Seniorengerechtes Einkaufen?

Mit 61 Jahren zählt Opa eindeutig zur Generation 60+. Und für diesen Personenkreis gibt es ein Seniorensiegel, das im November 2011 als „das neue Gütesiegel für ein seniorengerechtes Einkaufen“ gepriesen wurde. Es soll, so die Zielsetzung „sowohl der zunehmenden Zahl von Senioren in Deutschland mehr Sicherheit und Orientierung beim Einkauf geben, als auch den Einzelhandel motivieren, die Generation 60+ stärker in den Fokus ihrer Unternehmensphilosophie zu rücken.“ Zum Erwerb des Siegels SENIORENGERECHT muss ein Fragebogen ausgefüllt werden, der u.a. folgende Fragen enthält: Sind eigene Kundenparkplätze vorhanden? Werden Sonderparkplätze z.B. breitere Behindertenparkplätze angeboten? Sind die Fußwege zum Geschäft eben und barrierefrei? Sind die Fußwege zum Geschäft ausgeschildert? Ist mindestens ein Zugang zum Geschäft ebenerdig? Ist mindestens eine Kundentoilette vorhanden? Ist mindestens eine Kundentoilette barrierearm? Gibt es Sitzmöglichkeiten oder einen Ruhebereich? Sind Wegweiser und Orientierungshilfen vorhanden? Ist der Boden rutschfest und spiegelfrei? Bereitstellung von Einkaufswagen mit integrierter, fahrbarer Gehhilfe? Gut lesebare Produktbeschilderung und Preisdeklaration vorhanden? Welche Schriftgröße wird verwendet bei Grund- bzw. Endpreisausschilderung? Ist die Preisausschilderung kontraststark? Sind Kleinpackungen für Singlehaushalte im Sortiment vorhanden? Wird die Ware/das Sortiment oft umgeräumt? Ist das Service- und Verkaufspersonal im Umgang mit Senioren geschult? Gibt es einen Bestell- oder Lieferservice? Für die Bewertung von Online-Shops wollen die Seniorensiegel-Bewahrer u.a. wissen: Ist die Seite klar strukturiert (Usability)? Ist ein ausreichend starker Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund vorhanden? Wird eine gut lesbare Schriftgröße verwendet (evtl. skalierbar)? Wird eine verständliche Sprache verwendet (einfaches, gut verständliches (Deutsch)? Werden verständliche Symboliken wie z.B. Piktogramme verwendet? Wird der User „gesiezt“? Werden Fachtermini weitestgehend vermieden? Sind die Links im Text unterstrichen? Werden wichtige bzw. relevante Inhalte optisch hervorgehoben? Ist eine telefonische Service-Rufnummer vorhanden? Fragen über Fragen, bei denen ich mich wiederum frage: Was soll ich (dazu) sagen? Die allermeisten Fragen sind vermutlich ebenso interessant für die Genration 60-. Jedenfalls hätte ich mich auch schon mit +-50 Jahren gefreut, wenn ein Geschäft die Fragen positiv hätte beantwortet können.

PS: Ach, was ich fast vergessen hätte, üblicherweise fallen für die Nominierung und uneingeschränkte 36-monatige Nutzung des Siegels Kosten in Höhe von 198,00 Euro bzw. 998,00 Euro an. Was die Kosten für das Siegel TRANSPARENTES UNTERNEHMEN sind, wollen Sie gar nicht wissen. Oder doch?


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