Schwedische Steinmauern

Wir haben in unserem Garten eine wunderschöne Steinmauer. Die gab es sozusagen beim Kauf des Hauses gratis dazu. Sie ist einfach herrlich – und jedes Mal wenn ich sie sehe, denke ich daran, was für eine Heidenarbeit es gewesen sein muss, sie zu bauen:

Schwedische Steinmauern

Die Steine wurden bei dem Urbarmachen des Landes vom Grundbesitzer in mühevoller Kleinarbeit vom Acker geschleppt und dort zu diesen Mauern aufgeschichtet. Man kann manchmal mitten im tiefsten Wald auf solche Mauer treffen – sie sind stummes Zeugnis dafür, dass an jener Stelle vor vielen Jahren Ackerbau betrieben wurde.

Unsere Mauer wurde von Gustav erbaut, dem Mann der unser Haus in der Zeit von 1924 – 1929 mit seinen eigenen Händen errichtet hat. Er arbeitete tagsüber in der örtlichen Papierfabrik, baute abends sein Haus und betrieb nebenher auf dem Grundstück noch eine Gärtnerei  – die Früchte verkaufte er am Wochenende auf dem Markt um Geld für das Baumaterial zu verdienen. Dem Mann kann wirklich nicht besonders langweilig gewesen sein.

Aber zurück zu den Steinmauern. Eigentlich sind sie eine direkte Folge der großen Umverteilungen des Grund und Bodens in Schweden im 17. und 18. Jahrhundert. Vorher besaß nämlich jeder Bauer, aus Gründen der Gerechtigkeit, nur ein kleines Fitzelchen von jedem Acker. So sollte gewährleistet werden, dass jeder den gleichen Anteil an fruchtbarem oder nassem, felsigem oder trockenem Land hatte. Dies führte allerdings dazu, dass die Bauern weite Anfahrtswege in Kauf nehmen mussten, denn ihre Äcker waren oft über das ganze Kirchspiel verstreut. Dies wurde mit schrittweisen Reformationen geändert, so dass nach der großen Umverteilung der Grund und Boden mehr zusammenhängend war.

Nach diesen großen Bodenreformen wurde es dann notwendig, die Grenzen deutlicher zu markieren. Dies geschah zum einen mit sog. Gärdesgårdar, was aber an manchen Stellen zu Mangel an geeignetem Holz führte, da man ja nicht Unmengen von jungen Bäumen für den Zaunbau abholzen konnte.

Man begann also, das Baumaterial, das ohnehin auf den Äckern vorhanden war, zu benutzen.

Schwedische Steinmauern

Diese Mauern sind „kalt“ gemauert, das heißt ohne jeglichen Mörtel. Die Steine sind so gewählt, dass sie wie ein Puzzle ineinandergreifen und sich dabei gegenseitig stützen. Die älteste Form der Steinmauern ist die sog. „enkelmur“ also „Einfachmauer“, die aus großen Stützsteinen als Basis besteht und viele kleine Steine hat, die oben drauf gestapelt werden. Diese Mauern sind recht wackelig – ein Effekt, der durchaus gewollt war: durch die losen, leicht herabfallenden Steine lernten die Tiere auf der Weide, sich von den Mauern fern zu halten.

Unsere Mauer ist eine „dubbelmur“, also „Doppelmauer“, deren äußere Hülle aus groben Steinen besteht, während die Zwischenräume mit kleineren, unsichtbaren Steinen gefüllt ist. Die Oberseite ist fast vollkommen gerade und wunderschön mit Moos und Kriechpflanzen bewachsen:

Schwedische Steinmauern

Diese Mauern sind übrigens geschützt, man darf sie nicht einfach abreißen. Aber warum sollte man das auch tun? (Und vor allem: wohin mit all den Steinen?)

Wer mehr über diese schönen Mauern wissen möchte, findet Informationen hier und hier.



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