"Sicario 2" / "Sicario: Day of the Soldado" [USA 2018]


Als Sequel spinnt "Sicario 2" eine Geschichte weiter, die ursprünglich, im ersten Teil, als Parabel angelegt war und nachdenklich, unbeantwortet endete. Roger Deakins' bleich und verschlossen eingerahmte Provinzwelten waren nicht starr – zu oft verflüssigten sich die verhärteten Gesichtskonturen Emily Blunts vor Glas und Sand und wurden milchig, ein Entgleiten von Kontrolle, vor allem von Übersicht. In diesen zellenähnlichen Zivilisationshalden, wo Kate Macer (Blunt) illegale Präventivoperationen ihrer Regierung legitimieren musste, konnte keiner einen Erfolg verbuchen, konnte keiner jemals gewinnen, da keiner jemals etwas sehen und herbeiführen konnte. Stefano Sollima indes stellt – zwischen Pflicht und Verlangen – ähnliche Fragen, wie sie Denis Villeneuve stellte, aber sein gestalterischer Gesamtentwurf erweist sich als bloß standardisierter Genrehobel, in dem es knallt und kracht. "Sicario 2" ist das Produkt seines Drehbuchautors Taylor Sheridan ohne ästhetische Eigensinnigkeiten, ein hohler Machotraum, geträumt von Jungs mit Knarren in der Blüte ihrer Pubertät, sachlich gefilmt und klar beantwortet, beträufelt mit simplifizierten Kriegs- und Nebenkriegsmustern. Auch wenn Villeneuves Vorgänger "Sicario" in der Figur des Alejandro Gillick (Benicio del Toro) mehr und mehr die Tendenz zu halbgaren, superheldenirren Lösungen aufwies, ist "Sicario 2" wiederum lediglich als rein irrer Superheldentrash zu gebrauchen. 
Kompromisslos erscheint das alles – Sprengstoffattentate in einem Supermarkt (zugegeben: abstoßend direkt eingefangen), Kindesentführungen, Folter. In Sollimas politisch wie moralisch grenzüberschreitenden Entgrenzungen herrscht unvermindert das Recht der Wölfe. Ein auf den ersten Blick abstrakter Subplot ist allerdings geblieben. In diesem wird der junge Miguel (Elijah Rodriguez) an die Codes und Rituale des Sicarios, eines Auftragskillers, schrittweise (klischeehaft) herangeführt. Auch andernorts menschelt es gezwungen: Die nicht weniger junge Isabel (Isabela Moner), toughe Tochter des Gangsterbosses, ringt dem sonst mit gefrorener Präzision operierenden Alejandro vertiefende Gedanken ab. Sollima vernäht dahingehend einige Fäden, dem vorrangig ein röhrender, röchelnder und rotierender Soundtrack (Hildur Guðnadóttir) Welttragik und Hochgefühle auf Kommando oktroyiert. Keine Überraschung ist es da, dass Josh Brolin darin Josh-Brolin-Terrain erkundet, das sich wandelt: Der Wolf schaut weg und rettet das Kind. Und so sind es die Bestien, die in "Sicario 2" gezähmt werden. Sie können, dürfen nicht sterben, ihr Antrieb sind jene, die Nummern, Nachtsichtkreaturen waren. Der tödliche Schuss, die Verletzung – Makulatur, auf ins nächste Level. "Sicario 2" handelt von Menschen, nicht von Tieren, aber indem Sollima die Wiederauferstehung, die physische wie die psychische, zulässt, inszeniert er ein hochgradig apolitisches Videospiel.
2 | 10

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