[Rezension] Ich bin böse

[Rezension] Ich bin böseAnmerkung: Dieses Rezensionsexemplar wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese Kooperation hat allerdings keinerlei Einfluss auf meine ehrliche, unverfälschte Meinung.

Acht rauf. Noch mal vier rauf. Die Tür rechts.
Das Spielzimmer. So hat sie's genannt.
Wo schlimme Spiele gespielt wurden und es immer nur einen Sieger gab.

- S. 12


Inhalt in einem Satz
Als Tochter einer frisch überführten Serienmörderin sollte die junge Milly in der Obhut ihrer neuen Pflegefamilie endlich Schutz finden - doch als auch deren perfekte Fassade zu bröckeln beginnt, stellt sich die Frage, wie viel Milly noch ertragen kann, bevor sie zurückschlägt.

Wenn ich nicht schlafen kann, zähle ich keine Schäfchen, sondern die Tage bis zur Verhandlung. Ich gegen dich. Alle gegen dich. Am Montag in zwölf Wochen. 88 Tage, der Countdown läuft. Ich zähle vorwärts und rückwärts. [...] Ich weiß, dass es falsch ist, aber irgendwo beim Zählen beginnst du mir zu fehlen.
- S. 20


Meine Meinung
Dieses Buch macht dem Genre Psychologischer Spannungsroman alle Ehre. Wir lernen hier eine junge Protagonistin kennen, deren Mutter kleine Kinder entführt, gefangen gehalten und schlussendlich ermordet hat. Milly musste dies von klein auf miterleben, bis sie endlich den Mut fand, die Polizei zu informieren.

Der Psychologe Mike befasst sich mit Fällen wie Millys und entschließt sich, das Mädchen zu Hause bei sich, seiner Frau Saskia und deren Tochter Phoebe aufzunehmen. Dabei versucht er, Milly zu therapieren und auf die Gerichtsverhandlung vorzubereiten. Doch schon auf den ersten Seiten wird einem als Leser klar, dass Millys Probleme hier noch lange kein Ende finden. Schnell bemerkt man Phoebes Eifersucht auf die Neue in der Familie, und auch Saskia verhält sich merkwürdig. Die Situation spitzt sich langsam, aber stetig immer mehr zu, bis sich alles in einem großen Knall entlädt.

Wir lesen die Geschichte aus Millys Sicht und erhalten einen tiefen Einblick in ihre aufwühlenden Gedanken und Gefühle, die auf ungewöhlich harte, distanzierte Weise beschrieben werden. Doch keinen umfassenden Einblick. Denn trotz allen Mitleids können wir die Protagonistin niemals wirklich einschätzen, und das war für mich die große Besonderheit an Ich bin böse. Denn Milly fühlt sich nach allem noch immer in irgendeiner Weise ihrer Mutter verbunden und fragt sich, ob sie dieser nicht mehr ähnelt, als es ihr lieb ist.

Mit dieser Frage werden wir als Leser immer wieder konfrontiert, als Phoebe und ihre Freundinnen Milly an der neuen Schule systematisch das Leben schwer machen und als diese beginnt, sich durch kleine, subtile Streiche zu rächen. Hier passiert wirklich ein Großteil auf psychologischer Ebene, während die Story an sich mir großteils eher ruhig vorkam.

In den Schreibstil musste ich mich erst hineinfinden, denn dieses Harte, Distanzierte und etwas Abgehackte im Ausdruck ließ mich anfangs keine richtigen Zugang zur Protagonistin finden. Der Stil lässt sich schwer beschreiben, weshalb ich euch empfehle, erst mal in die Leseprobe reinzuschnuppern. Mich erinnerte er ein bisschen an den von Tahereh Mafi, nur ohne die berührende Emotionalität.

Komplett emotional mitreißen konnte mich Ich bin böse erst ca. im letzten Viertel, dann aber umso mehr. Zeitweise fehlte mir die Spannung, weil die geladene Stimmung sehr langsam aufgebaut wird, wie häufig in diesem Genre. Doch als dann die Gerichtsverhandlung begann, in der Milly Hauptzeugin sein würde, war ich endlich total gefesselt.

Dennoch finde ich, die Verhandlung hätte man mehr einbinden können, denn sie spielt wirklich erst gegen Ende eine größere Rolle. Irgendeine Form von Countdown, z.B. in den Kapitelüberschriften, hätte dem Buch meiner Meinung nach sehr gut getan. Nichts desto trotz war Ich bin böse ein beeindruckendes Leseerlebnis, das sich von klassischen Krimis oder Thrillern deutlich abhebt.

Das Gehirn eines Psychopathen unterscheidet sich von denen der meisten anderen Menschen.
Ich habe meine Chancen berechnet: achtzig Prozent Gene, zwanzig Prozent Umwelt.
Ich. Einhundert Prozent verkorkst.

- S. 90


Ein lesenswertes Buch mit subtiler, sich langsam steigernder Spannung, das sich auf die Psyche eines misshandelten Kindes konzentriert und dessen Emotionen auf ungewöhnliche Weise einfängt. Trotz kleinerer Schwachstellen für Fans des Genres auf jeden Fall empfehlenswert. :)

Herzlichen Dank an das Bloggerportal und an denGoldmann-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Bewertung: 📖 📖 📖 📖 (4/5)


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