Sexismus und Gewalt

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Der Kompagnon des Busfahrers hat eine Musik-DVD eingelegt. Die ersten Passagiere beginnen froh gestimmt mitzusingen. Ich suche hektisch meinen MP3-Player.

Die Musikvideos … nein, ich störe mich nicht an nackten Menschen, weder an Prostitution noch Pornographie – insofern der, der das macht, freiwillig macht. Im Gegenteil, wir sollten uns alle ein bisschen mehr ficken … äh … Nun die Videos: In der Regel handelt es sich bei dem Sänger – wie der Genus schon erahnen lässt – um einen Mann. Das Alter ist nicht wichtig, Mann! Ist! Mann! Der Körper des Mannes ist immer komplett bekleidet. Ab und zu darf er seine behaarte Brust, mit dem darin verhedderten Rosenkranz, zeigen. Hemdsärmel sind den Umständen entsprechend auch erlaubt. Bei den Jüngeren ist wichtig, dass sie nach der aktuellen Mode gekleidet und frisiert sind. Die älteren Semester tragen gewöhnlich dezente Anzüge und zentnerschwere Tränensäcke. Obwohl es sich bei dieser Musik nicht um das Genre Punk handelt, sind musikalische Fertigkeiten zweitrangig: Es wird also in sämtlichen Tonlagen gesungen. Der Sänger wird meistens von einem Musiker – auch Mann – begleitet. Dieser lächelt. Ununterbrochen. Immer. Er könnte den Soundtrack für Spiel mir das Lied von Tod spielen – er würde lächeln. Wie ein auf Pappmaché gemalter Clown. Das ist überraschend, denn die Themen sind äußerst ernster Natur: Es geht um die verpasste Liebe, die verschmähte Liebe, die unerfüllte Liebe, die tote Liebe, die gefährliche Liebe, die geliebte Liebe, die verhasste Liebe, die verwünschte Liebe, die nicht erwiderte Liebe usw. … Hintergrundkulisse dieses hirnamputierten Gesaiers sind vornehmlich menschenleere malerische Strände, auf denen weiße Schimmel vorbei galoppieren, menschenleere malerische Parks, in denen traurig dreinblickende Hunde Stöckchen hinterherhecheln, menschenleere malerische Wälder – immer im Herbst oder Winter – über die dunkle Vögel ziehen. Das alles ist selbstverständlich mit dem Filter „Weichzeichner“ bearbeitet worden. Die Jungen tanzen – wild wie sie sind – des öfteren auch in Springbrunnen, Pools, oder, weil Fußball in Kolumbien so ungemein populär ist, auch in Stadien. Hauptsache Liebe. Und die ist bekanntlich überall auf der Welt zu finden. Nein, es würde mich nicht überraschen, würden die großen Gesangstalente auch in einem Kohleheizkraftwerk plärren. Nun zum eigentlichen Thema: Frauen. Sie sind doch der eigentliche Antriebsmotor unserer Zivilisation! Ohne Frauen kein Sex! Und, Männer, Hand aufs Herz, ist es nicht die Aufsicht auf eine heiße Nummer, die uns zu Höchstleistungen antreibt? Ich meine jetzt keine Telefonnummer. Seien wir ehrlich: Ohne das schwache schöne Geschlecht, würden wir noch immer in unserer Höhle herumfurzen und Mammuts jagen. Ohne Frauen keine Malerei, keine Demokratie, keine Mülltrennung, keine zum Mond fliegenden Raketen, keine Formel 1, keine Teilchenbeschleuniger, keine Opern, keine Liebesgedichte, kein Henry Miller, keine Stützstrümpfe, keine Penisvergrößerungen, keine Gotteshäuser … Frauen dürfen in diesen cineastischen Geniestreichen also nicht fehlen! Diese sind im Gegensatz zu den männlichen Amöben aber grundsätzlich nie älter als 25 und immer leicht bis fast gar nicht bekleidet – wäre doch aber auch wirklich schade, um die weiblichen Reize, mit denen sie so subtil kokettieren. Ist der Körper dieser Frauen doch aber auch das Einzige was sie haben. Im Unterschied dazu fährt der enttäuschte, die Frau nicht verstehende Mann, dicke Autos, schnelle Motorräder, besitzt großzügige Fincas, zwölf Haustiere sowie alles andere Käufliche, Materielle. Und schließlich, wer schön ist, der braucht den Mund nicht aufzumachen. Die Frauen also lächeln. Immer. Ununterbrochen. Es reicht, wenn der Mann spricht.

87 % der kolumbianischen Bevölkerung sind Katholiken. Ich wüsste gerne verlässliche Zahlen zur Schönheitschirurgie.

Danach wurde ein Film mit dem äußert tiefsinnigen Titel Blood and Bones eingelegt, wo sich degenerierte Schwarze aus dem Knast gegenseitig die Fresse blutig schlugen. Dass ein Dutzend der Passagiere Kinder waren, schien diese Halbaffen nicht zu stören.



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