Shitstorm: Öffentlich Rechtliche berichten kaum über Proteste in Spanien

Der Shitstorm begann am Dienstag um etwa 19 Uhr. Ein Zuschauer bemerkte auf Facebook, dass die «Tagesschau» nichts zu den Demonstrationen in Spanien gebracht hat. Denn in Madrid waren Tausende wütende Spanier auf den Strassen, um gegen den Sparkurs der konservativen Regierung zu protestieren. Dabei war die Situation eskaliert. Die Demonstranten warfen Steine, die Polizei antwortete mit Gummigeschossen und knüppelte den Aufstand brutal nieder. Viele Demonstranten wurden verhaftet. Auf Bannern ist vom Ausverkauf Spaniens die Rede, und von der Bankenmafia in Europa. Die Lage kann jederzeit eskalieren.

Proteste gegen die Wirtschaftsfaschisten sind nicht relevant

Auch in Griechenland kam es schon zu gewaltsamen Protesten verzweifelter Menschen. Die Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit des in Europa herrschenden asozialen und entmoralisierten Superkapitalismus wird von immer mehr Menschen angeprangert. Sie wenden sich gegen das ungerechte und ausbeuterische System. Natürlich haben die Systemmedien in Deutschland, die die neo-liberale Politik Merkels unterstützen, kein Interesse daran,  Kritik und Protest gegen das System zu zeigen und weiter zu verbreiten. Auch ARD und ZDF berichten kaum darüber.

Aber gerade diese massivsten Verletzungen der Menschenrechte durch die verbrecherischen Regierungen in Europa wäre eine Meldung wert, doch weder bei der «Tagesschau», noch bei den anschliessenden «Tagesthemen» und auch nicht in den Nachrichten beim ZDF wurde die Eskalation auf Spaniens Strassen thematisch aufgegriffen. Das war für viele Zuschauer zu viel. Innhalb weniger Stunden wurde die Facebook-Seite der «Tagesschau» mit bösen Kommentaren eingedeckt. «Kein Wort zu Spanien. Die ‹Tagesschau› verschweigt die Realität und verfälscht die Geschichte», schrieb ein User. Kommentare wie «Chinesische Methoden bei unserer ‹Tagesschau›. Na Klasse» oder «Hört auf, uns zu belügen und für dumm zu verkaufen, werdet eurem Auftrag gerecht und berichtet» stehen stellvertretend für den Grundtenor der Zuschauerreaktionen. Das unerwartet kritische Echo von einigen vernunftbegabten Bürgern hat die Bürokraten bei der ARD richtig erschrocken:

Wir bitten darum, den Shitstorm zu beenden!

Kurz nach Mitternacht waren weit über 1600 Kommentare auf Facebook eingegangen. Die Verantwortlichen der «Tagesschau» sahen sich schliesslich zur Reaktion gezwungen.

“Liebe Fans der Facebook-Seite der ‹Tagesschau›, in Madrid finden zurzeit Proteste gegen die Sparpolitik der Regierung statt. Ein ARD-Team ist vor Ort, auch Tagesschau.de wird darüber in Kürze berichten. Wer bereits zuvor schon seine Meinung dazu loswerden möchte, kann dies hier tun, wir bitten darum, den Shitstorm unter den anderen Threads zu beenden, vielen Dank!»

Selbst Chefredaktor Thomas Hinrichs sah sich genötigt in die Debatte auf Facebook einzugreifen. Er schreibt:

«Shitstorms gehören zum Geschäft. Wichtig für alle ist, zu wissen, dass wir uns davon in unserer journalistischen Beurteilung nicht beeinflussen lassen können. Wir sind unabhängig, sowohl von politischen als auch wirtschaftlichen Interessen. Nun kommen die Engagierten dazu. Engagement in der Sache ist gut und zu begrüssen, aber auch die bei einem Thema besonders Engagierten können Berichterstattung nicht erzwingen. Parteien können das nicht, Konzerne können das nicht, Shitstorms können das nicht.»

Auch die private Konkurrenz berichtete nicht aus Spanien

Dass die Proteste in Spanien nicht in den Nachrichten aufgenommen wurden, begründet Hinrichs mit der fehlenden Relevanz! Er meint also allen ernstes, dass Hungeraufstände und Proteste gegen den Wirtschaftsfaschismus nicht relevant sind. Er hätte wohl besser sagen sollen: wir als Sprachrohr und Beführworter eines wirtschaftsfaschistischen Systems wollen nicht darüber berichten, weil wir die bislang treudoof im ewigen Winterschlaf verharrende Mischels nicht aufwecken wollen!

Weiter führt der merkwürdige Mensch von der ARD aus: Bei der Nachrichtenauswahl einer zeitlich begrenzten Nachrichtensendung fällt eine Demonstration mit geschätzten 5000 Demonstranten und zunächst vereinzelten Ausschreitungen in ein Relevanzraster. In den verkürzten Tagesthemen war das Thema einfach nicht vorne. Dieses Raster wird permanent überprüft. Am sehr späten Abend, nach den «Tagesthemen», verschärfte sich die Gewalt. Heute um zwölf Uhr haben wir in der «Tagesschau» darüber berichtet. Immer handelt es sich dabei um eine sachliche, nüchterne Abwägung von Themen, wobei wir die ganze Welt im Blick haben müssen.»

Darüber wird berichtet: Spanienproteste erschüttern Märkte und den Euro

Ein Blick in die Berichterstattung der privaten Konkurrenz zeigt, dass die Ausschreitungen gestern Abend praktisch kaum aufgegriffen wurden. Zwar hatten Spiegel online – SPON -, die führende Nachrichtenseite Deutschlands, und Angebote wie Heute.de oder Focus online eine kurze Meldung zu den Vorgängen in Spanien, aber RTL aktuell, Sueddeutsche.de und Zeit online berichteten mit keiner Zeile über die Proteste. Heute wurde darüber berichtet. aber in einem ganz anderem Kontext: die Proteste erschüttern das Vertrauen der Märkte. Spanische Anleihe Zinsen gingen nach oben, der Euro fiel auf ein Zwei-Monatstief. Wie pervertiert ist denn diese Weltsicht?

Macht denen das mal klar: Schluss mit Verarsche und Propaganda

Für die TV-Macher dürfte die Angelegenheit aber noch nicht vom Tisch sein. Verärgerte Zuschauer sollen dem Vernehmen nach zu einer Spontandemonstration vor dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin aufgerufen haben. Na dann sollte man doch auch gleich den Fernsehgarten beim ZDF auf dem Mainzer Lerchenberg stürmen, und in Köln die rtl Zentrale okkupieren.

PS:Das ZDF Heute Journal berichtete auch nur nebenbei. Die Wettervorhersage war da schon informativer und realitätsbezogener.

so long – humanicum


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