Sonnenschutz – 5 Mythen wissenschaftlich betrachtet

Sonnenschutz

Was ist dran an all den Mythen rund um Sonnencremes? Stimmt es wirklich, dass Sonnschutzmittel mehr schaden als nützen? Heute betrachten wir fünf der am meisten verbreiteten Gerüchte mal von der wissenschaftlichen Seite.

Sonnencreme verursacht Vitamin-D-Mangel

Nein! Immer wieder wird behauptet, dass Sonnenschutz für Vitamin-D-Mangel verantwortlich ist. Aber was genau ist Vitamin D eigentlich und wie entsteht es? In unserer Oberhaut befindet sich das sogenannte 7-Dehydrocholesterin (ein Lipid). Dieses wird durch einen photochemischen Prozess unter der Einwirkung von UVB-Strahlung über Zwischenstufen zu Vitamin D3 metabolisiert. Erst in der Leber und Niere wird das zunächst inaktive Vitamin zum Vitamin-D-Hormon, welches nicht nur für unsere Knochen sondern auch für unser Immunsystem wichtig ist¹.

Daher kommt die Annahme, dass durch Verwendung von Sonnenschutzmitteln ein Mangel entstehen kann. Immerhin absorbieren die darin enthaltenen Filter die UV-Strahlung. Wichtig ist aber zu wissen, dass eine Sonnencreme mit SPF 50+ immer noch ca. 2 % jener Strahlung durchlässt weshalb es eben keinen hundertprozentigen Schutz gibt2.

Unter Laborbedingungen ist es zwar möglich die Vitamin-D-Synthese durch Sonnenschutzmittel zu verringern, aber in der Praxis ist das schlichtweg nicht machbar, da Menschen keinen perfekten Auftrag erreichen können3 – 5. Zumal die meisten Konsumenten gerade mal die Hälfte oder nur ein Viertel der benötigten Menge verwenden6. Man ist sich einig dass der kanzeropräventive Effekt von Sonnencremes höherwertig ist als die Senkung des Vitamin-D-Spiegels. Hinzu kommt, dass die natürliche Besonnung nicht geeignet ist um den Vitamin-D-Haushalt zu kontrollieren da die Bestrahlung nicht steuerbar ist (wie lange? wie viel? welche Körperpartien?)7

Es gibt keine gesicherten Beweise am Menschen, dass Sonnenschutz für Vitamin-D-Mangel verantwortlich ist, dafür aber etliche Studien die belegen dass Sonnenschutz das Hautkrebsrisiko minimiert.8 – 13

Wer sich um seinen Vitamin-D-Spiegel sorgt, sollte einfach einen Test durchführen und in Absprache mit dem/der Arzt/Ärztin Maßnahmen zur Verbesserung ergreifen, z. B. über Nahrungsergänzungsmittel.

Gut zu wissen

Aufgrund unserer geografischen Lage ist es zwischen Oktober und März nicht möglich ausreichend Vitamin D zu erzeugen,
selbst wenn man seinen Alltag nackt bestreiten würde.

Quellen
1. Peter Fritsch, Thomas Schwarz. Dermatologie Venerologie: Grundlagen
2. Sabine Ellsässer. Körperpflegekunde und Kosmetik, 2. Auflage
3. Wolpowitz D, Gilchrest BA. The vitamin D questions: how much do you need and how should you get it? J Am Acad Dermatol 2006; 54(2):301-17.
4. Marks R, Foley PA, Jolley D, et al. The effect of regular sunscreen use on vitamin D levels in an Australian population. Results of a randomized controlled trial. Arch Dermatol 1995; 131(4):415-421.
5. Farrerons J, Barnadas M, Rodriguez J, et al. Clinically prescribed sunscreen (sun protection factor 15) does not decrease serum vitamin D concentration sufficiently either to induce changes in parathyroid function or in metabolic markers. Br J Dermatol 1998; 139(3):422-427.
6. Ou-Yang H et al. High-SPF sunscreens (SPF ≥ 70) may provide ultraviolet protection above minimal recommended levels by adequately compensating for lower sunscreen user application amounts. J Am Acad Dermatol. 2012 Dec;67(6):1220-7
7. Uwe Reinhold, Eckhard Breitbart. Hautkrebsprävention: Früherkennung und Vorbeugung
8. Green AC, Williams GM, Logan V, Strutton GM Reduced Melanoma After Regular Sunscreen Use: Randomized Trial Follow-Up, Journal of Clinical Oncology, 20 January 2011; 29(3).
9. van der Pols JC. Williams GM. Pandeya N. et al. Prolonged Prevention of Squamous Cell Carcinoma of the Skin by Regular Sunscreen Use. Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention. 2006; 15(12): 2546-2548.
10. Marks R. The epidemiology of non-melanoma skin cancer: who, why and what can we do about it. J Dermatol. 1995 Nov;22(11):853-7.
11. Al Mahroos M et al. Effect of sunscreen application on UV-induced thymine dimers. Arch Dermatol. 2002 Nov;138(11):1480-5.
12. Thompson SC et al. Reduction of solar keratoses by regular sunscreen use. N Engl J Med. 1993 Oct 14;329(16):1147-51.
13. Naylor MF et al. High sun protection factor sunscreens in the suppression of actinic neoplasia. Arch Dermatol. 1995 Feb;131(2):170-5.

Sonnenschutz verursacht Krebs

Nein! Dieser Mythos basiert auf Fehlinterpretation von Studien und der Verwechslung von Korrelation und Kausalität. Sarah von Eat, Train, Care hat einen ausführlichen Beitrag zu diesem Mythos verfasst.

Pflanzenöle sind ein guter Sonnenschutz

Nein! Immer wieder werden Öle als Sonnenschutzmittel empfohlen. In meinem Beitrag zu DIY-Sonnenschutz habe ich euch ja bereits erläutert welche Anforderungen Sonnenschutzmittel erfüllen sollten. Außerdem kommt hinzu, dass immer wieder dieses Journal als Beweis im Internet kursiert und die Schutzleistung von Pflanzenölen untermauern soll. Darin ist zu lesen, dass z. B. Kokosöl in-vitro  einen SPF von 7,119 erreicht20. Somit würde es gerade mal 14 % der UVB-Strahlung absorbieren. Zum Schutz vor der UVA-Strahlung werden keinerlei Aussagen getroffen, dabei stellt diese auch eine Gefahr dar und trägt zur Entstehung von Hautkrebs bei21, 22. Zudem weisen die Wissenschaftler selbst darauf hin, dass diese Informationen ausschließlich für die Entwicklung von Sonnenschutz hilfreich sein können23. In einer Veröffentlichung von 2011 ist zu lesen, dass es nicht ausreicht eine einzige natürliche Komponente zum Schutz der Haut zu verwenden24. Außerdem ist nicht zu vernachlässigen, dass Pflanzenöle durch hauteigene Enzyme (Lipasen) abgebaut werden und somit ein beständiger Schutz nicht erhalten werden kann.

Gut zu wissen

Die AAD (American Academy of Dermatology) empfiehlt einen Breitband-Sonnenschutz mit mindestens SPF 30 um sich vor der UV-Strahlung zu schützen, die WHO (World Health Organization) spricht sich für den Gebrauch eines Sonnenschutzmittels mit SPF 15 oder höher aus25, 26.

Quellen
20. Chanchal Deep Kaur, Swarnlata Saraf. In vitro sun protection factor determination of herbal oils used in cosmetics. Pharmacognosy Res. 2010 Jan-Feb; 2(1): 22–25.
21. John D’Orazio et al.
UV Radiation and the Skin. Int J Mol Sci. 2013 Jun; 14(6): 12222–12248.
22. Narayanan DL et al.
Ultraviolet radiation and skin cancer. Int J Dermatol. 2010 Sep;49(9):978-86
23. Lucia Montenegro et al. Use of Vegetable Oils to Improve the Sun Protection Factor of Sunscreen Formulations. Cosmetics 2019, 6(2), 25
24. Radava R. Korać, Kapil M. Khambholja.
Potential of herbs in skin protection from ultraviolet radiation. Pharmacogn Rev. 2011 Jul-Dec; 5(10): 164–173.
25. https://www.aad.org/media/stats/conditions
26. https://www.who.int/uv/sun_protection/en/

Nano-Partikel in Sonnencreme sind gefährlich

Nein! Auch hier wird immer wieder erwähnt, dass mikronisiertes Zink- oder Titanoxid gesundheitsschädlich ist. Aufgrund ihrer Größe sollen die Teilchen in die Haut eindringen, in den Körper gelangen und so Schaden anrichten. In einer Studie von 2008 konnte unter realistischen Bedingungen gezeigt werden, dass die Hornschicht eine sehr gute Barriere darstellt und in den tieferen Hautschichten keine Partikel gefunden werden konnten27. Bei sonnengeschädigter Haut sind die Teilchen zwar tiefer pentriert als bei gesunder Haut, trotzdem konnte keine transdermale Resorption festgestellt werden28. Aufgrund der Studienlage sind Wissenschaftler sich einig, dass nano-Zink- und Titanoxid keine Gefahr für den Menschen darstellen, wenn sie topisch aufgetragen werden29 – 33.

Gut zu wissen

Ein gewisser Teil (< 1 %) der nano-Partikel bleibt im Haarfollikel hängen und wächst mit dem Haar wieder raus.

Quellen
27. Zvyagin AV et al. Imaging of zinc oxide nanoparticle penetration in human skin in vitro and in vivo. J Biomed Opt. 2008 Nov-Dec;13(6):064031
28. Monteiro-Riviere NA et al. Safety evaluation of sunscreen formulations containing titanium dioxide and zinc oxide nanoparticles in UVB sunburned skin: an in vitro and in vivo study. Toxicol Sci. 2011 Sep;123(1):264-80
29. Schilling K et al. Human safety review of „nano“ titanium dioxide and zinc oxide. Photochem Photobiol Sci. 2010 Apr;9(4):495-509
30. Nohynek GJ et al. Nanotechnology, cosmetics and the skin: is there a health risk? Skin Pharmacol Physiol. 2008;21(3):136-49
31. Lademann et al. Penetration of titanium dioxide microparticles in a sunscreen formulation into the horny layer and the follicular orifice. Skin Pharmacol Appl Skin Physiol. 1999 Sep-Oct;12(5):247-56.
32. Dussert AS, Gooris E, Hemmerle J: Charac-terisation of the mineral content of a physical sunscreen emulsion and its distribution onto human stratum corneum. Int J Cosmet Sci 1997;19:119–129.
33. Sadrieh N et al. Lack of significant dermal penetration of titanium dioxide from sunscreen formulations containing nano- and submicron-size TiO2 particles. Toxicol Sciences. 2010 May;115(1):156-66

Sonnenschutz in Make-Up reicht aus

Nein! Es gibt zwar unzählige Produkte aus dem dekorativen Bereich, die einen SPF haben aber bei Sonnenschutz kommt es extrem auf die Menge an. In der internationalen Testmethode (ISO24444:2010) zur Bestimmung des Sonnenschutzfaktors werden 2 mg / cm² verwendet. Das sind immerhin 1,2 g für mein komplettes Gesicht. Wer sehen möchte wie viel Foundation das tatsächlich ist, kann sich gern dieses Video anschauen. Bei Puder mit SPF verhält es sich ähnlich: die meisten Personen tragen 0,085 g auf – das bedeutet man müsste das 14-fache verwenden um den deklarierten Schutz zu erreichen34. Zudem hat die Europäische Kommission in einer Stellungnahme darauf verwiesen, dass die Empfehlungen für Sonnenschutzmittel nicht auf Tagespflege und dekorative Kosmetik zutreffen, da sie nicht „zum ausschließlichen oder überwiegenden Zweck“ vor UV-Strahlung schützen sollen35.

34. Leslie Baumann. Cosmetic Dermatology: Principles and Practice
35. Europäische Kommission. Synthesepapier – Ergebnisse der öffentlichen Konsultation zum Entwurf der Kommission für eine Empfehlung über die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln und diesbezügliche Herstellerangaben


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