Schnuller oder Daumen? Was ist besser und wie ist das bei uns?

Schnuller oder Daumen? Was ist besser und wie ist das bei uns?

Schnuller oder Daumen ist wohl eine der Fragen, die für ziemlich viel Konfliktpotenzial sorgt, weil Mütter (und Väter) da sehr verschiedene Ansichten haben. Für die einen ist der Schnuller ein unnötiges Accessoire, das die Zähne kaputt macht und später mühsam wieder abgewöhnt werden muss, für die anderen die Rettung in der Not und unabkömmlich.

1. Warum saugen Babys so gerne?

Saugen ist ein Grundbedürfnis des Babys und hängt mit der Sicherung des eigenen Überlebens zusammen. Damit das Kind direkt nach der Geburt weiterhin mit Nährstoffen versorgt wird, muss es direkt in der Lage sein aus der Brust der Mutter (oder einer Flasche) zu trinken. Das Nuckeln geht jedoch weit über das Bedürfnis nach Nährstoffen hinaus und Babys nuckeln auch dann, wenn sie eigentlich satt sind. Der Grund dafür ist im Gehirn zu finden: hier werden „Glücks- und Wohlfühlhormone" ausgeschüttet, wenn das Baby an etwas nuckelt oder saugt.

2. Schnuller oder Daumen: Was sind Vor- und Nachteile?

Leider hat sowohl der Schnuller, als auch der Daumen seine Vor- und Nachteile. Viele plädieren dafür, dass es am Besten wäre, wenn ein Baby ganz ohne Schnuller und Daumen auskommt, dies ist jedoch oft eine utopische Wunschvorstellung. Wenn der Familienfrieden oder das Seelenheil von Mama, Papa und Geschwistern leiden, dann kann ein Schnuller oder der Daumen wahnsinnig entlastend sein.

Was die Hygiene angeht, ist es wohl egal, ob ein Kind den Schnuller oder Daumen in den Mund steckt: Den Schnuller kann man zwar sterilisieren, er fällt aber in den meisten Familien regelmäßig auf den Boden. Und wo die Hände unserer Kleinen überall stecken, das wissen wohl die meisten Eltern. Aber so ein bisschen Dreck reinigt bekanntlich den Magen 😉

2.1 Schnuller

Ein Schnuller hat zunächst den großen Vorteil, dass er nicht am Kind festgewachsen ist. Wenn Mama oder Papa den Schnuller nicht geben, dann ist er nicht verfügbar. Dadurch ist die Abgewöhnung vom Schnuller, nein, leider nicht unbedingt leichter, aber einfacher umzusetzen. Starke Nerven sind dabei dennoch meist von Nöten.

Dass der Schnuller nicht mit dem Kind verwachsen ist, ist aber gleichzeitig auch ein Nachteil: so kann es den Schnuller im Mund haben und hat dennoch die Hände frei. Schnullern während des Spielens ist also kein Problem.

Der Daumen ist (bekanntlich 😉 ) ein Körperteil des Kindes. Dadurch ist der Daumen stets verfügbar und wenn das Kind diesen einmal zum Nuckeln entdeckt hat, kann es schwer sein dem Kind zu vermitteln, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist. Den Daumen einfach der „Daumenfee" mitzugeben, ist in diesem Fall keine Lösung. Zumindest keine empfehlenswerte.

Auf der anderen Seite ist es nicht möglich, dass das Kind am Daumen nuckelt und gleichzeitig mit beiden Händen einer Aktivität nachgeht. Zum Spielen ist es somit meist so, dass der Daumen automatisch nicht im Mund steckt (oder immer mal wieder für kurze Zeiten, dann aber wieder herausgenommen wird).

2.3 Gar nichts von beidem?

Die Alternative zu Schnuller und Daumen ist klar: die Brust. Zum Einen stillt aber nicht jede Mama und zum Anderen ist nicht jede stillende Mama bereit ihre Brust für stundenlanges Dauernuckeln bereitzustellen. Nicht wenige Babys haben ein so extremes Nuckelbedürfnis, dass Brustwarzen schnell schmerzen oder gar wund werden. Da dies dann wiederum dass Stillen negativ beeinflusst, ist von solchen „Dauernuckel-Sitzungen" abzuraten, sobald die Mutter dies als unangenehm empfindet. Bevor am Ende abgestillt wird, weil die Mutter das Nuckeln an der Brust gar nicht mehr möchte, sollte doch über Alternativen nachgedacht werden. Ein bisschen Nuckeln und vor allem auch das „Cluster" ist dabei jedoch normal und es sollte nicht direkt auf einen Schnuller ausgewichen werden.

Was ist „Cluster-Feeding"?
Als „Cluster-Feeding" bezeichnet man es, wenn ein Baby (vor allem in den Abendstunden) extrem häufig an die Brust will. Viele Mamas schließen daraus, dass sie zu wenig Milch haben oder das Baby einfach nicht satt wird. Im Grund ist jedoch genau das Gegenteil der Fall: Durch das vermehrte Stimulieren der Brust produziert diese mehr Milch. Das Baby sorgt also durch das Clustern dafür, dass es genau das an Milch bekommt, was es benötigt. Solche Phasen können für Mamas sehr anstrengend sein, um das Gleichgewicht zwischen Milchproduktion und Babybedürnis nicht zu stören, sollte hier aber kein Schnuller oder anderer Ersatz angeboten werden. Eine Ausnahme liegt natürlich immer dann vor, wenn das Stillen Schmerzen verursacht und die Mama es absolut nicht aushalten kann. Sollten sich die Probleme über einen längeren Zeitraum hinziehen, ist eine Stillberatung sinnvoll.

3. Wie ist das bei uns?

Wir waren Anfangs absolute Schnuller-Gegner. Dann hat unser Babyjunge während einer 45-minütigen Autofahrt komplett durchgeschrien und uns war klar, dass das so nicht geht. Wir fahren schon extrem wenig Auto mit ihm aber komplett darauf verzichten, geht einfach nicht und das Dauerschreien dabei ist einfach nicht auszuhalten.

Wir haben also einen Schnuller gekauft und dachten (etwas blauäugig), dass das Baby den schon nehmen würde. Baby und Schnuller ist doch kein Problem! Tja, leider sah unser Baby das etwas anders und der Schnuller wurde stets vehement ausgespuckt. Wir haben dann einfach immer mal wieder den Schnuller angeboten und verschiedene Schnullerformen probiert.

Letztendlich wurde es bei uns der Schnuller von Philips. Eines Tages entdeckte der Babyjunge, dass man an dem doch prima nuckeln kann und seit dem geht es. Wir haben für den Schnuller jedoch zwei Regeln, die Finn und ich gemeinsam besprochen haben:

1. Den Schnuller gibt es nur zum Autofahren, schlafen oder wenn er wirklich mal ganz furchtbar drauf ist und wir nicht mehr können.

2. Vor dem Schlafen darf das Baby an der Brust dauernuckeln. Meist schläft er so ein, wenn er dann nochmal hochschreckt, gibt es den Schnuller. Mich stört das Dauernuckeln nicht und so bekommt er abends ein paar Extra-Kalorien, die unser Baby gut gebrauchen kann. Wenn er allerdings stundenlang nuckelt, nicht einschläft und es langsam echt schmerzhaft wird, gibt es natürlich den Schnuller.

Bei uns klappt das ganz gut aber mittlerweile bin ich nicht mehr so verblendet zu glauben, dass das an unseren Regeln liegt. Kinder sind einfach wie sie sind und bringen ganz viel mit, wir Eltern können oft nur lernen damit umzugehen. Wir haben in Punkto Schnuller Glück und unser Kleiner finde den zwar ok, liebt ihn aber nicht heiß und innig. Er kann auch ohne Schnuller schlafen und sich beruhigen. Wenn er schreit ist es auch so, dass Finn und ich ihn nur beruhigen können indem wir ihn tragen und schaukeln, der Schnuller wird in solchen Situationen erst angenommen, wenn das Baby wieder zufrieden ist.

4. Abgewöhnung

Egal ob man sich nun entschließt zum Schnuller zu greifen oder das Kind am Daumen lutschen zu lassen, am Ende muss beides ab einem bestimmten Zeitpunkt wieder unterbunden werden, wenn das Kind es sich nicht von allein abgewöhnt. Der richtige Zeitpunkt zum Abgewöhnen von Schnuller oder Daumen ist dabei nicht ganz klar. Bis zum dritten Geburtstag sollten Kinder spätestens ohne Nuckel auskommen, besser ist es (laut Kinder- und Zahnärzten) jedoch noch deutlich früher.

Die Abgewöhnung kann dabei sowohl beim Daumen, als auch beim Schnuller ganz unproblematisch laufen. Da das Saugbedüfnis irgendwann nachlässt, werden auch Schnuller und Daumen zunehmend uninteressanter. Leider ist dies jedoch nicht immer der Fall und es gibt Kinder, die sehr an ihrem Nuckel hängen oder das Daumenlutschen partout nicht aufgeben wollen. In solchen Fällen werden Eltern oft kreativ um den Kind den Abschied zu erleichtern (oder diesen anzustoßen): die Schnullerfee holt dann den Schnuller und hinterlässt ein Geschenkt, der Daumen wird mit einer ekelig schmeckenden Tinktur eingepinselt oder es gibt ein Belohnungssystem, bei dem das Kind belohnt wird, wenn es eine gewisse Zeit ohne Nuckeln auskommt.


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