Sodom und Gomorrha in Schloss Bellevue

Es gäbe natürlich auch andere Themen, über die geschrieben werden müsste, das Wetter beispielsweise, gestern erst herrlichstes Schneegestöber, dann blöder Schneematsch und heute so ein unentschiedenes Leicht-sonnig-mit-wolken-aber-doch-etwas-trüb. Oder über Politik und Bier am Aschermittwoch. Wobei Bier eindeutig das interessantere Thema. Aber als hartnäckiger Karnevalsverweigerer habe ich die letzten Tage gut überstanden. Und noch mal über Gauck nachgedacht. Inzwischen finde ich, dass Gauck absolut der Bundespräsident ist, den dieses Deutschland, was er da repräsentieren soll, verdient. Kein sentimentales Verständnis für die Schwachen, nicht zu viel diplomatische Arschkriecherei, sondern selbstbewusste Auslegung historischer Wahrheiten und bei alledem die beim deutschen Volk beliebte etwas tapsige Rustikalität, mit der man eingesteht, dass man sich auch ungewaschen so richtig freuen kann.

Jetzt hat aber plötzlich die CSU ein Haar in der Suppe gefunden: Ex-Pastor Gauck ist ja noch verheiratet! Nur leider nicht mit der Frau an seiner Seite. Sodom und Gomorrha in Schloss Bellevue! Noch nie gab es eine wilde Ehe in Deutschlands amtlichstem Amtssitz. Hier finde ich, könnte die Realität langsam mal Einzug halten: Immer Paare heiraten nicht mehr – obwohl der Staat die Ehe weiterhin mit Steuervorteilen belohnt. Das ist allerdings nur für Menschen interessant, die überhaupt genug verdienen, um Steuern zahlen zu können. Wer auf Hartz IV angewiesen ist, heiratet besser nicht, sondern sieht zu, dass der Staat nicht darauf kommt, dass es eventuell jemanden gibt, den man an den Unterhaltskosten beteiligen kann. Vermutlich ist auch das ein Grund, warum in Ostdeutschland längst mehr Kinder von unverheirateten Eltern aufgezogen werden als von verheirateten.

Nun wird Gauck gewiss andere Gründe für die spezifische Organisation seines Privatlebens haben, die eigentlich niemanden etwas angehen. Andererseits ist das schon etwas schwierig mit der Moral in einem hohen Amt, insbesondere, wenn die moralischen Ansprüche an dieses dermaßen hoch geschraubt werden, wie das im Zuge der Demontage von Christian Wulff geschehen ist. Aber auch hier dürfte der aktuelle Kandidat der Richtige sein: Im Messen mit zweierlei Maß war er schon immer Meister. Das ist für Politiker eigentlich eine Mindestqualifikation. Vielleicht gibt es auch wohlmeinende CSU-Kollegen, die Norbert Geis verklickern, dass man nicht immer kleinlich sein darf, wenn es ums große Ganze geht.



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