[Rezension] Die Geschichte der Baltimores |Joël Dicker

[Rezension] Die Geschichte der Baltimores |Joël Dicker

Titel: Die Geschichte der Baltimores

Autor: Joël Dicker

Übersetzerinnen: Brigitte Große und Andrea Alvermann

Format: Hardcover

Preis: 24,00 €

Seitenzahl: 510 Seiten

Verlag: Piper

ISBN: 978-3-492-05764-6

Bewertung: 4 Sterne

Inhalt 

Bevor die Katastrophe die Familie einholte gab es die Goldmans aus Baltimore und die Goldmans aus Montclair. Talent, Geld, Erfolg, ein prachtvolles Heim und zwei begabte Söhne. Das war es, was die Baltimores vorzuweisen hatten. Die Montclairs waren sehr viel weniger glamourös und zu ihnen gehörte Marcus Goldman, der inzwischen ein erfolgreicher Schriftsteller ist. All seine Sommer verbrachte er bei den Baltimores und hatte das Gefühl, für sie wie ein dritter Sohn zu sein.
Acht Jahre nach der Katastrophe, beginnt Marcus nun, die Geschichte der Baltimores niederzuschreiben. Und erst jetzt kann er erkennen, was die wahren Gründe für all die schrecklichen Ereignisse waren.


Nachdem ich im Februar „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ gelesen habe war klar, dass Joël Dicker für mich die Neuentdeckung des Jahres 2020 sein wird. Ich habe die Geschichte sehr geliebt, konnte es kaum aus der Hand legen und deshalb habe ich dann recht schnell auch zu seinem zweiten Roman „Die Geschichte der Baltimores“ gegriffen. Und auch dieses Buch ist bei mir wirklich sehr gut angekommen.

„Die Geschichte der Baltimores“ ist gleichzeitig auch die Geschichte von Marucs Goldmans Kindheit. Den berühmten Schriftsteller kennt man bereits aus „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“, denn dort schreibt er die Geschichte seines Mentors auf. Dort erfährt man wenig über sein Leben vor dem College und Joël Dicker holt dies in seinem zweiten Werk nach. Er führt uns in die Familie Goldman ein.
Zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein können. Zwei Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite die Goldmans aus Montclair mit Marcus und seinen Eltern und auf der anderen Seite die Goldmans aus Baltimore. Sie sind reich, leben in einem großartigen Haus und haben zwei perfekte Söhne, die in Marcus Alter sind.
Als Kind verbringt Marcus seine Sommer in Baltimore bei seiner reichen Familie. Er möchte sich zugehörig fühlen, will selbst ein solch perfektes Leben führen. Seine Cousins lassen sich die Unterschiede zwischen ihnen nicht anmerken und das macht ihn umso glücklicher.
Hillel ist genauso alt wie Marcus, die beiden trennen nur wenige Monate. Er ist schmächtig, fast dürr aber überaus intelligent und forsch. Er scheint einfach alles zu wissen, kann sich sehr gewählt ausdrücken und kennt seine Rechte. Gleichzeitig hat er große Schwierigkeiten mit Autoritäten, wenn etwas nicht ganz so läuft, wie er es sich vorgestellt hat, dann verliert er jegliches Interesse, wird anstrengend und bockig. Hillel ist kein einfaches Kind und gleichzeitig doch liebenswert.
Woody ist in Wirklichkeit kein Goldman, sondern ein Kind, welches von seinen Eltern verstoßen wurde. Seine Mutter ist schon sehr früh abgehauen und sein Vater kümmerte sich nur sporadisch um ihn, bis er eine neue Frau fand und sich dann fast ganz von ihm zurückzog. Woody ist das komplette Gegenteil von Hillel. Er ist groß, kräftig gebaut und muskulös. Er ist nicht dumm aber keineswegs so intelligent wie sein Ziehbruder. Viele Konflikte, in die er gerät, löst er mit Gewalt, was ihn mehrmals in brenzlige Lagen bringt. Saul Goldman, Hillels Vater und ein guter Anwalt, hilft ihm immer und immer wieder aus der patsche, bis er den Jungen aufnimmt und ihm klarmacht, dass er sein Leben wegwirft, wenn er immer wieder straffällig wird.
Hillel und Woody verstehen sich blendend, sie verbringen jede Minute miteinander und gemeinsam mit Marcus bilden sie im Sommer die Goldman-Gang. Es sollen die schönsten Zeiten der drei sein, an die sich vor allem Marcus besonders gerne zurück erinnert.

Joël Dicker weiß, wie man einen Spannungsbogen aufrechterhält und bis zur letzten Seite spannt. Er gibt schon zu Beginn des Buches einen Hinweis auf die Katastrophe, die die Familie Goldman erschüttern wird. Man glaubt eigentlich zu wissen, worauf es hinauslaufen wird und doch wird man am Ende überrascht. Diese Geschichte ist nicht leicht zu lesen. Sie ist voller Freundschaft, Liebe aber auch voller Abhängigkeiten die, in meinen Augen, ungesunde Züge annimmt. Die Geschichte handelt von Loyalität, Eifersucht und Missverständnissen. Sie ist aber vor allem eines: unglaublich dramatisch und herzzerreißend tragisch. Dicker hat das Buch so aufgebaut, dass man nicht nur auf die Katastrophe hinsteuert, die sich 2004 ereignete, sondern auch erfährt, wie es danach weiterging und, ebenso wichtig wie das danach, was zuvor geschah. Und das auch sehr weit in der Vergangenheit, denn die Probleme der Familie Goldman, die von außen keiner sah, begannen schon sehr viel früher als in den 90er und 2000er Jahre. Das alles hat der Autor in perfekten Einklang gebracht und somit immer wieder Hinweise gegeben, was die Katastrophe auslöste, wie sie in Gang kam und was am Ende dabei herauskam. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit dieser Familie weiterging, die ich trotz ihrer Eifersüchteleien und Rivalitäten ins Herz geschlossen hatte. Denn seien wir mal ehrlich, wer ist nicht einmal eifersüchtig auf seine Geschwister gewesen? Wer hat sich nicht einmal das Leben seiner Cousins oder Cousinen gewünscht? Es gibt vieles, was man verstehen und nachempfinden kann. Man spürt die tiefe Verbundenheit, die vor allem zwischen Hillel und Woody geherrscht hat. Diese brüderliche Liebe zwischen ihnen konnte nie gebrochen werden, egal was auch geschehen würde und diese Tatsache hat mein Herz erwärmt.

Das Ende des Buches kam nicht komplett überraschend und doch irgendwie anders, als erwartet. Es war sehr viel tragischer, als ich es mir erhofft hatte und deshalb irgendwie umso schmerzhafter. Diese Familie, die unaufhaltsam in den Abgrund gezogen wurde, musste ich mit dem zuklappen des Buches verlassen. Ich habe den Schmerz gespürt, den Marcus Goldman beim Schreiben dieses Buches gespürt hat. Ich konnte die Traurigkeit beinahe greifen und das ist es, was, in meinen Augen, einen großartigen Roman ausmacht. Dennoch kann ich trotzdem keine 5 Sterne vergeben, weil es am Ende nicht an das erste Buch von Joël Dicker herankommt. Ich habe auch darüber nachgedacht, weshalb diese doch so schreckliche Familiengeschichte niemals Anklang im ersten Roman fand bzw. der erste Roman nicht ansatzweise in diesem Zweiten vor kam. Natürlich möchte der Autor sicherlich Spoiler verhindern, doch so hatte ich das Gefühl, es mit zwei völlig verschiedenen Marcus Goldmans zu tun zu haben, obwohl es doch der selbe sein sollte. Und auch wenn die Sogwirkung von „Die Geschichte der Baltimores“ ähnlich war, hat mir der letzte Funke gefehlt.

Fazit

Eine dramatische Geschichte einer Familie, die unaufhaltsam in eine Katastrophe steuert, die niemand hat vorhersehen können. Nicht nur der Schreibstil war wieder großartig, sondern auch der Aufbau der Geschichte konnte mich wieder überzeugen. Stück für Stück gelangt man an die Katastrophe heran, die die Familie Goldman ereilt hat und Stück für Stück kann man sehen, was alles passiert, wenn Missverständnisse geschehen, Eifersucht, Freundschaft und Loyalitäten in Frage gestellt werden und die Wahrheit vorenthalten wird. Ich kann euch dieses Buch wirklich nur ans Herz legen, auch wenn meines am Ende der Geschichte gebrochen war.


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