Santa Monica – Part II

Santa Monica – Part II1 ½ Tage sollten wir haben, bis der Flieger in die Heimat zurück ging. Da Zeit relativ ist, war das sowohl ganz schön lang (ich hatte Heimweh, später mehr) als auch extrem kurz für eine Megacity wie Los Angeles. Was tun, was anschauen, wohin gehen?

Zunächst einmal waren wir froh, den Eiskammern des Hotels zu entkommen und die Strahlen der, wirklich warmen, Sonne zu genießen. Wir hatte uns nicht auf diese Temperaturen (zwischen 18-25°Celsius) eingerichtet und so habe ich mir einen Alternativ-Schuh gekauft. Nach dem vielen Sitzen war uns nach gehen und so lag ein Strandspaziergang nahe.

Santa Monica – Part IIMit großem Engagement und einem grenzenlosen Patriotismus wurde der Veterans Day zelebriert gefeiert, vormals für die Veteranen des 1. Weltkrieges gedacht, nun denkt man auch an die, die in Afghanistan und im Irak waren. Uns ist derlei ja fremd, das Erbe wiegt noch immer schwer und ein solcher Patriotismus will bei mir nicht entstehen.

Santa Monica – Part II

Von einem militärisch anmutenden Hotspot zum nächsten – offenkundig treibt die Fitnesswelle eigenartige Blüten. Gar zu amüsiert und doch befremdet waren wir beim weiteren Gang entlang des Muscle Beach. Aberhunderte, mehr oder weniger sportlich Aussehende unterzogen sich einer Art Zirkeltraining mit Drill Instructor. Lautstark wurden die Teilnehmenden zur Sau gemacht, um hernach ihre Füße noch tiefer in den Sand zu treten und sich noch ein paar Liegestütz abzuquälen. Bloß schnell weiter!

Santa Monica – Part IINaja, wir waren eben auf dem Weg nach Venice Beach, an dem der ein oder andere Muskelmann seine “Karriere” startete. Es kam noch besser – es gibt Sitztribünen an den Outdoor-Muckibuden, für den geneigten Zuschauer. Der Weg am Strand nach Venice ist an sich schön und wird von vielen gerade am Wochenende genutzt, spazieren gehen, skaten, rollerbladen und was es so alles gibt. Das führt jedoch dazu, dass sich, mit Verlaub, Halbweltgestalten niederlassen, um billigen Plaste – Ramsch (Made in China) als vermeintliche Souvenirs zu verkaufen.

Santa Monica – Part IILeider ist das keine Seltenheit. Man kennt das aus anderen Ländern, anderen Orten, an denen reichlich Touristen anzutreffen sind. Mich macht das wütend und ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut, wenn ich sehr direktiv aufgefordert werde, mein Geld unter die Leute zu bringen.

Venice Beach an sich hat uns nicht vom Hocker gehauen, kaum verlässt man die schick hergerichtete Strandstraße, liegen die Straßen fad, dreckig und grau da. Kein Glanz und Gloria. Nicht, dass wir den erwartet hätten aber der Gedanke von mehr Schein als Sein trat in dem Moment (nicht zum ersten Mal) auf. Schockiert hat uns die Vielzahl der Obdachlosen, nicht so sehr die Zahl an sich (es ist schockierend aber wir wissen, dass es Realität ist – wir kommen schließlich nicht vom Mond). Wir sind zu der Annahme gekommen, die Stadt lässt sich was einfallen, um den Anblick etwas “wohlgefälliger” zu gestalten.

Santa Monica – Part IINahezu alle Obdachlosen waren mit Rollkoffern unterwegs, soll wahrscheinlich aussehen als wären sie Reisende durch die Stadt der Engel…

Ein Kleinod fand sich doch noch in Venice – der Abbot Kinney Boulevard ist eine Straße voll mit kleinen Galerien, hübschen Lädchen für Papier, Kunstgewerbe und einigen einladenden Cafés und Restaurants.

So landeten wir im Intelligentsia und tranken köstlichen Espresso, genossen die Anwesenheit von sympathischen Mitmenschen und versöhnten uns ein wenig mit Venice.

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Und ja, wir haben eine Tour durch die Stadt gemacht. Um unser beider Nerven zu schonen, nicht mit einem Mietwagen sondern mit einem Bus. Da ging’s hübsch durch Santa Monica, Brentwood, Downtown LA und dann nach Hollywood.

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Ach Gottchen, wann wir aber auch immer unsere Kameras zücken sollten – da wohnt der und da die, in dem Haus starb… und dort sieht man oft… Brentwood war wirklich beschaulich und adrett, der Rest im wahrsten Sinne Traumfabrik, nicht unser Ding. Wir haben auch nicht das Hollywood-Sign fotografiert. Eigentlich war es mein Wunsch, im ehrwürdigen Chateau Marmont einen Cocktail schlürfen, das haben wir uns auch geschenkt, nachdem der Trubel in der City kein Ende zu nehmen schien.

Santa Monica – Part II

Ich hatte permanent das Gefühl, die Stadt zippelt und zupft und zerrt an mir, ein Overload an Geräuschen, Menschen, Gerüchen – einfach zuviel. Nein, ich habe weder soziale Angst noch bin ich agoraphobisch – ich hatte nur den Wunsch, nach Hause zu kommen. In mein kleines Europa, in mein vertrautes Europa.

Und da scheint mich wer erhört zu haben, True Food Kitchen hat alles rausgerissen!

Santa Monica – Part IIDort wird lokales, ökologisch nachhaltiges und nahrhaftes Essen angeboten. Wir waren beeindruckt! Es war eine Offenbarung! Ein flinker, freundlicher Service kannte sich bestens aus, Ryan, vielen Dank noch einmal! Sogleich wurde der Medicine Man geordert, ein frisches Getränk aus Cranberry – und Granatapfelsaft, Schwarztee, Sanddorn und Wasser – genau das richtige für meinen geschundenen Körper und mein angegriffenes Nervenkostüm.

Das Essen überzeugte, sodass wir zweimal dort waren. Erfrischend herb-säuerlich war das Olivello-Sorbet. Nach einigen Erklärungen und Nachforschungen stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine Art Sanddorn handelt – kam mir doch auch so vertraut vor, der Geschmack. Gutes Essen hilft mir immer wieder, mich gut zu fühlen, anzukommen und zu relaxen.

Santa Monica – Part IISanta Monica – Part IISanta Monica – Part II

Und dann gab’s noch einen kurzen Abstecher zum Farmers’ Market von Santa Monica. Der ist gut besucht und bietet allenthalben Variation.

Santa Monica – Part II

Alsbald hieß es Abschied nehmen. Eine beeindruckende, äußerst anstrengende Reise (den Jetlag haben wir nicht überwunden) neigte sich dem Ende. Die Food-Blogger-Welt ist eine freundliche, aufgeschlossene. Es spielt keine Rolle woher man kommt, es gibt einen gemeinsamen Geist, etwas, was stark verbindet – die Liebe zum Essen, zum Kochen und zum Geschichten erzählen. 

Darüber hinaus habe ich gelernt, dass meine Wurzeln hier mächtig stark sind. Dabei ist es weniger, dass ich mich als Deutsche fühle – eher europäisch. Die Erkenntnis selbst war nicht so neu aber das Gefühl war ein unbekanntes, ein neues, ein wohltuendes – ich weiß, wohin ich gehöre.


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