Rezension: boygenius – boygenius (EP, Matador Records 2018)

Lucy Dacus, Julien Baker und Phoebe Bridgers beweisen mit ihrer Supergroup boygenius endgültig, dass man kein „boy“ sein muss, um als Genie zu gelten – und liefern damit nebenbei DIE Indie-EP des Oktobers.

Rezension: boygenius – boygenius (EP, Matador Records 2018)

Wenn man von Supergroups spricht, denkt man normalerweise an Namen wie Cream (Ginger Baker/Eric Clapton/Jack Bruce), Them Crooked Vultures (John Paul Jones, Dave Grohl, Josh Homme) oder The Good, the Bad & the Queen( Damon Albarn, Paul Simonon, Simon Tong, Tony Allen), kurzum: an eine Schar renommierter, vorwiegend männlicher Musiker aus dem Mainstream-Rockbereich.

Nun wurde auch boygenius, die im Oktober eine gleichnamige EP veröffentlicht hatten, die Ehre zuteil, vom Musikmagazin Pitchfork zur Supergroup erhoben zu werden. Das Kollektiv um Lucy Dacus, Julien Baker und Phoebe Bridgers ist aber weder männlich, noch dem Mainstream-Publikum besonders bekannt.

Und dennoch: Die drei Musikerinnen von boygenius hatten allesamt vor dem gemeinsamen Projekt von der Kritik gelobte Alben veröffentlicht, spielten auf den Bühnen namhafter internationaler Festivals. Grund genug also, um sich das Präfix „super“ verdient zu haben?

Solche Suggestivfragen kommen nicht von Ungefähr. Gemäss Aussage der Künstlerinnen greift der Bandname „boygenius“ das Problem auf, dass Frauen im Indiegenre schnell als austauschbare Püppchen gelten. Mit ihrer ersten EP „boygenius“ wollen sie beweisen, dass dem nicht so sein muss: Die sechs Songs heben die individuellen Stärken der Musikerinnen hervor, ohne dass dabei ein stimmiges Gesamtbild zu kurz käme.

„Bite the Hand“, der erste Titel des Albums, ist eine Art (Anti-)Lovesong, der mit einem gänsehautwürdigem Crescendo am Schluss überzeugt, das vor allem durch die klare Stimme von Lucy Dacus zur Geltung gebracht wird.

Nicht Dacus, sondern Phoebe Bridgers steht im zweiten Song „Me and my Dog“ im Vordergrund. Mit ihrem folkigen Gesangs- und Gitarrentalent versetzt sie ihre Zuhörer in einen phantastisch angehauchten Tagtraum

I wish I was on a spaceship
Just me and my dog and an impossible view
I dream about it
And I wake up falling

“Souvenir“ setzt das Traummotiv fort, wobei es um deutlich düsterere Träume zu gehen scheint. Dacus, Baker und Bridgers besingen in jeweils einer Strophe ihre individuellen Ängste und Unsicherheiten.

„Stay Down“ thematisiert die Selbstzweifel, die bei häuslicher Gewalt in Beziehungen auftreten. Gestützt wird die Verzweiflung, die der Song zur Geltung bringt, von Bakers vielseitigen, emotionsgeladenen Gesangskünsten.

„Salt in the Wound“ ist der kollaborativste und zugleich auch aggressivste Song des Albums. Dacus, Baker und Bridgers spannen in einem energiegeladenen musikalischen Affront gegen emotionale Manipulation zusammen, der auch noch Stunden später nachhallt.

„Ketchum, ID“, eine akustische Folkballade, bietet einen gelungenen Abschluss, der hoffen lässt, dass es bald mehr von der Indie-Supergroup zu hören gibt. Denn spätestens nach „boygenius“ sollte jedem klar sein, dass man im Indie-Universum kein „boy“ sein muss, um als Genie zu gelten.

Fazit: 9/10


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