Schnitzeljagd mit dem kleinen, grünen Freund (Teil 2)

Wo waren wir?

Ach ja, Dagobah! Doch bevor wir uns dahin begeben noch eine paar Worte zu Meister Yodas’ “Visionen”. Als Qui Gon sich ihm offenbahrt tut er dies nicht nur als Stimme, wie wir es bereits in AOTC gehört haben, sondern er manifestiert seine Präsenz auch dadurch, dass er Gegenstände und auch Yoda selbst mithilfe der Macht bewegt. Dies ist meines Wissens nach eine der ganz wenigen Situationen, in denen Machtgeister tatsächlich mit ihrer physischen Umwelt interagieren (zumindest solche der hellen Seite – zu den anderen kommen wir später noch). Ja, man mag einwenden, dass Obi-Wan als er Luke auf Dagobah seine “certain point of view” Geschichte erzählte auf einem Baumstamm “saß”, aber dies geschah meiner Meinung nach primär aus Gründen der Dramaturgie und der Kameraeinstellung (es hätte vermutlich seltsam ausgesehen, wenn der alte Ben fünf Minuten lang wie ein Prediger herumgestanden hätte und für einen Spaziergang durch die Sümpfe von Dagobah reichte der Platz auf der Sound Stage wohl nicht aus).

Insgesamt fand ich diese Szene irgendwie “spooky” (was sie wohl auch sein sollte), mir hätte Qui Gons’ Stimme auch gereicht.

Doch nun zu Yodas Reise. Zunächst ist an dieser bemerkenswert, dass R2-D2, der sonst immer hyperaktiv alle möglichen Aufgaben erledigt hier mehr oder weniger unnütz ist (sieht man davon ab, dass er den Jedi-Meister huckepack zu seinem Raumjäger trägt, als dieser aus dem Tempel “flieht”): immer wenn Yoda an einer Station seiner Reise ankommt, erklärt er dem Astromech, dass dieser ihn nicht begleiten kann, sondern beim Schiff warten soll, mehr hat er in den ganzen letzten drei Folgen der Serie nicht zu tun.

Und wer hätte damit gerechnet, dass Yoda tatsächlich vor Episode III schon mal auf Dagobah war? Doch auf der anderen Seite ist es auch nicht unlogisch, denn obwohl der Planet hier als ein Knoten der Macht beschrieben wird, ist es wohl nicht unbedingt der naheliegendste Ort (und das buchstäblich) um sich in ein selbstgewählte Exil zu begeben und darauf zu warten, dass Bail Organa bzw. Obi-Wan Kenobi jeweils ein Mitglied eines Zwillingspärchen zu ihm bringen, damit er es zu Jedi ausbilden kann. Und vermutlich ist es vielleicht gerade diese Stärke in der Macht, die es ermöglichte, dass Yoda über all diese Jahre von Sidious und seinen Schergen unentdeckt blieb.

Das und die Höhle unter dem Baum!

Als Luke in ESB den alten Jedi-Meister fragte, was ihn dort drinnen erwartete, antwortete dieser: nur was du mit dir nimmst. Insofern nimmt Yoda einen ganz schönen Rucksack in die Höhle mit, wenn man bedenkt welche Visionen ihm dort begegnen. Unter anderem sieht er darin den aus der finalen Episode III geschnittenen Tod von Shaak Ti im Jedi Tempel. Bedeutet dies nun, dass diese Szene letztlich doch cannon und damit der erste Teil von “The Force Unleashed” non-cannon ist?

Shaak Ti's Tod - der x-te

Shaak Ti’s Tod – der x-te

Als die Lichtpunkte, die mich übrigens an die Wisties aus dem ersten Ewok Film erinnern Yoda zum Höhelneingang führen, erklärt Qui-Gon, dass er dort Antworten auf seine Fragen finden wird. Aus meiner Sicht ist jedoch die einzige Antwort, die er dort bekommt, die, dass die Zukunft für die Jedi nicht gerade rosig ist, aber das hat er wohl vermutlich ohnehin schon vermutet…

Nach Dagobah reisen Yoda und R2 zu einem namenlosen Planeten im Zentrum der Galaxis (nein, nicht Python). Dort trifft er auf fünf Priesterinnen, ein Wesen, das es geschafft hat, seinen Geist nach dem Tod weiterbestehen zu lassen (wenn auch mit einer gewissermaßen fünf-fach gespaltenen Persönlichkeit) und das über ein ungeheures Verständnis der Macht verfügt. Tatsächlich enthielt die dritte Folge dieser Geschichte eine Szene, in der die Priesterinnen erklären, dass der Vater, der Sohn und die Tochter aus der Mortis Trilogie nur ein recht eingeschränktes Verständnis der Macht besitzen, diese Szene wurde jedoch letztlich herausgeschnitten. Diese Beherrschung der Macht auch über den Tod hinaus wirft die Frage auf, ob dieses Wesen ein Vertreter der Whills ist, jener mystischen Gruppe, die so alt ist wie SW selbst und von denen Qui Gon, gemäß dem Drehbuch zu Episode III gelernt haben soll, wie man ein Machtgeist wird. Interessanterweise dürfte diese Thema bei den Story-Besprechungen zu dieser Geschichte niemals zur Sprache gekommen sein, Dave Filoni geht jedoch davon aus, dass  die Priesterinnen nicht zu den Whills gehören.

Die Gesichter der Macht

Die Gesichter der Macht

Ich finde das schade, nicht weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Kerle aussehen, sondern weil ich keinen Grund sehe, eine weitere Fraktion von “Machtnutzern” zu erschaffen, ohne, dass dies unbedingt notwendig gewesen wäre. Ich für mich gehe davon aus, dass dieses Wesen ein Mitglied der Whills ist, solange mir niemand das Gegenteil beweisen kann.

Jedenfalls unterziehen diese Priesterinnen Yoda einer Reihe von Prüfungen, die jedoch nicht dazu dienen sollen, ihm beizubringen, wie man nach dem Tod weiterbestehen kann, sondern um festzustellen, ob er überhaupt würdig ist, dies zu erlenern. Letztlich ist der Ablauf und der Ausgang dieser Prüfungen weder sonderlich spannend noch überraschend. Nach kurzen Anfangsschwierigkeiten hat Yoda schnell heraußen, wie er sich verhalten muss und hat dann keine Probleme mehr die Prüfungen zu bestehen.

Yodas dunkle Seite

Yodas dunkle Seite

Ich möchte an dieser Stelle noch kurz auf eine Sache eingehen, da ich hierzu schon Verschiedenes gelesen habe: Ahsokas Auftauchen in der Szene im Jedi Tempel bedeutet weder, dass sie in den Orden zurückkehrt, noch dass sie durch die Operation Knightfall umkommt. Aber es war nett, sie noch einmal zu sehen und ihr letzter Satz: werde ich ein Jedi sein? hat mir gut gefallen. Genauso wie das Happy-Jedi Familienfoto.

Nein, das ist nicht Ahsokas Ende!

Nein, das ist nicht Ahsokas Ende!

Damit kommen wir zur letzten Etappe von Yodas Reise: der Planet, der fälschlicherweise den Namen Moraband bekommen hat, weil GL Korriban zu sehr nach Coruscant geklungen hat (mir persönlich klingt Mon Calamari zu sehr nach einem italienischen Gericht, aber ich bin halt auch nicht George Lucas). Natürlich hat der offizielle Grund – ein so alter Planet hat im Laufe seiner Geschichte mehrere Namen angenommen – etwas für sich (auch Österreich oder Deutschland hießen während der Römerzeit anders), trotzdem wird die Heimatwelt der Sith für mich immer Korriban sein.

Und damit sind wir schon beim nächsten Punkt, mit dem diese Geschichte dem EU auf die Zehen steigt: dem Aussehen von Darth Bane. Während er in den Büchern und Comics praktisch durchgehend als glatzköpfiger Muskelprotz dargestellt wird, der über große Teile seines Lebens in einem Panzer aus Orbalisken steckt, wird er hier als eine Art chinesischer Krieger dargestellt. Auch hier wird argumentiert, dass Bane ja im Laufe seines Lebens mehrere Rüstungen getragen haben kann und dies ist mindestens genauso lahm wie die Korriban/Moraband Geschichte.

Darth Bane in neuem Look

Darth Bane in neuem Look

 

Jedenfalls wird Bane im Original von Mark Hamill gesprochen, der bereits im letzten Sommer auf der Celebration Europe erklärt hat, dass er einen Darth “Irgendwer” in der Serie spielt. Wobei ich sagen muss, dass ich seine Stimme nicht erkannt hätte!

Und weil wir gerade bei Sith Geistern sind. Im Zuge der Ausstrahlung der Mortis Trilogie wurde bekannt, dass GL nichts davon hält, dass es diese gibt. Und auch wenn diese Aussage schon wieder dutzenden EU Quellen widerspricht, kann ich mich mit dieser Argumentation durchaus anfreunden, denn sie erklärt, warum die Sith so darauf versessen sind, ihr Leben zu erhalten, denn sie wissen, dass nach dem Tod nichts mehr kommt bzw. kommen kann. Die Nicht-Existenz von Machtgeistern der dunklen Seite bedeutet aber auch, dass die Sith Schlange, die Mini-Darth Revans, die um Yoda herumtanzen und letztlich auch Bane selbst von den Priesterinnen erschaffen wurden und keine Manifestationen der dunklen Seite sind.

Dies ändert sich erst, als Yoda die Kammer unter Banes Grab erreicht und dort auf einen dunkle-Seite Sifo Dyas und kurz darauf auf zwei durchaus lebendige, wenn auch nicht körperlich anwesende Sith Lords trifft. In diesem Zusammenhang erklärt Sidious, dass er die Chance sieht Yoda zu brechen, wobei mir nicht wirklich klar wird, was er damit meint. Denn hätte der Jedi-Meister Anakin nicht vor dem Absturz gerettet, so hätte dies wohl kaum bedeutet, dass er damit der dunklen Seite anheimgefallen wäre?! Schon eher ist es verblüffend, wie gleichgültig es Yoda hinnimmt, dass Anakin Dooku einfach den Kopf abschneidet. Nichtsdestotrotz sind die Kampfszenen zwischen Yoda und Sidious echt gut choreografiert und umgesetzt.

Prelude zu Episode III

Prelude zu Episode III

Bevor die Priesterinnen Yoda wieder nach Coruscant zurückkehren lassen sagt eine von ihnen: da ist noch ein Skywalker. Sie tut dies wohl kaum um Yoda auf die Idee zu bringen: hey, das wären cool letzte Worte! Bedeutet dieser ziemlich zusammenhanglose Satz vielleicht, dass die diese bereits wissen, dass Padme schwanger ist? Yoda selbst zeigt in diesem Moment jedenfalls keine wirkliche Reaktion.

Am Ende weiß der Jedi-Meister, dass er wohl für würdig befunden wurde, die Ausbildung zum Persönlichkeits-Erhalter-nach-dem Tod beginnen zu dürfen und dass es wichtigere Dinge gibt, als einen Klonkrieg zu gewinnen.

Und damit sind wir schlussendlich wieder bei den Fragen, die diese Geschichte aufgeworfen hat. Wie etwa diese:

Wenn Qui Gon Yoda auf diese Aufnahmeprüfung geschickt hat, hat er diese dann selbst auch absolviert? Und woher wusste Obi-Wans Meister überhaupt davon? Und was hat er wohl in der Höhle auf Dagobah gesehen?

Oder diese:

Muss sich auch Obi-Wan diesem Ritual unterziehen? Hat er irgendwann in seinem selbst gewähltem Exil auf Tatooine den Wüstenplaneten verlassen und hat Dagobah, den Planeten der Priesterinnen und Korriban bereist? Und was muss er erst in der Höhle gesehen haben? Einen halb verkohlen Anakin, der ihm “Ich hasse dich!” entgegenbrüllt? Hat er dort vielleicht sogar erfahren, dass in der schwarzen Rüstung sein ehemaliger Schüler steckt?

Und natürliche gibt es auch noch viele ungeklärte Fragen in Bezug darauf, wie die Ausbildung, die Yoda und Obi-Wan von Qui Gon erhalten haben genau abgelaufen ist, denn wirklich in der Praxis ausprobieren kann man die Früchte dieses Studiums ja nicht, bzw. nur ein einziges Mal…

Aber da dies schon wieder recht lang geworden ist wenden wir uns zum Abschluss noch ein letztes mal den Kleinigkeiten dieser Geschichte zu:

  • Nach der Yoda/Mace Geschichte erleben wir hier den zweiten Auftritt von Oppo Ranchs in der Serie.
  • Als Yoda auf dem Priesterinnen-Planeten von “Pilz” zu “Pilz” hüpft, erinnert dass an ein Nintendo Super Mario Spiel.
  • Diese Geschichte macht – wenig überraschend – häufig vom Yoda Thema gebrauch, daneben kommt jedoch auch das Force-Theme und ein kleines Stück aus “Battle of the Heroes” vor.
  • In einer Stelle wird Yoda als little green one bezeichnet. In ROTS nennt Sidious Yoda my little green friend.
  • In der von Sidious geschickten Vision stirbt Dooku genauso wie auf der “Invisible Hand”, was Dookus entsetztem Blick kurz bevor sein Kopf rollt eine zusätzliche Bedeutung verleiht. Ich frage mich, ob er wohl auf Sidious beleidigt war, dass dieser ihn in seiner Vision hat sterben lassen.
  • Dookus Landung auf Coruscant ist eine fast identische Kopie seiner ebendortigen Ankunft am Ende von Episode II.