Revolutionäre Heimat – Teil 2

Revolutionäre Heimat - Teil 2

Ich stieg also voller Enthusiasmus aus dem Flugzeug, passierte gut gelaunt die Passkontrolle und wartete aufgeregt auf meine Koffer – bis mir auffiel, dass nirgendwo Gepäckwägen zu finden waren. Also machte ich mich auf die abenteuerliche Suche nach Gepäckwagen, fragte zwei Putzfrauen und drei Flugzeugbeamte. Als keiner etwas wusste und ich auf mich allein gestellt blieb, wurde ich letztendlich doch fündig – am anderen Ende des Flughafens.ische Ägypterin auf mich zulief und schrie: „Das ist meiner! Ich erkenne ihn wieder, du hast ihn mir weggenommen!“ Entnervt und zugleich beeindruckt von ihrer Dreistigkeit versuchte ich meine drei Prachtstücke vor ihren gierigen Händen zu schützen: „Ach waaaas, du hast ihn wiedererkannt? Und ich dachte immer die sehen alle gleich aus! Bei Gott, du nimmst mir gar nichts weg!“ Dramatisch erhöhte ich meine Stimme an diesem Punkt, um die Aufmerksamkeit der umstehenden (oft streitlustigen) Ägypter zu gewinnen. Nachdem sich, wie von mir gewünscht, eine schaulustige Truppe um uns gebildete hatte, schüttelte ich die kleine Lügnerin ab und schlängelte mich weiter in Richtung Gepäckausgabe. Nachdem ich meine Koffer auf die klapprigen Wagen gehievt habe, beschloss ich noch kurz mein erhitztes Gesicht zu erfrischen. Falsche Entscheidung. Kaum, dass ich das WC betrat, ertönte ein lautes „Brtshhhh“ und ehe ich mich versah schoss Wasser auf den Boden und in meine Ballerinas – Rohrbruch!

Etwas desillusionierter  als vorher trat ich aus dem Flughafengebäude, starrte in den sternenklaren Himmel und betete zu Gott, dass dieses Land mit all seinen verrückten Leuten und seinen vielen, noch ausstehenden Problemen irgendwann zu dem wird, was es auch wirklich sein kann.

Nach einer zweistündigen Autofahrt (ohne Komplikationen – welch Wunder!), erreichten wir meine Heimatstadt: El Mansoura. „Hier lagen überall Steine“, erklärte mir mein Cousin und zeigt auf die belebte Straße. – „Steine?“ – „Ja, die haben wir auf die dreckigen *Piep-Piep* Polizisten geworfen. Und hier lag ein brennendes Autowrack! Willst du wissen, welche Marke?“ – „Ähh, nein…“ „BMW X5, ich mein – das wunderschöne Auto kann doch nichts dafür. Naja hier links, schau, stehen auch noch Panzer!“ Aufgeregt schiele ich nach links und tatsächlich sehe ich die monstermäßig großen Panzer stehen und fühle wieder diesen stechenden Schmerz in der Brustgegend, dass mir diese historischen Tage durch die Lappen gegangen sind. Endlich bogen wir in unsere Straße ein, in der vor acht Monaten noch das lebensgroße Porträt von Mubarak zu sehen war und ich fühlte auf einmal ein kribbeliges Gefühl, dass ich gleich mit eigenen Augen sehen werde, dass sich wirklich etwas geändert hatte. Als ich genauer hinsah, traute ich anfangs meinen Augen nicht und schob es auf den 3,5-Stunden Jetlag, doch da war doch tatsächlich an dessen Stelle blendend weiße Werbung von Colgate. Maßlos enttäuscht über diesen kommerziellen Schnickschnack bat ich den Fahrer nach diesem tiefsitzenden emotionalen Schock kurz anzuhalten, um mir wenigstens einen postrevolutionären Zuckerrohrsaft zu leisten. Ich drückte dem Mann an der Kasse das Geld in die Hand, beobachtete wie er das Zuckerrohr in die Entsafter-Maschine presste und blickte nochmal zurück auf den Platz, an dem diese lächerliche Colgate-Werbung zu sehen war und siehe da. Ich  voreiliges, törichtes Ding habe mir nicht die Mühe gemacht auf die andere Seite der Zahnpastawerbung zu blicken. Denn dort stand in rot-weiß-schwarzen Farbe:

“Lang lebe die Revolution!”


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