Rezension: Das Casting (Ryu Murakami)

Rezension: Das Casting (Ryu Murakami)

Mit Das Casting landete der vielfach preisgekrönte Schriftsteller Ryū Murakami einen Überraschungserfolg, der sogar verfilmt wurde. Warum gerade dieser Roman so einschlug, bleibt allerdings ein Rätsel.

Asami wa ori?

Aoyama ist ein Mann um die Vierzig, dessen Frau vor sieben Jahren verstorben ist. Sein bester Freund Yoshikawa hat eine Idee: Warum nicht ein fingiertes Film-Casting veranstalten, in dem es nicht um die Suche nach einer Schauspielerin, sondern um eine neue Frau für Aoyama geht? Und so melden sich Tausende verzweifelte Mädchen, die von der großen Karriere träumen. Schnell fokussiert Aoyama sich auf die geheimnisvolle Asami.

24 Jahre jung, bildhübsch und undurchsichtig — mit diesen Attributen gelingt es Asami, den bis über beide Ohren verknallten Aoyama um den Finger zu wickeln.

Durchgeknalltes Miststück

Ryū Murakamis Stärke liegt, wie er auch schon bei In der Misosuppe bewies, im abgründigen Überraschungsmoment. Wenn die Maske fällt, kommt das Raubtier dahinter zum Vorschein. Murakamis Hauptfiguren sind häufig naiv und nicht imstande, die drohende Gefahr zu sehen.

In Das Casting wird Ayoama von allen Seiten gewarnt — eine weise Freundin erkennt die bösen Elemente in Asami, selbst sein jugendlicher Sohn, der die merkwürdige Schönheit nur aus den rosarot gefärbten Berichten seines Vaters kennt, sieht die Romanze kritisch.

Doch Ayoma ist geblendet von gleißender Eitelkeit, denn Asami versteht es vorzüglich, dem Ego eines alternden Mannes zu schmeicheln. Selbst die wohlmeinenden und fundierten Warnungen Yoshikawas perlen an Aoyama ab wie Wasser an einem Lotusblatt.

Dabei ist er durchaus selbstreflexiv — immer wieder erinnert er sich an eine seltsame Begegnung mit einem Rollstuhlfahrer, der beim Anblick Asamis erschrak. Doch solche aufkeimenden Momente der Realität verdrängt Aoyama schnell wieder und rennt so in sein sicheres Unglück.

Die böse Gesellschaft

Autor Murakami ist bekannt dafür, die japanische Gesellschaft und ihre Schwächen in seinen Büchern zu spiegeln. Das ist zwar einerseits hochinteressant für Leser, die fern von Japan leben. Andererseits ist mir der Murakami–Stil zu vorhersehbar. So war ich enttäuscht von Asamis Hintergrund und einem sehr kurzen Showdown, der sich über 200 Seiten aufgebaut hatte.

Murakami entlädt Spannung in exzessiver Brutalität. Doch gerade mit dieser schematischen Entladung macht Murakami sich zu einem Teil jener Kultur der Extreme, die er kritisiert. Die Reise in den Abgrund wird nicht, wie auf dem Buchrücken angedeutet, zu einem Alptraum, sondern zu einem Sturzflug mit harter Landung.

Fazit

Irgendetwas fehlte mir in diesem Murakami-Roman. Er war mir zu typisch für den Autor, als hätte dieser eine Schablone aufgelegt und die einzelnen Sätze darin nachgezeichnet. Es ist ein unterhaltsamer, spannender Roman, keine Frage, aber den Hype verstehe ich nicht, zumal die Wendung zwar heftig, aber nicht wirklich überraschend ist.

MURAKAMI, RYU: Das Casting. Roman. Septime Verlag, Wien 2013, 200 S., 19,40 €


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