Rezi: Das Ende von Alice

Rezi: Das Ende von Alice

AutorIn: A. M. Homes
Titel: Das Ende von Alice
Band: Einzelband
Verlag: Kiwi
Genre:
ISBN: 978-3-462-04381-5
Erscheinungsjahr:  April 2012
Seitenanzahl: 295Altersempehlung: ab 18 Jahren
Kaufpreis: 19,99€
Krümelanzahl: 4
Achtung !!! [FSK 18]
Erster Satz:
Wer ist sie, dass sie von dieser Lust belastet ist, dieser eigenartig erworbenen Neigung zum frischestens Fleisch, dass sie eine Geschichte zu erzählen hat, bei der einige von euch grinsen werden, andere jedoch grimmig wüten, dass dieser Albtraum, dieser Horror aufhören muss.
Inhalt:
Mehr als zwanzig Jahre sind vergangen, seit er für seine Sexualstraftaten ins Gefängnis kam. Nun, gepeinigt von den Insassen und erniedrigt von den Wärtern, sieht er seinen Sinn in dem Briefwechsel zu einem ganz besonderen Mädchen. Kurz vor der Schwelle zum Erwachsensein steht sie und suchte von sich aus den Kontakt zu ihm. Denn sie hat jemanden im Auge. Ihren kleinen Jungen, Matt, knappe 12 Jahre alt und so süß. Sie würde am liebsten über ihn herfallen, aber sie möchte es klug angehen. Also fragt das Mädchen ihn nach Tipps, wie sie ihren Knaben verführen kann.Endlich ist er wieder in seinem Element, fühlt sich geborgen in den gedanklichen Spielereien und Sehnsüchten des Mädchens. Nur zu gern lässt er seit langer Zeit seine Erinnerung auch mal wieder an Alice zurück schweifen. Seine Alice. Und wie Alice Ende kam. Sind die Zwei sich vielleicht ähnlicher als er denkt? Und kann er dem Mädchen helfen, ihren Jüngling rum zu kriegen, obwohl sie satte sieben Jahre älter ist?


Meine Meinung:
Die ungesunden Abgründe der Gesellschaft haben mich schon immer fasziniert. Nicht weil ich mich voyeuristisch über die Menschen lustig mache, sondern weil ich solche Abnormalitäten, wie sie allgemein genannt werden, interessant finde. Meiner Meinung nach sind das alles Leute wie du und ich. Es hätte uns genau so treffen können. Macht es uns zu besseren Wesen, dass wir das Glück hatten von einem schlechten Elternhaus, sexuellem Missbrauch, einer depressiven Magersucht oder einem späteren Burnout nicht verfolgt zu sein?! Die Menschen, die für ihre Neigungen oder Zwänge, Ticks und Krankheitsbilder vielleicht gemieden werden, können genauso wenig etwas dazu wie 'wir' dafür, dass wir es besser und gesünder haben. Wer weiß schon genau wer dazu gehört und wer vielleicht aus dem eigenen Umfeld betroffen ist?Homes hat ihr ein eindrückliches Werk geschaffen, dass zum einen zeigt, mit wieviel Selbstverständlichkeit Betroffene mit ihrer bspw. Neigung umgehen und zum anderen welch gewöhnliche Menschen sie eigentlich sind. Trotz der vor Perversion triefenden Worte empfand ich so etwas entfernt verwandtes wie Sympathie für den seit 23 Jahren inhaftierten Sexualstraftäter. Ein Verständnis ist es nicht, nein. Egal wie sehr so jemand Mensch ist, so kann ich solche Missetaten an Kindern nicht nachvollziehen. Aber nach und nach entblößte seine Geschichte Schlüsselszenen, die dem Leser klar machen, dass er nicht alleinschuldig ist an der Misere. Sowohl an dem, was der kleinen Alice widerfahren ist als auch an seiner pädophilen Leidenschaft. Doch die Geschichte zwischen unserem Erzähler Chappy und seiner Alice ist nicht der einzige Handlungsstrang des Romans. Im Vordergrund steht der Briefwechsel zwischen ihm und seiner 19jährigen Verehrerin. Abwechselnd berichten sie einander von ihren alltäglichen Geschehnissen. Er lässt einige peinliche Geschichten aus seinem Leben hinter Gittern weg, dafür weiß sie diese Lücken mit ihren abenteuerlichen Fantasien und Erlebnissen ihres Jungen zu füllen. Nur wir als Leser erfahren auch die Gedanken unseres Häftlings, seine Erfahrungen an einem Ort, wo die Männer aus Ermangelung an Frauen, einander genügen.Brilliant werden Chappys eigene Erzählungen nicht nur schrifttypisch, sondern auch bezüglich der Wortwahl von den Briefen des 19jährigen Mädchens auseinander gehalten. Ihre Briefe bekommen wir in kursiven Buchstaben zu lesen und zudem hat sie eine altersgerechte Sprache verpasst bekommen. Im Gegensatz zu ihr weiß der Gefangene um die Kunst der Sprache und weiß diese auch einzusetzen. Er begnügt sich nicht mit lakonischen Aussagen und datenreichen Fakten. Chappy schmückt seine lüsternen und gierigen Erinnerungen aus, beschreibt sie mit Synonymen und bedarf sich zahlreicher Stilmittel.

Ekelerregend, hässlich und penetrant!
Mit solchen wohlgewählten Worten schickt uns die Autorin auf die Spuren eines Übeltäters, dessen Vergangenheit verschmutzt ist, jedoch umso schneller aufgedeckt werden muss. Je dreckiger die beschriebenen Momente sind, umso wortgewandter gibt sich der Erzähler und weiß seine rethorischen Fähigkeiten gekonnt einzusetzen. Oft habe ich aufgrund der zu obszönen und entfremdenden Schilderungen überlegt, das Buch beiseite zu legen. Doch der Schreibstil fesselte mich, die Auflösung desw Rätsels zog mich in seinen Bann und ja, ich gebe es zu, ich wollte wissen, was Chappy mit der kleinen Alice angestellt hat! Keiner, der dieses Buch bis zur Hälfte hin durchhält, kann mir erklären, es hätte ihm nicht unter den Fingernägeln gejuckt, zu erfahren, was nun weiter passiert. Wäre dies eine der zahlreichen Erotikwerke inzwischen namhafter Autorin, die sich in jeder Buchhandlung gleich neben den klassischen Frauenromanen stapeln, so hätte ich die Geschichte sicher gelangweilt unangetastet zurück gelassen. Aber dies ist etwas ganz anderes. Hier wird kritisiert - an der Gesellschaft, der Politik, an dem Zeitalter der Anpassung und Massenbewegung. Wenn ein Mensch nicht funktioniert, wird er eben ausgesondert. So lautet der Grundsatz unserer Systems, wenngleich das kaum einer zugeben würde. Kinder werden in Rollen gedrängt, ihnen werden Masken aufgesetzt, die ihrer Persönlichkeit nicht entsprechen. Sie können sich nicht frei entfalten, weil die teilweise hinrverbrannten Erwachsenen ja die Vormunschaft besitzen. Und solange diese Erwachsenen nicht allzu auffällig werden, hat der Staat keinen Grund einzugreifen. Hier rede ich nicht einmal von Deutschland, auch nicht von dem Staat, aus dem diese Story stammt, sondern ich spreche von der Gemeinheit, von unserer Welt. Holmes greift hier keine einzelnen Menschen an. Sie beklagt sich darüber, dass jeder einzelne Mensch (Ausnahmen bestätigen die Regel) in dieses Zahnrad des Bösen und Blöden mit eingreift. Die Kinder, deren eigenes Ich nicht zugelassen wurde, werden irgendwann zu zerstörendem Sand im Getriebe. Jedoch nicht weil sie rebellieren, sondern weil sie zu einem Chappy werden, oder zu so einer 19jährigen, die auf einen kleinen Bubi scharf ist....
Ich möchte bei dieser Rezension gerne auf ein Zitat verzichten. Egal an welcher Stelle ich den Roman wahllos aufschlagen würde, mir sprünge eine Passage vor die Augen, für die es hier nicht der richtige Platz ist, sie zu veröffentlichen! Wen es reizt, genau so etwas zu lesen, der möge sich dieses wirklich gelungene Stück Literatur kaufen. Denn, ich sage es gerne noch einmal, die schriftstellerische Leistung von Holmes ist hier enorm!

In mir zehrt es nach einem abschließenden Wort der Schriftstellerin. Ein Statement ihrerseits fehlt mir. Ich würde gerne wissen, was sie dazu zu sagen hat, dass ihre Geschichte in den USA so skandalös verbreitet und verpönt wurde. Und außerdem interessiert es mich, wie sie es überhaupt geschafft hat, solche abartigen Fantasien zu entwickeln und aufs Papier zu bannen oder wer ihr im Zweifelsfall dabei geholfen hat.
Schlussendlich bleibt es offen, ob die Geschichte lediglich Chappys in die Jahre gekommenden Fantasie entspringen, oder sich in seiner Vergangenheit wirklich so zugetragen haben sollen. Zwar wird innerhalb eines gerichtlichen Termins der faktische Hergang noch einmal widerholt, jedoch wird von Seiten der Justiz hier natürlich nicht erwähnt, wem die erste Annäherung zwischen dem damals 31jährigen Mann und dem Mädchen zu verdanken ist und wieviel das Mädchend selbst zu dieser ominösen Beziehung beigesteuert hat. Wenn wir Chappy glauben wollen, ist dies ein Werk für alle Schuldigen wie Unschuldigen, für alle Kritiker sowie Befürworter - egal für welche Seite.

Mein Fazit: Ein gräuseliges Buch über die Abgründe, die Menschen dorthin treiben, wo sie verenden .. für die tolle Erzählstimme und die wahnsinnig realistischen Details: schaurig schlimme ~ 4 Krümel ~ 


Vielen Dank an den Kiwi Verlagfür die Bereitstellung dieseskriminellen Rezensionsexemplars!
Jimmy


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