{Rezension} Das Licht von Aurora

{Rezension} Das Licht von Aurora
Anna Jarzab || Das Licht von Aurora || Loewe Verlag || 447 Seiten || 17,95€ || ISBN: 978-3-7855-7950-3

Zusammenfassung:


Die 16-Jährige Sasha, deren Eltern bei einem Unfall gestorben sind, wohnt bei ihrem Großvater. Schon als kleines Kind begeistert sie sich für Romane, in der der Protagonist in fremde Welten taucht. Als Grant, mitunter beliebtester Schüler der Schule, sie zum Abschlussball einlädt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Sie ahnt nicht, dass es in Wirklichkeit Thomas ist, der aus einem Paralleluniversum kommt, um sie zu entführen. Denn sein Interesse an ihr hat politische Gründe: die Prinzessin Juliana, Sashas Analog im Land namens Aurora, ist entführt worden. Und das kurz vor einer politischen Hochzeit mit dem verfeindeten Staat. Sasha soll ihren Platz einnehmen, bis man Juliana gefunden hat. Wie gefährlich dies jedoch ist, wird ihr erst dort klar. 

Cover:


Das Cover zeigt passend zum Titel eine wunderschöne Aurora Borealis (Mit diesen Wundererscheinungen kriegt man mich absolut immer!) und darin ein ebenso wunderschönes Kleid. Ich habe ja schon einmal erwähnt, dass das Buch bei mir nur wegen des Covers gelandet ist. Rückwirkend muss ich aber sagen, dass das "Licht von Aurora" herzlich wenig mit der Geschichte zu tun hat. Die Polarlichter gibt es zwar in Aurora, spielen aber keine signifikante Rolle. Da fand ich den Originaltitel Tandem ( engl. soviel wie Hintereinander) wesentlich passender. Ich geh also einfach davon aus, dass man solche Cover-Opfer wie mich famit locken wollte :-)

 Auftakt mit Potenzial


Ich verstehe nicht, wie andere eine Relation zu Kiera Cass' Selection-Reihe ziehen. Denn in diesem Roman geht es um ganz andere Schwerpunkte und ist bei Weitem nicht so märchenhaft wie Americas Hofleben. Aber fangen wir von Vorne an: Das Licht von Aurora hat etwas mehr als 35 Kapitel, die aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Sasha erzählt werden, sowie vereinzelt kurze Einblicke im Thomas Sicht und Erlebnisse von Juliana aus der dritten Person erzählt. Jede Erzählperspektive ist auch optisch umterschiedlich dargestellt, zum Beispiel ist die Schriftart bei Juliana eine andere. Hinzu kommt noch eine Unterteilung in Tage, sodass man immer weiß, in welchem Zeitraum man sich befindet. Insgesamt sind die Kapitel daher recht kurz, sehr übersichtlich und haben eine sehr angenehme Leselänge. Noch zur Form sei gesagt, dass in meiner Fassung recht vehemente Ausdrucksfehler enthalten waren.
Anna Jarzab hat eine Welt geschaffen, die in vielerlei Hinsicht überzeugt. Das schafft sie vor allem dadurch, dass sie wirklich intensiv und ausführlich auf die Theorie der Parallelwelten eingeht. Man lernt so nicht nur Aurora an sich kennen, sondern auch die Relation zwischen den Universen. So gibt es bei bestimmten Universen einen LGE (letztes gemeinsames Ereignis), einen Punkt, ab dem die zuvor gleichen Universen anfangen, sich in zwei verschiedene Richtungen zu entwickeln. In Aurora gibt es zum Beispiel kein Amrika, sondern den Staatenbund von Columbia. Dennoch ähneln sich die beiden Planeten vom Aufbau und von den Menschen her, die exakt gleich aussehen. Sich gleichende Menschen werden dort Analoge genannt.
Viele Dinge habe ich googlen müssen, weil ich skeptisch war, ob es überhaupt richtig erklärt wurde oder ob es so etwas überhaupt gibt. (z.B. Dunkle Energie) Hinzu kommen einige kurz angerissene Themen wie z.B. die Theorie von Apeiron, mehrere Zitate aus der Odyssee und Bezüge zu Shakespeare und Seneca. Das Ganze macht es zwar nicht glaubwürdiger, aber doch unheimlich stimmig. Ebenso die politische Ebene ist weitaus besser und komplizierter ausgearbeitet, als bei anderen Jugendromanen dieser Art. Es hat viele korrupte Momente, auf die auch genauer eingegangen wird ohne, dass es langweilig wird. Die Figuren hat sie für meinen Geschmack ebenso wunderbar in Szene gesetzt. Sie wirken nicht penetrant, nicht eintönig sondern werden dem mit einer Leichtigkeit vorgestellt, sodass man sich nicht durch plakative 0/8/15 Charakterisierungen kämpfen muss. Sasha ist eine sehr lebhafte und impulsive, aber auch sehr warmherzige Person, deren Gefühle sehr natürlich wirken, und die man wirklich gut nachvollziehen kann. Manchmal baut sie Mist, aber auf eine so charmante Art, dass man es ihr gar nicht übel nehmen kann. Generell muss man aber sagen, dass Jarzab in ihrem Sprachstil einen Hang zur Dramatik an den Tag legt, der viel von dieser Natürlichkeit widerum schluckt. Man stolpert ziemlich häufig über kräftige Wörter, wie 'extrem', 'unendlich' oder 'niemals'. Ebenso lebhafte Metaphern, die teilweise übertrieben wirken, aber an einigen Stellen auch wunderbar funktionieren. Das muss man sicherlich mögen, für mich war es allerdings echt too muchBesonders störend empfand ich das bei den Emotionen. Egal ob es die ersten romantischen Gefühle nach schon einem Abend sind, oder eben auch die völlig aufbrausenden Wutanfälle, die Trauer oder das Mitgefühl. Sie kamen einfach viel zu schnell. Zum Beispiel redet Sasha gelegentlich vom "Je länger ich in Aurora war, desto....", was ich am zweiten Oder dritten Tag noch nicht tragbar finde. Und auch, dass Sasha sich so schnell verliebt, wirkt einfach unglaubwürdig. Ebenso muss ich aber auch sagen, dass diese starken Beschreibungen auch ein Pluspunkt sind. Denn gerade in den emotionalen Höhepunkten der Geschichte blüht die blumige und theadralische Schreibstil förmlich auf und nimmt einen richtig mit. Ein zweiter Kritikpunkt wäre noch die Spannung, die sich einfach nicht so recht entwickeln will. Die Story plätschert ein bisschen vor sich hin, und obwohl es immer neue Rätsel und Ereignisse gibt, nimmt die Spannung erst im letzten Drittel richtig Fahrt auf. Gerade im ersten Viertel weiß der Leser mehr als Sasha selbst, sodass sich gerade der Anfang etwas zieht. Und auch sonst kann ein aufmerksamer Leser nicht großartig überrascht werden, da es immer wieder kleine Andeutungen gibt. Letztlich baut auch dieser Roman viel Spannung über die Gefühle von Sasha auf und das kommt den Romantik-Liebhabern sehr zu Gute. 

Fazit:


Das Buch lässt mich nicht euphorisch zurück, aber dennoch finde ich es im Großen und Ganzen gelungen. Besonders wie die Welt und die Figuren dargestellt waren hat mir sehr gefallen, da es sehr detailliert und trotzdem subtil erzählt wurde.Hingegen kam ich nicht besonders gut mit den schnellen und (meiner Meinung nach) teilweise übertriebenen Gefühle, sowie dem teilweise sehr theadralischenen Schreibstil klar. 
Mit wirklich gut gemeinten 3,5 Schmetterlingen lasse ich noch ordentlich Luft nach oben und hoffe, dass sich die Reihe noch steigern wird. 
{Rezension} Das Licht von Aurora

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