So schmeckt der Hipster-Sommer: 6 aufregende Bio-Limos im Test

 
Limonaden

Der Planet brennt, die Limo hat Hochkonjunktur. Doch während der Laie Cola und Fanta in Massen konsumiert, erfrischt sich der Kenner (der in diesem Kontext auch gerne als Hipster “beschimpft” wird) gerne mit einer raffinierten Limonade. Während der letzten Jahre hat sich das Versorgungsnetzwerk der Bio-Limonaden stetig ausgedehnt und erreicht in Ballungszentren wie Berlin oder München zunehmend auch den Durchschnittskonsumenten – und das wundert keineswegs. Mit ihrer Sortenvielfalt und mit Mut zum Experiment treiben kleine Limo-Brauereien die Entwicklung des Erfrischungsgetränks voran. Wir wollten wissen wie ausgereift die äußerst spannend anmutenden Sorten schon sind und haben einfach mal angefragt, ob wir nicht mal testen dürften. Zurück kamen 6 verschiedene Fabrikate, die wir teils euphorisch, teils irritiert genossen haben. Hier unser kleiner Testbericht. Von David Seitz

Proviant

Kleine Fruchtmanufaktur aus Berlin-Kreuzberg, die drei Sorten Limos werden aus Platzgründen in einem Rhöner Familienbetrieb abgefüllt.

Erster Test: Apfelschorle naturtrüb. Dieses Schorle geht wenn man es genau nimmt nicht als Limo durch, perlt dank ordentlich Kohlensäure aber so herrlich, dass einem kleine Limo-Tränen in die Augen steigen. Ein Spritzer Zitronensaft tut sein Übriges, damit dieses edle Schorle zumindest im Kopf zur gesündesten Limo aller Zeiten avanciert. Ein wenig Zucker-Nachschub war hingegen bei der hauseigenen Rhabarber-Limo nötig und ist dabei goldrichtig dosiert. Die blassrosa Brause sticht durch ihre unglaubliche Frische einen Großteil der anderen Test-Limonaden aus. Mit 21% Rhabarber zudem ein Glanzlicht in Sachen Fruchtgehalt! Mit dem Erfrischungseffekt von Rhabarber und Apfel kann die Zitronenlimo nicht ganz mithalten. Dennoch enteilt auch sie klassischen Sprite-Verschnitten um Längen.

Highlight: Rhabarber-Limo

Lemon Aid

Hinter der kreativen Wortschöpfung steckt tatsächlich geballtes Soziales Engagement. Zusammen mit der Eistee-Schwester ChariTea unterstützt das Berliner Erfrischungs-Konglomerat deutsche und internationale Projekte – lobenswert einerseits, prominent platziert zudem ein prima Image-Pusher. Wenn jetzt auch noch die Limonaden munden…?

Die erste Flasche im Test: Maracuja-Limo. Da würde Thomas Müller das Herz aufgehen! Maracujaschorle ist ja bekanntlich das Lieblingsgetränk des Nationalspielers. Nur dass diese Maracuja-Limo nochmal einen draufsetzt, mit Mango und Limettensaft als Sidekick, mit Rohrzucker dezent die Süße nach oben geschraubt und den Kohlensäuregehalt nahezu optimal austariert. Einzig die Farbe ist fast schon fast zu grell fürs Bio-Segment. Sei’s drum!

Die Limettenvariante schmeckt ziemlich genau so, wie das, was wir uns Sommer für Sommer zu Hause selbst mixen, aus Limettensaft, Zucker und Sprudel. Und siehe da: Genau das ist da auch drin! Nur ohne Stückchen, Zuckerbrocken und miese Optik. Ganz große Klasse! Bei der Blutorangen-Limo aus dem Hause LemonAid ist man schnell versucht auf Referenzlimos wie Orangina zu verweisen, doch beim genauen Hinschmecken stellt man fest: Das kommt hinten und vorne nicht hin, irgendwas anderes schmeckt da noch durch. Der Blick auf die Flasche klärt auf: Grapefruit- und Kirschsaft machen hier den entscheidenden Unterschied – eine Mischung die’s so sonst nirgends gibt. Genau dafür sind Bio-Limos da!

Highlight: Limette

Chari-Tea

Genau genommen natürlich keine klassische Limo, da wir die Zugabe im Päckchen aber nicht verschmähen konnten hier auch noch eine kurze Einschätzung:

Hervorzuheben ist das Geschmackserlebnis wenn kalter Tee Ingwer-Frische trifft. Im Mund macht sich eine unverschämt unterschwellige Honig-Süße breit, während Grüntee und Ingwer den Gaumen verwöhnen. Das knallt mit weit weniger Aroma als zuckrige Limos, erfrischt aber gut gekühlt fast noch ein bisschen besser, insbesondere dank herrlich herbem Tee-Abgang. Und gesund ist das sowieso! Selbes gilt für die anderen Tee-Varianten. Ein Highlight, zumindest für Liebhaber des speziellen Aromas: Der Mate-Tee, mit seinem kräftigen Tabak-Geschmack, der gut gekühlt nicht nur erfrischt, sondern auch grandios aufputscht. Nicht so ganz unser Fall: Der Tee mit Maracuja-Note – das macht sich in der Limo deutlich besser!

Highlight: Grüntee-Ingwer-Honig

Bio-Zisch

Die Limo-Sparte aus dem Hause Voelkel. Zitat: “BioZisch steht für eine Lebenseinstellung mit eigener Meinung und eigenem Verständnis von dem, wie unsere Welt nachhaltig zu gestalten ist, heute, morgen und für die Zukunft.” Das beste an der Sache: Das schmeckt auch noch gut!

Aus der breit aufgestellten Limo-Phalanx von Bio-Zisch sticht vor allem die Bitter-Lemon-Limonade raus. Ganz ehrlich. Da kippen wir gerne Kistenweise Schweppes für weg. Die Bitternote aber sowas von auf den Punkt getroffen, dass sich der Mund dezent zusammen zieht während die Augen glänzen. Dazu ein natürliches Limettenaroma, unterstützt durch das grün-trübe Suggestiv reiner Natur. Fast durch die Bank zeigt Bio-Zisch solide Limo-Qualitäten mit tendenziell etwas weniger Zucker als die anderen Limos -  vereinzelt stellten wir Ausreißer fest, nach oben wie nach unten. Sehr erfrischend und herrlich unaufdringlich schmeckte die Mate-Limo, die mit sanftem Prickeln wachküsst und voll überzeugt. Geschmacksrichtung Rosenblüte hingegen erinnert auch nach Meinung weiblicher Tester zu stark an Badewasser.

Highlight: Bitter-Lemon

NOW

Die Limonaden-Abteilung der Neumarkter Öko-Brauerei Lammsbräu wartet mit einer Riesen-Reihe an Limo-Sorten auf – grell, bunt und gefühlt die Mainstreamer unter den Bio-Limos, nach Bionade natürlich, mittlerweile sogar im fernen Berlin konsumiert. Was sie von den übrigen Testkandidaten unterscheidet: Sie wagen sich ein wenig aus der sicheren Natur-Ecke heraus.

Das schlägt sich insbesondere in der Sorte Red Berry nieder, wo zwar 100% Organic drauf steht, die aber – zumindest gefühlt – nicht so richtig 100% organic schmeckt. Ein Hauch Gummibärchen klingt schon durch, was aber bei den Mit-Testern teilweise sehr gut ankam. Birne-Hopfen als Alleinstellungs-Sorte trifft hingegen voll ins Schwarze, mit angenehmem Birnengschmäckle und feinem Hopfenhauch. Die Grapefruit-Limo ist mutig kreiert, in ihrer Bitterkeit und ihrer Farbgebung. Ein Kracher ist die Holler-Limo, die sich mit der Version von Perger messen lassen musste und sich dabei als die spritzigere der beiden Brausen und als die klassischere Limo knapp durchsetzte. Nicht ganz so intensiv im Geschmack, dafür eine angenehmere Süße und herrlich perlig im Mund. Etwas orientierungslos kommt die Sorte “Green Herbs” daher, erinnert an Almdudler und schmeckt gleichzeitig wie eine Mischung aus allem bisher probierten. Der Name täuscht hier, denn Grüne Kräuter stehen nicht auf der Zutatenliste. Stattdessen Holunderblütensirup, Zitronensaft und Grüner Tee.

Highlight: Holler

Perger

Der oberbayrische Fruchtsaft-Pionier produziert seit 50 Jahren Säfte, seit einiger Zeit nun auch besondere Limonaden: Einer der Schwerpunkte: Stevia-Einsatz in Erfrischungsgetränken.

Beispielsweise in der Sorte Stevia-Zitrone: Die süßeste Limo bisher, die Süße ist stechender, weniger erfrischend, dafür kommt gefühlt noch mehr Geschmack im Mund an. Sorte Grapefruit: Hier zeigt sich, dass Grapefruit-Limo nicht grell-orange und auch nicht bitter sein muss. Hier fühlen sich die sensiblen Gaumen und Farbstoff-Angsthasen am wohlsten. Für uns wäre die Kreuzung mit der Grapefruit-Brause von NOW die optimale Variante. Holunder-Limo. Ein Knaller! So intensiv im Geschmack war bisher keine Limo, dank 5,5 % Blüten-Auszug. Nicht allzu erfrischend, da die Geschmacksexplosion auch durch eine durchringende Süße beflügelt wird. Dazu wenig Kohlensäure, dafür aber berauschend aromatisch im Geschmack. Ein Erlebnis-Getränk, weniger eine klassische Limo. Ein echtes Aha-Erlebnis dann beim Cola-Orangen-Mix von Perger, der dermaßen fruchtig schmeckt, dass wir sofort das Etikett konsultieren müssen. Der Schlüssel zum bombastischen Geschmack steckt hier im Gegenspieler der Cola. Statt Limo kontert Orangesaft spritzig, fruchtig und ein winziges bisschen säuerlich. Diese Zusammensetzung sollte Schule machen! Extrem gewöhnungsbedürftig ist hingegen das Stevia-Cola, das mit großem Aufdruck erst große Erwartungen schürt: “Jetzt neuer Geschmack!” Trifft definitiv zu, aber mit Cola wie wir sie kennen hat das nicht mehr viel zu tun. EXTREM süß, versetzt mit weihnachtlichen Aromen, ganz ehrlich: Das schmeckt wie eine Kreuzung aus alter Cola und ausgekochtem Glühwein. Die strenge Stevia-Süße macht das für uns nur noch seltsamer. Nur was für Geschmacksexperiment-Liebhaber.

Highlight: Cola-Orange

Weitersurfen!


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