Sind Sie der bessere Lehrer, Herr Precht?


„…
ZEIT: Sie schreiben von “Lernfabriken, die Kreativität töten”, und warnen, dass man einer Mittelschichtfamilie heute nicht mehr mit gutem Gewissen empfehlen kann, ihr Kind auf eine staatliche Schule zu schicken. Geht’s nicht eine Nummer kleiner?

Precht: Ich habe die Schule mit drei Stiefkindern in Luxemburg durchgemacht und erlebe jetzt gerade die Grundschule meines Sohnes. Und da frage ich mich schon, wie das, was in heutigen Klassenzimmern gang und gäbe ist, noch möglich ist. Etwa dass die Schüler an einem Tag fünf oder sechs verschiedene Fächer haben, die nichts miteinander zu tun haben. Oder dass sie pausenlos Tests und Klausuren schreiben und anschließend das meiste von dem Gelernten wieder vergessen dürfen. Ich glaube, dass das, was unsere Kinder in der Schule lernen, und das, was sie im Leben brauchen, stärker als jemals zuvor auseinanderfallen.

ZEIT: Deutschland ist eine führende Exportnation; unsere Jugendarbeitslosigkeit gehört zur niedrigsten der Welt; deutsche Doktoranden sind an internationalen Spitzenuniversitäten willkommen. Ganz so schlecht können unsere Schulen nicht sein.

Precht: Zum einen gibt es keine Garantie, dass unser Wohlstand noch lange erhalten bleibt. Zum anderen will ich gar nicht ausrechnen, wie viel mehr tolle Ingenieure und fantastische Forscher unser Bildungssystem hervorbringen könnte, wenn wir Schulen hätten, in denen auf Nachhaltigkeit gelernt wird. Es kann doch nicht sein, dass wir mehr als neunzig Prozent von dem, was wir in der Schule lernen, wenige Jahre später vergessen haben. Oder wissen Sie noch, was das Ohmsche Gesetz ist oder der Ablativus absolutus?

ZEIT: Sie propagieren ein “neues Lernen”, Wie soll das konkret aussehen?

Precht: Kinder wollen lernen. Das weiß jeder, der welche hat. So lernt jedes Kind Sprechen und Laufen, ohne dass man als Eltern viel tun muss. Fast alle Kinder gehen anfangs auch freudig zur Schule. Doch schon nach kurzer Zeit verlieren sich die Neugier und die Lernfreude. Ich glaube, das liegt daran, dass das klassische Unterrichtsmodell sich viel zu wenig die Frage stellt, ob die Schüler in dem, was sie da vorgesetzt bekommen, einen Sinn sehen. Warum auch sollte sich ein 13-Jähriger – von Ausnahmen abgesehen – für eine physikalische Formel interessieren? Warum sollte er wissen wollen, was eine Adverbialphrase ist? Er lernt vielleicht beides, weil er es muss. Doch innerhalb kürzester Zeit hat er den Stoff wieder vergessen.

ZEIT: Wer soll Ihre Schulrevolution durchsetzen? In Hamburg ist schon der vergleichsweise bescheidene Versuch, die Grundschulzeit von vier auf sechs Jahre zu verlängern, am Willen der Bürger gescheitert.

Precht: Offensichtlich sind die Konservativen, die das gegenwärtige System stützen wollen, organisatorisch den Unzufriedenen überlegen. Es kommt deshalb darauf an, dass diejenigen, die eine Bildungsrevolution wollen, sich auch so gut organisieren. Viele meiner Vorschläge haben ja bereits heute eine Mehrheit: die Abschaffung des Beamtenstatus für Lehrer zum Beispiel oder die Beschneidung des Bildungsföderalismus.

ZEIT: Dass Lehrer keine Beamte mehr sind, ist noch keine Revolution. Sie wollen ja viel mehr.
Precht: Natürlich. Andererseits muss nicht jede Revolution dazu führen, dass irgendwas gestürmt oder jemand aufgehängt wird. Ich will auch keiner Schule detailliert vorschreiben, was sie innerhalb der nächsten Jahre zu machen hat. Vielmehr möchte ich mit meinem Buch eine Bewegung anstoßen, die zu einem grundsätzlichen Strukturumbruch in der Schule führt. Das ist das Revolutionäre.

ZEIT: Was würde die Revolution denn kosten? …”

Quelle und gesamter Text: http://www.zeit.de/2013/16/richard-david-precht-schulsystem/seite-3

Schrecklich! Was sind das für Fragen einer der größten deutschen Wochenzeitungen? Und zum Abschluss der Knaller:  was soll das kosten???

Diese verfickt, kommerzorientierte und gewinnindoktrainierte Gesellschaft nebst ihrer Medienlakaien fragt, was die für ihre eigenen Kinder beste Ausbildung kosten soll, darf, kann…  

An dieser Frage erkennt man den Horizont der kleinkarierten und pfründesichernden, spießigen Mittelschicht. Und die ganzen kommentierenden Systemspeichellecker machen fein bei diesem Spielchen mit…

Die Bildung unserer Kinder darf nichts kosten… die Pflege unserer Eltern und Großeltern muss rationalisiert werden… und wenn wir selbst ins Krankenhaus kommen… und alle lassen sich in diese perfide Systemlogik widerstandslos integrieren: Metropolis, 1984, Matrix, In Time…nichts gerafft!


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