Sitte, Anstand und erfüllender Sex

Sitte, Anstand und erfüllender SexIm Artikel „Mit wem schläfst Du gerade?“ habe ich darüber berichtet, wie eine Frau entrüstet reagierte, nachdem sie zufällig entdeckt hatte, dass ihr Mann Pornofilme im Internet konsumiert. Die Antwort auf die klagende Frage, weshalb sich ein verheirateter Mann Pornofilme anschaut, interessiert wohl nicht nur Paarberater. Dieses Thema öffentlich zu erforschen setzt voraus, selber solche Filme zu kennen. Ja, kenne ich. Mit dieser schlichten Feststellung trete ich nicht anwaltschaftlich für Pornografie ein. Noch geht es mir darum, Menschen gegen ihren Willen aus dem Schutz ihrer Anonymität zu locken. Die Verteidigungsrede „Liebling, das machen vielleicht andere, aber doch nicht ich!“ soll weiterhin gelten. Wenngleich dieser Standpunkt rein rechnerisch kaum aufgehen kann, da die meisten Klicks im Internet sexuell motiviert sind.

Pornofilme pauschal als schmutzig, einfältig, frauenfeindlich, Gewalt verherrlichend, abscheulich, unanständig, süchtig machend, dunkel, schamlos, langweilig, verblödend usw. zu verurteilen, trifft die Sache nicht ganz. Einerseits mag das ja alles stimmen. Anderseits stellt sich die Frage erst recht: Weshalb schauen sich Männer (ich weiss, Frauen auch) dann trotzdem solche Filme an? Tatsächlich hat eine Frau nicht viel davon, wenn sie ihrem Mann verabscheuend den Schuldfinger auf die Brust setzen kann: „Soso, du also auch!“ Moralische Überlegenheit und erfüllender Sex vertragen sich nicht. Und, viele Männer, die sich heimlich Pornografie anschauen, schämen sich insgeheim dafür. Mit dem Schuldgefühl, etwas Verbotenes zu tun, erlebt Mann sich in der Regel nicht als männlich.

Meine Neugierde richtet sich auf zwei Fragen. Erstens: Was bedroht eine Frau bei dem Gedanken, ihr Mann könnte Pornografie konsumieren? Und zweitens: Was vermeidet ein Mann, wenn er ebensolches tut? Die Suche nach den Antworten kann den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ in der Sexualität gefährden, die Komfortzone. Was passiert also, wenn sich ein Mann (oder eine Frau) im stillen Kämmerlein einen Pornofilm reinzieht und dazu noch onaniert? Wahrnehmung bzw. Erleben werden auf die blosse Tatsache konzentriert (oder reduziert), sexuell zu sein – unpersönlich, ungehemmt und mit offenen Augen geil. Dieses Potential steckt in uns allen.

Frauen und Männer wollen gut behandelt und in sexuellem Sinne „gebraucht“ werden. Das schliesst sich gegenseitig nicht aus. Wir alle wollen das Objekt sinnlicher Begierde des Partners sein, aber als Individuum. Das ist die Antwort auf meine beiden Fragen. Mit Moral und Heimlichtuerei vermeiden wir vor allem eines: Es zu wagen, sich als dieses begehrende sexuelle Wesen, das wir (auch!) sind, in der Beziehung zu zeigen. Ich weiss, die Angst vor Ablehnung und Zurückweisung ist gross. In meiner Praxis stelle ich deshalb die Frage „Warum schlafen Sie nur noch selten miteinander?“ kaum mehr. Viel lieber frage ich: „Wissen Sie, was es heisst, den Partner eindeutig sexuell zu nehmen oder von ihm auf diese Weise genommen zu werden? Wenn ja, warum haben Sie damit aufgehört? Wenn nein, möchten Sie das kennenlernen?“

Mit Nehmen und Genommenwerden meine ich die fleischliche Begierde jenseits der Grenzen von Sitte und Anstand. Wo kann man die Risikozone besser betreten, als innerhalb einer langjährigen Paarbeziehung?


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