See you next Tuesday

Manchmal ist der erste Eindruck der Richtige. In See you next Tuesday schildert Drew Tobia das ungeschönte und manchmal auch abstoßende Bild einer schwierigen Person in problematischen Verhältnissen.

Mona (Eleanore Pienta) ist hochschwanger, Pleite und praktisch allein in New York. Sie arbeitet als Kassiererin in einem Supermarkt in Brooklyn und hat keine Freunde außer ihrer Mutter May (Dana Eskelson). Ihr Apartment ist ein Dreckloch und auch sonst hat New York ihr nichts zu bieten. Mit dem Fortschritt ihrer Schwangerschaft wird Mona immer angespannter, bis ihr der Kragen platzt und sie ihren Job hinschmeißt. Am selben Tag wird ihr das Apartment gekündigt. Die einzige die ihr jetzt noch helfen kann ist ihre Schwester Jordan (Molly Plunk), die mit ihrer Freundin Sylve (Keisha Zollar) in einem kleinen Loft lebt. Doch auch die beiden sehen sich überfordert damit, auf Monas Anfälle Rücksicht zu nehmen, besonders nachdem sie sich auf einer Party daneben benimmt.

See-you-next-Tuesday-©-2014-Viennale(1)

Zu Beginn hat man noch Mitleid mit Drew Tobias Mona – sie scheint wie jemand der vom Leben extrem schlechte Karten bekommen hat und dann zusätzlich noch schwanger geworden ist. Doch im Laufe des Films wird schnell klar, das nicht nur alle Leute mit denen Mona zu tun hat, extrem unfreundlich sind – es liegt daran das Mona selbst eine C U (N)ext (T)uesday ist. Mit ihren Stimmungsschwankungen, merkwürdigen Anfällen und allgemein eher sozialunverträglichen Persönlichkeit ergeben die harschen Reaktionen ihrer Umwelt plötzlich mehr Sinn. Im modernen New York pleite und ohne Ziel zu sein erscheint als genauso deprimierend wie es klingt. Auch ihre Schwester Jordan und ihre Mom May leben ein zielloses Leben. Jordan hat dabei den Vorteil, mit Sylve liiert zu sein, die als einzig reale Person in einem Sammelsurium aus Ticks und Verhaltensweisen heraussticht.

Während die ganze Handlung sehr bedrückend und auch verstörend ist, kann Monas Wahnsinn durchaus interpretiert werden. Erst im neunten Monat der Schwangerschaft wird ihr klar, dass das Leben was sie ihrem Kind bieten kann noch schlechter sein wird als das eigene. Ihr Zusammenbruch wird danach beinahe verständlich, doch die Tatsache, dass sie nicht in der Lage gewesen wäre eine Abtreibung zu bezahlen, kommt dazu.

See-you-next-Tuesday-©-2014-Viennale(3)

Keine Wahl zu haben bekommt in diesem Zusammenhang eine ganz andere Bedeutung. See you next Tuesday beschäftigt sich mit den Beziehungen und Problemen von Frauen untereinander und zeigt dabei ein ungeschöntes Bild der typisch verkorksten Familienstruktur. Abwesende Männer – abwesende Väter – klingen durch den ganzen Film und verdeutlichen einmal mehr welchen Einfluss ihr Fehlen haben kann. Eleanore Pienta ist ebenso charismatisch wie unerträglich in ihrer Darstellung von Mona.

See you next Tuesday vermischt das unangenehme Gefühl bei einem Unfall nicht wegschauen zu können mit einer laufenden Werbung für Geburtenkontrolle. Obwohl in jeder Hinsicht drastisch, ist er dennoch auf den Punkt gebracht und lässt dem Zuschauer keine Pause. Die Schauspielerinnen holen alles aus ihren Figuren heraus und verzeihen sich nichts. Der Film als solcher ist hervorragend – aber ganz sicher nichts für schwache Nerven.

Regie und Drehbuch: Drew Tobia
Darsteller: Eleanore Pienta, Dana Eskelson, Molly Plunk, Keisha Zollar
Filmlänge: 82 Minuten, gezeigt im Rahmen der Viennale 2014


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