramik-Werkstatt auf Djerba 

Romantisch sieht es auch in unseren Augen, aber eigentlich ist es ganz einfach das normale ländliche Leben, das hier sachte vor sich hintickt. Hier kennt man den Stress des europäischen Alltags noch nicht…

Der Taxi-Fahrer lud mich also ein, eine Werkstatt zu besuchen und mir die Arbeitsweise der Handwerker demonstrieren zu lassen. Ausdrücklich wies er darauf hin, dass ich nichts kaufen müsse. Das fand ich fair und ich hätte mich notfalls auch darauf berufen! Aber das war gar nicht nötig. Gemäß tunesischer Gastfreundschaft bekam ich zunächst den traditionellen Thé minthé – der schmeckt einfach herrlich erfrischend! Mein Taxi-Fahrer zog sich zurück auf eine Zigarette und einen weiteren Tee, während ich freundlich an die Drehscheibe gebeten wurde:

Handwerker in Guellala bei der Arbeit

Handwerker in Guellala bei der Arbeit

Keramik-Verkauf über zwei Etagen

Keramik-Verkauf über zwei Etagen

 

Zwei Frauen bemalten die fertigen Stücke mit teilweise sehr filigranen Mustern und in den schönsten Farben. Einfach toll, dabei zuzuschauen! Es kam wie es kommen musste und ich kaufte einige Stücke. Und für 9 Teile 15 € zu bezahlen ist wirklich nicht viel, für tunesische Verhältnisse aber doch schon ein gutes Einkommen. Es ist ein armes Land und die Menschen verdienen mühsam und trotzdem lächelnd und mit Leidenschaft für ihre Produkte ihr Geld. Schon ihre Gastfreundschaft verdient Wertschätzung!

Marktgefeilsche

Also daran musste ich mich wirklich gewöhnen! Rumzuhandeln ist nicht mein Ding, aber für arabische Menschen ist es DAS Ereignis, am Markttag zu palavern und zu handeln. Sie wollen gar nicht so teuer verkaufen, wie sie zunächst den Preis angeben. Es ist der Spaß am Gespräch, die Kommunikation -ein Spiel, das man nicht so bierernst nehmen muss. Wer trotzdem den ersten Preis bezahlt, verdirbt den Spaß und ist selber Schuld und hat es nicht besser  verdient!

Man sollte das einfach mal mitmachen! Ich hatte das unbedingte Ziel, eine Tajine zu erstehen – und zwar eine “echte”, die die Tunesier verwenden. Kein Topf aus dem Souvenirgeschäft, sondern so einen, wie ihn die Menschen auf Djerba benutzen.

Klingt bis dahin ja recht einfach. Steht man erst mal auf dem Markt, fangen die “Probleme” schon an: auf welchen der vielen Händler gehe ich zu? Alle rufen und preisen ihre Ware und einfach alles ist schön. Gut – wenn frau sich für einen von ihnen entschieden hat, geht es weiter. Es gibt kleine Mini-Tajinen für eine Person, aber auch die ganz großen, die wahrscheinlich eine zehnköpfige Familie mit einer großen Mahlzeit versorgen könnten. Ich erklärte also, ich wolle eine Tajine für 2-4 Personen, woraufhin mir der Verkäufer eine riesige Schüssel anbot. Europäische Portionsgrößen sind hier etwas weiter gefasst. Er meinte, vom Inhalt meiner gewünschten Tajine könnte gerade mal einer satt werden, aber er ließ sich dann doch überzeugen und erklärte die Kochmethode, die verschiedenen Dekore und ließ mich dann aussuchen.

Nächstes Problem! So viele wunderschöne Muster und Farben – aber ich hatte im Handgepäck nun mal begrenzt Platz. Also : 2 Tajinen, drei Schüsselchen, einen Teller – und wir beide waren glücklich, nachdem wir mit Spaß um den Preis debattiert hatten. Das Schimpfen, die Familie würde bei den Preisen verhungern, darf man nicht zu ernst nehmen, das gehört zum Spiel.

Tajine, Schüsseln mit Harissa, Ojja und  tunesischer Griessuppe

Wieder zu Hause: Tajine, Schüsseln mit Harissa, Ojja und tunesischer Griessuppe

Leuchtendes Erlebnis

Im Club in Ägypten gehörte die Anwesenheit von Handwerkern, die ihre Arbeit präsentierten, zum Abendprogramm. Schon am Nachmittag war das klingende Geräusch des Lampenschlägers zu hören – ein regelmäßiges Ping-Ping, mit dem er kleine Löcher und Ornamente ins Metall schlug. Daraus entstanden einfache, aber sehr schöne Lampen, die zwar keinen Arbeitsplatz ausleuchten können, aber dafür ein sehr spezielles, romantisches Licht zaubern.

Die Elektroinstallation war sehr, sehr abenteuerlich. Klar – funktioniert, aber in keiner Weise DIN-gerecht und das machte mir doch ein kleines bisschen Angst. Die Glühbirne baumelte ohne Fassung im Gehäuse, der Stecker war mehr oder weniger angetüddert und ohnehin kein Schukostecker. Aber die Lampen hatten mich so fasziniert, dass ich nach langem Aussuchen über mehrere Abende dann ein einigermaßen handgepäcktaugliches Exemplar fand und nach Hause brachte.

Mein erster Gang in Berlin führte mich aber zu meinem Atelier-Nachbarn, von Beruf Elektro- Fachmann, der mir das Ding auf europäische Sicherheitsstandards umbaute.

Und nun….. – leuchtet sie!

Ägyptische Lampe mit faszinierendem Lichtspiel

Ägyptische Lampe mit faszinierendem Lichtspiel

Schön, oder?

Kleines Souvenir-Fazit

Es lohnt sich, nach so schönen und herrlich unperfekten Souvenirs Ausschau zu halten. Man lernt dabei Menschen kennen, erfährt etwas über ihre Lebensweise und Alltags-Utensilien. Preiswerte Gebrauchskeramik ist eben für den täglichen Gebrauch bestimmt und deshalb oft mit kleinen Unregelmäßigkeiten, Fehlerchen oder Farbabweichungen behaftet – aber was bedeutet das schon für die Funktion des Objekts?

Die Menschen in den arabischen Ländern haben es nicht leicht, ihre Familien zu erleben. Damals nicht und heute nicht. Dauerhafte Arbeitsverträge gibt es kaum, sie werden nur in der Touristensaison bezahlt und müssen zusehen, wie sie über die Runden kommen. Da kann es schon lebenswichtig sein, am Strand ein paar Ketten zu verkaufen oder ein paar Früchte am Straßenrand oder eben an einem Markttag einen guten Schnitt zu machen. Das sollten wir nicht vergessen.

Das könnte unser individueller, kleiner Beitrag sein, den Menschen in ihrem eigenen Land Perspektiven auf ein gutes Einkommen zu geben.

Angebote, wie wir nicht annehmen wollen, können wir freundlich, aber bestimmt, ablehnen oder aggressiv zu werden. Ich weiß, es kann nerven, alle paar hundert Meter einem neuen Händler begegnen. Vielleicht hilft es auch, sich im Hotel ein paar arabische Wörter beibringen zu lassen:

Shoukran = Danke!
Afuan = Bitte!

… und ein paar andere. Letzten Endes unterscheiden wir Menschen uns gar nicht so sehr voneinander, egal, wo wir leben. Aber eins ist immer der Schlüssel für einen interessanten Umgang auf Augenhöhe miteinander:

RESPEKT !

 



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