Schwedisch einkaufen.

In einem schwedischen Supermarkt geht es oft ein bisschen zu wie in einem Altersheim: Menschen mit leerem Blick schlurfen, an ihren Rollwagen geklammert, die Gänge auf und ab und bleiben zwischendurch unvermittelt mitten im Gang stehen um sich im Zeitlupentempo an der Nase zu kratzen, ein Taschentuch hervorzunesteln oder die ausgestellten Waren in den umliegenden Regalen mit der gleichen sachlichen Neugier zu betrachten wie einen Van Gogh-Druck an einer Heimflurwand.

Ich persönlich habe mir auch nach vielen Jahren in Schweden noch nicht die deutsche Einkaufs-Effizienz abgewöhnt und daher ist jeder Supermarktbesuch eine echte Herausforderung. Es beginnt in der Regel schon im Eingangsbereich, in dem ich mich regelmäßig zwischen jungen Müttern und ihren Großformats-Einkaufwagen in der elektrischen Glasdrehtür verkeile, weil sie dort in aller Ruhe die Sonderangebote im Prospekt studieren und vergessen, dabei die Füße in Vorwärtsrichtung zu bewegen. Die Simultankapazität ist nämlich hier in Schweden eine sehr unterschätzte Fähigkeit, auf die ich in einem anderen Artikel noch einmal zu sprechen kommen werde.

Habe ich mich dann bis zum Gemüse vorgekämpft, werde ich in der Regel von einer Horde heulender Kleinkinder aufgehalten, die sich neben einem leeren Eimer auf dem Boden der Obstabteilung wälzen. Dieser leere Eimer enthält nämlich normalerweise (vermutlich mit krebserregenden Insektiziden behandelte und von ausgebeuteten südamerikanischen Tagelöhnern geerntete) Bananen, auf die schwedische Kinder in jedem Supermarkt ein ungeschriebenes Anrecht haben.

Ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zu einem erfolgreichen Wocheneinkauf ist die schwedische Supermarkt-Logik. Denn aus mir unerklärlichen Gründen gehören Ketchup, Senf und Majonäse hier zu unterschiedlichen Warengruppen und befinden sich daher in Regalen, die sich geografisch etwa so wie der Nordpol zum Südpol verhalten. Ketchup und Senf stehen Seite an Seite mit Trockenzwiebeln gleich neben den Bügelbrettern, Majonäse befindet sich jedoch aus irgendwelchen Gründen im Regal unterhalb des Olivenöls, bei den synthetischen Zitronensaucen. Dies führt dazu, dass ich schon seit Jahren kein Hotdog mehr mit Senf, Ketchup und Majo gegessen habe, weil ich die Suche nach der Majonäse meist nach ein, zwei Stunden aufgebe.

Erst neulich habe ich stundenlang die Reinigungsmittelabteilung durchkämmt, weil ich Kaffeemaschinen-Entkalker brauchte. Ich versuchte es erstmal auf eigene Faust, denn es ist mir ein bisschen peinlich, dass die Verkäufer in meinem Stammsupermarkt mich wie ein Kind in einem frühen Entwicklungsstadium behandeln, wenn ich wieder mal nicht finde, was ich brauche. Ich suchte bis mir fast die Augen aus dem Kopf fielen, dann ging ich kleinlaut zu einem Mitarbeiter und bat um Hilfe. Der schaute mich sehr lange mitleidig an und teilte mir dann mit, dass sich Kaffeemaschinen-Entkalker gleich nebem dem Kaffee befindet. Ist doch logisch. Oder?

Oder Kekse. Wo würden Sie nach Keksen suchen, Hand aufs Herz? Für mich sind Kekse Süßigkeiten und haben sich daher irgendwo in der Reichweite von Marshmallows, Schokolade und Lakritzbonbons zu befinden. Ha, falsch! Hier in Schweden gehören Kekse nämlich zur Abteilung „Kaffeebrot“ mit Betonung auf Brot und da liegen sie auch, schön eingebettet zwischen Finncrisp, Skorpa und Reiscrackern.

Wenn ich dann atemlos und mit dunklen Schwitzflecken unter den Armen an der Kasse stehe (in der Regel ohne Majonäse, Kaffeemaschinenentkalker oder Kekse), befällt mich jedoch eine tiefe, einlullende Ruhe. Denn das Bezahlen in einem schwedischen Supermarkt gehört zu den entspannten und angenehmen Teilen des Einkaufens. Aus Deutschland ist man es ja gewohnt, sich von einer schlecht gelaunten Kassiererin mit abblätterndem Nagellack zur Eile anpeitschen zu lassen, weil sie sonst die eingekauften Waren mit einem festen Tritt auf das Pedal für das Rollband zu einem riesigen Haufen zusammenschiebt. Nicht so hier. Man wird von einem wunderhübschen blonden Mädchen mit Pferdeschwanz freundlich begrüßt und niemand verlangt, dass man gehetzt seinen Einkauf in den Wagen schleudert.

Stattdessen kann man in aller Ruhe mit der hübschen Kassiererin über das Wetter plaudern, stundenlang die Kreditkarte in der Brieftasche suchen, sich am Kopf kratzen oder einfach nur mit leerem Blick die immer länger werdende Schlange hinter sich betrachten.

Soviel für heute, ich muss los. Einkaufen.



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