Review zu Arte, Band 01

Arte von Kei Ohkubo verspricht ein Setting der besonderen Art. Doch dem nicht genug; auch ein modernes Thema, das uns seit Jahrzenten beschäftigt, gilt als maßgebliche Antriebskraft.

Seit dem 26. Mai ist der Manga mittlerweile in Deutschland bei Carlsen Manga erhältlich. Für einen Preis von 10,00 € bekommt ihr den ersten Band von Arte als Großformat im Softcover, welches erstaunlicherweise sehr gut zum Setting und der Handlung passt. Ob der Inhalt dem Preis gerecht wird, erfahrt ihr im Folgenden.

Handlung

Florenz im 16. Jahrhundert: Die Gesellschaft ist durchweg von einer patriarchalen Struktur geprägt. Die Trennung der Geschlechter erfolgt nach typischen Stereotypen. Männer regieren den öffentlichen Sektor. Frauen erlangen nur Glück, wenn sie von ihrer Familie verheiratet werden. Von Freiheit für Frauen fehlt jegliche Spur, geschweige denn von Independenz.

Doch auch hier gibt es einen jungen Vogel, welcher versucht aus seinem goldenen Käfig auszubrechen. Die junge Adelige Arte hegt einen großen Traum, der ihr durch das Zeitalter und der dort vorherrschenden Gesellschaft verwehrt bleibt. Sie liebt die Malerei und träumt bereits seit Kindesalter davon Malerin zu werden. Doch weder ihre Mutter noch potentielle Arbeitgeber unterstützen ihre Idee. Der Grund: Arte ist eine Frau.

Artes Mutter hat sich dem Leben einer adeligen Frau angepasst und möchte dieses auch ihrer Tochter vehement weitergeben, weil sie es für die bestmögliche Chance sieht. Arte ist davon gar nicht begeistert und versucht daraufhin als Lehrling in einer der zahlreichen Malerwerkstätten in Florenz angenommen zu werden - vergebens. Jeder Meister lehnt sie aufgrund ihres Geschlechts ab.

Durch einen glücklichen Zufall und eine unnütz schwere Prüfung wird sie dem Meister Leo aufs Auge gedrückt und pflegt fortan ihr Dasein als Malerlehrling. Und tatsächlich wird sie nicht auf die Schippe genommen, sondern bekommt eine wahre Möglichkeit das Handwerk eines Malers zu erlernen, um ihren Traum zu verwirklichen.

Ihr Weg ist definitiv ein Steiniger, trotzdem versucht sie immer in Bewegung zu bleiben und ihr Bestmöglichstes zu geben. Sie ist nicht unterzukriegen und nimmt den Kampf gegen die Diskriminierung auf. Das altertümliche Setting lässt die Handlung mit feministischem Hintergrund in neuem Glanz erstrahlen und scheint unverbraucht.

Schade ist jedoch, dass sich der Manga trotz aufstrebender Thematik einiger Klischees bedient. So spielt auch die Liebe eine (noch kleine) Rolle. Zwar ist diese nicht erzwungen, trotzdem hätte man drauf im ersten Band verzichten können, um der Thematik mehr Ausdruck zu verleihen. Auch ist Artes Grundeinstellung zeitweise nicht ideal. So denkt sie teils daran, was ein Mann in ihrer Situation tun würde und versucht ihr eigenes Handeln daran zu orientieren statt ihren eigenen Mittelweg zu finden.

Die Handlung in Kombination mit dem Setting der Renaissance verspricht eine unterhaltsame und moderne Geschichte im Angesicht der Altertümlichkeit. Dafür vergeben wir eine Wertung von 8,0 Punkten.

Zeichnung

Der Manga stammt von Mangaka Kei Ohkubo, welcher sich seit 2013 Arte widmet. Bisher sind in Japan 12 Bände erschienen, welche sich durch die detailreichen Zeichnungen auszeichnen. Bereits das unverkennbare Setting lässt einen realen Blick in die Zeit der Renaissance zu.

Besonders hervorzuheben ist die realitätsnahe Architektonik der Gebäude. Teilweise könnte man die einzelnen Steine im Mauerwerk abzählen, ebenso auch die Dachziegel. Die Hintergründe wirken selten skizzenhaft, sondern meist sehr ausgeklügelt und akkurat. Ebenfalls sind sie weder überladen noch leer. Ideal platziert wirken sie sich positiv auf die Lesezeit des Manga aus, da diese durch genaueres Bestaunen deutlich zunimmt.

Die Charaktere und deren Charakterzüge wirken sehr europäisch und somit authentisch. Die Linien und Konturen der Zeichnungen sind stets klar zu erkennen. Auch die Kleidung, unabhängig des Standes, ist der Epoche entsprechend angepasst und versetzt in das vergangene Zeitalter.

Es besteht kein Grund zum Zweifeln, dass Arte nicht weniger als die volle Punktzahl von 10,0 Punkten in puncto Zeichnung verdient.

Perspektive

Perspektivisch wird die Geschichte größtenteils aus Artes Sicht erzählt. Meist ist diese stark von Emotionen geleitet und geprägt. Dies könnte zumindest einige Leser abschrecken, da oft die Emanzipation die tragende Rolle spielt und es mit der Zeit anstrengend sein könnte. Natürlich ist dies die maßgebliche Handlung. Jedoch ist weniger manchmal mehr.

Perspektivenwechsel sind ziemlich rar gesät. So erhält man einmal einen kurzen Einblick in die Gedanken und Gefühlswelten von Artes Mutter und Meister Leo. Diese geben jedoch nichts über die Person preis, sondern sind meist auch auf Arte gerichtet.

Bisher schreitet die Handlung gemächlich voran und orientiert sich stets an Artes aufgetragenen Aufgaben. Ein bisschen Abwechslung würde dem Manga ab und an nicht schaden, da die Thematik relativ gleichbleibend ist und wenig szenische Höhepunkte bietet.

Für eine geradlinige Perspektive vergeben wir eine Wertung von 8,0 Punkten.

Fazit

Mit Arte hat sich Carlsen allemal einen Manga mit einer besonders bewegenden und nachvollziehbaren Thematik ausgesucht. Sie selbst betiteln den Manga als Special, weswegen wir den Titel in den Genres Slice of Life und später womöglich auch in Romance verbuchen würden.

Bisher schreitet die Handlung etwas langsam voran, weswegen man bei den Folgebänden auf mehr und schnelleres Pacing gespannt sein dürfte. Aber gerade dieser sanfte Einstieg vermittelt den Wert der Ungezwungenheit und er lässt sich gut in Arte hineinversetzen, um sich mit ihr zu identifizieren. Ein gelungener erster Band, welchen man definitiv nicht missen sollte.

Abschließend bedanken wir uns zudem bei Carlsen Manga für das Bereitstellen eines Belegexemplars, das diesen Artikel ermöglicht.

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