Softwaretester – Der undankbarste Job in der IT?

Auf Computerwoche.de gibt es in der Rubrik Karriere die Möglichkeit Fragen an Personalberater zu stellen. Drunter auch solche, die sich inhaltlich um die Schwerpunkte Softwarequalität und Softwaretest drehen, die von Angelika Ghidini, Personalberaterin bei Conargus beantwortet werden.

Dort warf kürzlich ein Leser die Frage nach den Motiven und Gründen auf, die jemanden in den Bereich des Softwaretestens führen könnten und spekulierte über raschere Aufstiegschancen oder bessere Gehälter.  Zitat:

Alle wissen das Testen und Qualitätssicherung in der IT wichtig ist, aber keiner hat Lust drauf. Testen gilt als langweilig und dröge, Tester sind weniger angesehen als Entwickler oder Architekten. Ich habe es erlebt, dass QM formal von oben verordnet wird und dann unter Zeitdruck Releases „unter der Hand“ am QM vorbeigehoben wurden.

In der Tat – geschlampt wird bekanntlich überall und Shit happens anywhere.

Erfolgreiche Softwaretester sind meiner Erfahrung nach von ihrer Persönlichkeit oftmals etwas anders strukturiert als erfolgreiche Softwareentwickler. Auch wenn der Unterschied nicht so gravierend ist, dass es unmöglich wäre vom Entwickler zum Tester oder umgekehrt zu wechseln. Zumal der größte Teil der Softwaretester sehr entwicklernah arbeitet.

Ähnlich wie auch Qualitätssicherer in anderen Bereichen prüft der Tester in erster Linie das was andere entwickelt haben anstatt selbst zu entwickeln. Er handelt aus einer Art Metaposition heraus, muss aber seine Ergebnisse auch Entwicklern und Projektmanagern vermitteln können. Das ist nicht jedermanns Sache. Wer lieber selbst „hands-on“ arbeiten will, anstatt zu begutachten, zu testen und zu prüfen, ist in der Qualitätssicherung eher falsch. Der Fokus des Softwaretesters muss dabei sowohl auf der Detailebene und der Korrektheit liegen als auch einen Sinn für das große Ganze haben. Wobei der Schwerpunkt oft eher bei den Details liegen dürfte, was nicht jedes Entwicklers Sache ist. Ohne den engen Austausch untereinander kommen Entwickler und Tester jedoch nicht aus, so dass auf beiden Seiten soziale Kompetenz und ein Verständnis für kulturelle Eigenheiten erforderlich ist (falls in international besetzten Teams zusammengearbeitet wird).

Auch arbeiten Entwickler oftmals lieber mit neuen Sprachen und Tools anstatt sich Gedanken über statische und dynamische Methoden des Testens von Software zu machen, was aber des Testers täglich Brot ist. Dafür können Softwaretester das tun, was sonst eher Hacker machen: Durch systematische Analyse und kreative Techniknutzung die Lücken, Fehler und Quellen für unvorhergesehenes Programmverhalten aufspüren, welche den Entwicklern entgangen sind.

Was Softwaretester tatsächlich bewirken können, hängt stark davon ab, wie qualitätsorientiert im jeweiligen Unternehmen gearbeitet wird. Da aber die Marktanforderungen an Qualität und Compliance von Softwareprodukten allmählich und kontinuierlich zunehmen, schwindet der Anteil der kleinen semiprofessionellen Bastlerbuden mit Hinterhof-Entwicklung und New-Economy-Arbeitsethos („erst mal loslegen und machen, nachbessern kann man später immer noch, wenn die Beschwerden einlaufen, Zeit spielt keine Rolle, wir arbeiten immer und überall“). Softwarequalität wird wichtiger. Testen entwickelt sich vom Kostenfaktor zur Treiber für rationellere Formen der Softwareentwicklung und Qualitätssicherung. Was nicht zuletzt die in den letzten Jahren in der Fachliteratur und auf Kongressen immer mehr aufscheinende Diskussion rund um Themen wie Testautomation, Testmanagement und testgetriebene Formen agiler Softwareentwicklung zeigt.

Firmen wie Microsoft setzen inzwischen ähnliche viele Tester wie Entwickler ein. Und gehen auch davon aus, dass beide in etwa gleichem Maße Bedarf an Fortbildung und Lernen in Projekten haben.

Wie  in der klassischen Fertigung gilt es zunehmend die Qualität gleich von Anfang an mit einzubauen, anstatt sie nachträglich reinzuprüfen. Software „made in germany“ kann sich im Vergleich zu asiatischen Auftragsentwicklern zu einem Markenzeichen entwickeln, das hochwertige Qualität mit innovativen Produkten verbindet. Wenn Vorsprünge bei Prozessen, Methoden und Reifegraden kontinuierlich erarbeitet und ausgebaut werden.

Allerdings nur, wenn sich die Softwaretester Deutschlands nicht nur weiter professionalisieren sondern gleichzeitig auch etwas mehr Selbstbewusstsein an den Tag legen. Softwaretesten ist kein entbehrliches „Hintendran“ der Softwareentwicklung. Sondern fester Bestandteil eines systematisch und professionell betriebenen Softwareentwicklungsprozesses, der mit hohem Reifegrad ebenso hochwertige Produkte hervorbringt.




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