Ruhe und Klarheit im Dzogchen

von Mipham Rinpoche

Ruhe und Klarheit im DzogchenBloße Konzentration ohne Abzuschweifen selbst ist definitiv nicht das Verweilen in der wahren, grundlegenden Natur. Es gibt dann vier Ansätze für Unabgelenktheit, wenn ein Praktizierender die Praxis der Konzentration ohne Abzuschweifen bei Tag und Nacht rund um die Uhr praktiziert, wie folgt.

Ruhiges Verweilen ≠ Indifferenz

Zuerst ist geistige Ruhe überhaupt kein Zustand neutraler Indifferenz, entweder „unbestimmte Gelassenheit“ oder „dumpfe geistige Ruhe“ genannt, ein Verweilen in einem Zustand des Nichterkennens dessen, was geschieht oder was man macht. Wenn du nachher in einen Zustand zurückgekehrt bist, in dem du wieder mit Achtsamkeit wahrnimmst, dann wirst du nicht erkennt, was der Inhalt dieses früheren Zustandes, noch wie lange du darin warst. Während du darin warst, hast du dich selbst von allem in einem Zustand der Benommenheit abgeschnitten. Wenn du dich daran machst, mit dieser Art des geistigen Ruhens vertraut zu machen, dann solltest du ihn immer weiter und weiter entwickeln, bis du Tag und Nacht über damit vermischt bist. Je mehr du selbst daran gewöhnt bist, desto mehr wird sich dein Geistesstrom umwölken und eine Eigenschaft von Verschleierung und Dumpfheit im gegenwärtigen Leben aufweisen. Und auch wenn du Verdienst und Disziplin als Verbündete dabei hast, wird es dazu führen, dass du eine Geburt als Tier in Zukunft annehmen wirst, allerdings eines, dessen Geist den Einflussfaktor des gegenwärtig Verweilens aufweist.

Geistiges Ruhen als Wurzel

Zweitens, wenn du im Zustand der geistigen Ruhe nach dem Aufenthaltsort des Geistes suchst – d.h. du versuchst die drei Dinge wie Erscheinen, Verweilen und Gehen usw. zu prüfen – aber wenn du sie überhaupt nicht findest, dann wird dein Geist leer im Sinne des Freiseins von Geburt, Vergehen und Verweilen. Allerdings ist die Tatsache „leer zu sein“ noch nicht vollständig bestimmt worden, daher wird die geistige Ruhe als „bloße Achtsamkeit, bloßes Gewahrsein und bloße Klarheit besitzen“ bezeichnet.
Was hat es nun damit auf sich? Es wird gesagt, dass ein Auftreten von Glückseligkeit, das Einfluss auf das Erfahren nimmt, und dieser Einfluss des Erlebens ein klares Gewahrsein ist, das nicht beschrieben werden kann. Das ist geistige Ruhe und wenn du daran arbeitest und dich damit vertraut machst, dann wird sich das auch bei Tag und Nacht mit deiner wahren Essenz vermischen.
Jedoch ist diese wirkliche geistige Ruhe nicht das zeitlose Erkennen der durchdringenden, höheren Einsicht, nicht die Essenz des Geistes und keine Realisation. Sie ist die Wurzel aller weltlichen Arten von Konzentration und sie wird auch als „geistige Ruhe, die Ursache für durchdringende, höhere Einsicht“ bezeichnet. Weil die Große Vollkommenheit jedoch ein System ist, in dem Meditation innerhalb der Sicht kultiviert wird, gibt es in der Meditationsart von Rigpa’s „natürlicher Versenkung“ keine Notwendigkeit der bloßen Stille einer geistigen Ruhe und daher ist geistige Ruhe eine völlig entbehrliche Voraussetzung.

Allgrund

Drittens, was nun im Falle des Bewusstseins des All-Grundes Tag und Nacht über damit verbunden wird, so ist dies zu bedenken. Dieses frühere Erleben geistiger Ruhe, der ein klares Gewahrsein ist, hat sich nun aufgelöst und ist in ein weites, leeres Feld ausgedehnt worden. Diesem Feld fehlt die Ursache für das Greifen nach einem Ich. Am Ende wird Geübtheit in diesem Zustand dazu führen, dass du die ganze Zeit über rund um die Uhr damit verbunden bist. Diese lediglich zeitweilige Erfahrung einer Leerheit, ist weit, aber bloß leer. Diesem Weilen in Leere fehlt jegliche bewusste Eigenschaft der Klarheit eines selbstexistierenden Gewahrseins.
In allen drei Fällen ist es notwendig, eine Unterscheidung dabei zu treffen, egal was sie von gewöhnlicher Geist und Rigpa sonst sein mögen, sie sind nicht Rigpa, sondern gewöhnlicher Geist mit einem Aspekt des Ruhens.

Strahlende Klarheit

Viertens handelt davon, wie man die ganze Zeit über in strahlender Klarheit verbunden ist. Sobald das Festhalten an diesem früheren, gewaltig großen Feld bloßer Leere gereinigt ist, bricht die selbstentstandene Essenz des zeitlosen Erkennens, die wie die Sonne strahlt, durch. Diese Leerheit ist frei von allen geistigen Konstrukten und eben keine einseitige Leere. Dies ist wahres Gewahrsein, das im erkennenden Seins gründet und untrennbar davon ist. Es wird „zeitloses Erkennen“ genannt, weil es alles erkennt und es wird „Rigpa“ genannt, weil es ein unmittelbares Gewahrsein von allem darin hat. Man sagt, dass dieses zeitlose Erkennen von der Natur des ursprünglichen Gewahrseins des zeitlosen Erkennens ist. Dieser Erkennende des zeitlosen Erkennens, der anders als das gewöhnliche dualistische Geist ist, ist ohne die geringste Abhängigkeit von einem Objekt und ohne den geringsten Anteil eines Greifens und Festhaltens an wahrer Existenz und dieser ist als selbsterkennende Klarheit vorhanden, die genauso wie verschüttetes Quecksilber ist, das sich überall als winzige Tröpfchen ausgebreitet hat. Du kannst es „natürlich vorhandenes Gewahrsein“ nennen, es ist ein Synonym dafür.

Frei von Unwissenheit und Fixierung

Das ist es. Was diesen letzten wesentlichen Punkt der Praxis angeht, so sind weder der gewöhnliche Geist, der den Erfahrungsaspekt von bloßer Klarheit, von bloßem Gewahrsein besitzt, noch die raumgleiche, gewaltig große Leere, die überhaupt keinen Moment von Rigpa enthält, eine Hilfe. Daher müssen wir den gewöhnlichen Geist und das Gewahrsein frei von Unwissenheit und dualistischer Fixierung unterscheiden. Die Natur des Geistes ist so, dass sie mit ihren Objekten auf dieselbe Weise vermischt ist, wie Wasser mit seinen Teilchen verbunden ist. Festhalten und Anhaften an den Objekten so wie es geschieht, ist ein Greifen in tiefe Erstarrung. Wenn es kein Objekt gibt, dann können im Geist keine diskursiven, begrifflichen Gedanken geboren werden. Es ist mit einem Erscheinen und Vergehen von Moment zu Moment ausgestattet.
Das zeitlose Erkennen, welches Rigpa ist, hängt von keinem Objekt ab. Es ist gegenstandslos selbsterhellend. Es erkennt Objekte, aber es erkennt sie bloß und greift nicht nach ihnen. Da es nicht daran festhält und nicht in eine tiefe Erstarrung eintritt, weist es eine illusionsgleiche, traumgleiche Art des Erkennens auf. Die Dinge werden als das bloße Spiel oder die spontane Energie des Selbstausdrucks dieses ursprünglichen Gewahrseins des zeitlosen Erkennens erkannt. In Moment ihres Erkennens sind sie selbstbefreit im Erkennen, genauso wie eine Zeichnung auf dem Wasser. Daher verliert sich das zeitlose Erkennen selbst nicht in diesem bloßen Erkennen von Objekten, sondern erfährt sich selbst. Das gibt dir eine Grundlage, wie zeitloses Erkennen vom gewöhnlichen Geist unterschieden werden sollte.
Dies wurde aus dem Mund des gütigen Gurus vernommen.

Übersetzt vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus, 2015). Möge es von Nutzen sein!

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