[Rezension] So fremd, so schön

[Rezension] So fremd, so schön

Autor/in: Cornelia Franz
Verlag:
dtv
Seitenzahl:
224 Seiten
Genre:
Jugendbuch
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So viele Orte, seitdem er von zu Hause weg ist, so viele Menschen, so viele Gesichter, so viele Freunde, die er verloren hat. So viele Gefühle, die ihn zerreißen. So lange ist er schon unterwegs und immer muss er gehen, wenn er sein Herz für jemanden geöffnet hat.
- S. 213


Inhalt in einem Satz:

Als Joyce sich ausgerechnet in den unnahbaren äthiopischen Flüchtlingsjungen Elias verliebt, steht ihr geordnetes Leben plötzlich Kopf, denn Elias hat nicht nur mit seinen traumatischen Erinnerungen zu kämpfen, sondern ihm droht auch die Abschiebung in sein Heimatland.

Gerösteter Kaffee, gebratene Zwiebeln, Kerzen und Räucherstäbchen. Die halbdunkle, warme Hütte, in der sie alle schlafen. Glimmendes Feuer. Das Gesicht seiner Mutter.
Und so viele andere Bilder, Albtraumbilder, die ihn verfolgen, die er nicht sehen will, an die er nicht denken will. Es werden immer mehr, je länger er unterwegs ist.

- S. 13


Meine Meinung:

Zum aktuellen Thema Flüchtlinge kann es gar nicht genug Bücher geben! Ich finde es immer wieder toll, wenn Autoren es sich zur Aufgabe machen, über diese Thematik aufzuklären und bestenfalls dadurch das Verständnis und Mitgefühl der jugendlichen Leser zu fördern. Deshalb war mein Interesse für So fremd, so schön natürlich schnell geweckt und ich war sehr gespannt, wie Cornelia Franz die Problematik in dem Buch aufbereitet hat.

So fremd, so schön ist eine mutige Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen, die sich trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft Hals über Kopf ineinander verlieben. Die Annäherung der beiden entwickelt sich authentisch, und besonders überzeugen konnte mich, dass Joyce sich den Vorurteilen ihres Umfelds entgegenstellt und offen auf Elias und seine ebenfalls ausländischen Freunde zugeht. Sie erfüllt damit eine wichtige Vorbildfunktion für die jugendlichen Leser.

Die beiden Charaktere und deren Hintergründe sind von der Autorin gut herausgearbeitet worden. Obwohl So fremd, so schön nicht allzu viele Seiten hat, erhält man einen Einblick in den Alltag der beiden, und im Vordergrund stehen natürlich Elias’ aktuelle Ängste und seine schlimmen Erinnerungen, über die man in kurzen Rückblenden zwischen den Kapiteln einiges erfährt.

Auch Joyce hat zu Hause mit familiären Problemen zu kämpfen, die natürlich nicht mit Elias’ Sorgen zu vergleichen sind, aber sie zu einer verständnisvollen und einfühlsamen Person machen, bei der sich Elias geborgen fühlen kann. Manchmal kam mir Joyce jedoch sehr sprunghaft und ungefestigt für ihr Alter vor. Ist Elias gerade nicht verfügbar, lenkt sie sich sofort mit einem anderen Jungen ab, was sich die jungen Leser besser nicht von ihr abschauen sollten.

Ansonsten sind die beiden Protagonisten jedoch ganz sympathisch und interessant. Ich finde jedoch, dass man sie durch die wenigen Seiten und den schnellen Erzählstil der Autorin kaum kennenlernt und keinen richtigen Bezug zu der Geschichte aufbauen kann. Und das war für mich das große Problem bei So fremd, so schön. Ich hätte eine total dramatische Liebesgeschichte erwartet und gerne mit Elias’ harter Vergangenheit mitgefühlt, doch irgendwie blieb eine gewisse Distanz bestehen und trotz tiefgründiger Thematik kam für mich als Leserin nicht viel Gefühl herüber, was ja gerade bei so einem Buch fatal ist.

Einen großen Pluspunkt hielt die Geschichte für mich allerdings auch bereit, denn so seltsam es klingen mag: So fremd, so schön hat mir eine wichtige Lektion erteilt. Einer meiner ersten Gedanken beim Lesen war nämlich: Warum schreibt die Autorin hier über einen Äthiopier, wo doch derzeit Syrien ein viel größeres Thema ist? Wieso versucht sie nicht stattdessen, mit einem syrischen Protagonisten mehr Bezug zur aktuellen Situation herzustellen und einen Einblick in die Mentalität der Leute zu geben, die gerade zu Tausenden nach Deutschland kommen und vor einem schrecklichen Krieg fliehen müssen? Warum berichtet sie stattdessen über einen “Wirtschaftsflüchtling”?

Im Laufe der Geschichte habe ich dann aber begriffen, dass in Äthiopien zwar kein Krieg herrscht, aber ganz ähnliche Zustände der Armut, Unterdrückung und Gewalt, und dass man auch mal fernab der aktuellen Medienberichte blicken und das Bewusstsein dafür stärken sollte, dass in anderen Ländern derzeit teilweise genauso viel Elend geschieht, auch wenn wir hierzulande nur wenig davon mitbekommen. Sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge, die sich in Deutschland ein besseres Leben aufbauen wollen, werden hier ja leider noch weniger akzeptiert als Kriegsflüchtlinge, dabei brauchen auch sie ebenso dringend Hilfe und Asyl.

Ich bin unheimlich froh, dass es durch So fremd, so schön bei mir an diesem Punkt klick gemacht hat und ich durch das Buch von meiner total überholten, undurchdachten Meinung abgekommen bin. Denn genau das sollte ein gutes Buch doch machen: etwas beim Leser bewirken und Spuren hinterlassen. Und das ist der Autorin in diesem Fall gelungen. :)

“Wenn du wiederkommst, Elias”, sagt sie, “dann beschreibst du mir alles, was du gesehen und gehört hast, ja?”
“Ja”, sagt er, “wenn ich wiederkomme, tu ich das.”
Er versucht, so zuversichtlich wie möglich zu klingen. Natürlich kommt er wieder, es kann ja gar nicht anders sein.

- S. 173


Mein Fazit:
Ein eher leichtes, durchschnittliches Jugendbuch, das ganz gut an die Flüchtlingsthematik heranführt, aber leider weniger Emotionen und Tiefgang bereithält, als ich mir erhofft habe. Dennoch für mich ein großer Gewinn durch eine Einsicht, die es in mir bewirkt hat. Deshalb ist mir So fremd, so schön trotzdem 4 von 5 Sternen wert. :)

Bewertung: 📖 📖 📖 📖 (4/5)

Vielen herzlichen Dank an den dtv-Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!


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